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Willkommen in Köllefornia

Quelle: IMAGO

Der Rather See wäre die erste Wasserski-Anlage auf kölschen Boden

Auf der Schäl Sick soll ein neues Freizeitparadies entstehen. Läuft alles glatt, können die Kölner ab Mitte 2013 im kölschen Kalifornien Wasserski fahren, schwimmen und einiges mehr.

Viel Freude hatte die Familie von Stein in den letzten Jahren nicht mit dem Rather See, der sich zum Großteil im Familienbesitz befindet. Das Gelände liegt brach und bringt seinen Besitzern nichts ein. Schlimmer noch: „Im Sommer baden die Leute da wild und lassen ihren ganzen Müll einfach liegen“, beklagt sich Florian von Stein, der die Familie und zwei weitere Eigentümer vertritt, die über kleinere Parzellen verfügen.

Die schlimmen Zustände am Rather See dürften aber in naher Zukunft ein Ende haben, denn womöglich schon in anderthalb Jahren öffnet hier ein neues Freizeitparadies seine Pforten – mit zwei Wasserskibahnen, Badestrand und einigen weiteren Attraktionen. Köllefornia sozusagen, nur ohne Palmen. Die Anlage wäre übrigens die einzige auf Kölner Stadtgebiet mit einem Wasserski- und Wakeboading-Angebot, was dem Unterfangen Pilotcharakter verleiht. Der nächstgelegene Konkurrent, das Naturfreibad Vingst, kann auf eine solche Offerte nicht verweisen.

Zwei Wasserski-Bahnen geplant

Der von den Besitzern des Areals entwickelte Bebauungsplan hat die ersten bürokratischen Hürden schon genommen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat ihn bereits durchgewunken. Auch zwischenzeitliche Irritationen bezüglich der zweiten Bahn sind inzwischen längst aus der Welt geschafft. „Wir brauchen diese zweite Bahn aus wirtschaftlichen Gründen unbedingt, denn mit ihr wird das Geld verdient“, erklärt Projektsprecher von Stein. Nur die so generierten Einnahmen machten die vorgesehenen „sozial verträglichen Eintrittspreise“ von ein, zwei Euro für den Freibadebereich möglich.

Auf Bahn eins sollen sich in Zukunft die Tageskunden vergnügen, die andere von der Deutschen Sporthochschule, Schulen und Vereine genutzt werden. Diese „Stammkunden“ nehmen letztere also zu fest gebuchten Zeiten in Anspruch, was regelmäßige Einnahmen garantiert.

Florian von Stein und seine Projekt-Mitstreiter werden die angedachten Einrichtungen indes nicht bauen oder betreiben. „Dafür haben wir weder die Zeit noch genug Ahnung“, sagt von Stein. „Daher geben wir den Betrieb komplett weg.“ Folgerichtig führt der Inhaber der „von steinverwaltung“ intensive Gespräche mit möglichen Investoren. „Wir stehen da in vielversprechenden Verhandlungen.“ Wird die Anlage dann von der Bevölkerung angenommen, entsteht eine klassische Win-win-Situation: Die Eigentümer erhalten die Pacht, die Betreiber wiederum die Gewinne aus dem Tagesgeschäft.

Zuvor müssen die Investoren aber nicht unerhebliche Gelder ausgeben. Je nach Ausführung aller Maßnahmen sind drei bis sechs Millionen Euro fällig. Allein für eine Wasserskibahn sind 300.000 bis 500.000 Euro fällig, und da ist der Steg noch nicht mal inklusive. Auch von Stein und seine Partner haben schon eine beachtliche Summe in das Projekt gesteckt: Die Kosten für die Planungen belaufen sich auf rund 200.000 Euro.

Die Logistik ist bereits soweit durchdacht, dass auch die Anzahl der Parkplätze am See schon feststeht. Bedenken, die 290 Abstellmöglichkeiten seien zu knapp bemessen, kann von Stein entkräften: „Es gibt dafür exakte Berechnungsgrundlagen, und diesen Bedarf haben Gutachter ausgerechnet.“ Zudem würden aufgrund der guten Lage des Baggersees ohnehin nur relativ wenige Menschen mit dem PKW zum Schwimmen, Baden und Sonnen anreisen.

„Wir haben hier eine sehr gute Bahnverbindung. Und die Anwohner kommen ohnehin zu Fuß.“ Wenn alle Stricke reißen, wird zusätzlich der so genannte Ausweichparkplatz geöffnet: „Das wird zu Spitzenzeiten bei 30 Grad Celsius der Fall sein.“

Letzte Instanzen

Nun gilt es, letzte Hürden zu nehmen. Zunächst muss die Öffentlichkeit informiert werden. Bei einer von der Stadt einzuberufenden Versammlung – der Termin steht noch nicht fest – können die Bürger Bedenken oder Einwände vortragen. Von Stein rechnet aber nicht mit Gegenwind: „Es gibt entsprechende Lärm-, Verkehrs- und Umweltgutachten. Wir müssen zudem entsprechende Ausgleichsmaßnahmen vornehmen.“ Was bedeutet, dass an anderer Stelle vom Umweltamt vorgegebene Bepflanzungen gesetzt werden müssen. Umweltbedenken entkräftet auch der Umstand, dass nur ein Teil des Sees kommerziell genutzt wird – der Nordosten bleibt als Rückzugsgebiet für Flora und Fauna. Die Größe des Sees von 43 Hektar macht dies problemlos möglich.

Im Nachgang zur Versammlung beschäftigt sich der Stadtentwicklungsausschuss noch mal mit dem Projekt und entscheidet, ob der aktuelle Bebauungsplan modifiziert wird. Nach dieser möglichen Änderung kann es dann mit dem Bau los gehen.

„In Köln weiß man nie“

„Es wird nicht alles von Beginn an zur Verfügung stehen“, schränkt Florian von Stein ein. Als erste Vorhaben möchten die Verantwortlichen aber den Badebereich und die Wasserskianlage umsetzen. „Sauna, Kletterwald und Gastronomie folgen dann sukzessive.“

Bis zum Ende des Jahres soll das Vorhaben sämtliche Instanzen durchlaufen haben, so dass dann stehenden Fußes der Bau beginnen kann. „Ab Anfang 2013 soll der Betreiber rein, und wenn alles gut geht, kann ab Mitte 2013 der erste Sport stattfinden. Aber das weiß man in Köln natürlich nie“, lacht von Stein. Wobei eine Verzögerung schade wäre, schließlich verspricht die Anlage eine echte Freizeitattraktion für Köln zu werden.