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Aus 2 mach 1

Quelle: Köln.Sport

In der vergangenen Saison belegte Germania Nippes den 11. Rang. Ditib wurde Vizemeister in der Kreisliga C und scheiterte somit knapp am Aufstieg.

Germania Nippes und Ditib Türk fusionierten in diesem Sommer zum DSK Köln. Wird der Ehrenfelder Club eine neue Macht im Kölner Fußball? Der Vorsitzende Ertugrul Güleyüz gibt sich bescheiden.

Die Nachricht sorgte für Aufsehen in der Fußballszene: Der klamme Bezirksligist Germania Nippes und der Kreisklasse-C-Club Ditib Türk schließen sich zum DSK Köln zusammen. Ditib? Richtig, das sind die solventen Bauherren der neuen Zentralmoschee in Ehrenfeld. Da lag der Verdacht nahe, dass viel Geld in diesem Projekt steckt.

Wird die Bezirksliga für den DSK nur zur Durchgangsstation auf dem Weg nach oben? Fakt ist: Der neue Ehrenfelder Verein weckt Assoziationen an Clubs wie Türkiyemspor Berlin oder Yurdumspor Köln, die sich als türkisch geprägte Fußvereine in recht hohe Ligen spielen konnten.

Doch beim DSK ist es anders: Bei der Ditib handelt es sich nicht um einen finanzstarken Konzern, sondern nur um einen eingetragenen Verein. Wenn auch um einen enorm großen. Und beim Bau der umstrittenen Moschee tat sich der Verein auch recht schwer. Die etwa 25 Millionen Euro Kosten sollten sich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen, Rücklagen und einem Kredit zusammensetzen.

Doch im Februar 2010 waren via Spenden gerade mal 15 Prozent der Gesamtsumme reingekommen. Inzwischen sind die Kosten zwar gedeckt, aber: Erhebliche Gelder in einen Club stecken, selbst wenn er unterm Banner der Ditib läuft, steht nicht auf der Tagesordnung.

Sportlicher Ehrgeiz

Etwas professioneller als bei der Konkurrenz geht es neben der Moschee aber doch zu. So gönnt sich der DSK einen hauptamtlichen Vorsitzenden und rüstet all seine Spieler komplett mit dem Equipment der Drei-Streifen-Marke aus. Ansonsten gibt man sich bescheiden.

„Wir haben hier keinen Fahrplan, wann wir in welche Liga aufsteigen wollen“, erklärt der Vorsitzende Ertugrul Güleryüz. „Wir wollen ein gesunder Verein sein, der es den Menschen ermöglicht, ihrem Hobby nachzugehen.“ Im Gegensatz zu Türkiyemspor oder Yurdumspor versteht sich der DSK auch nicht als türkischer Verein.

„Jeder kann bei uns Mitglied werden – unabhängig von Herkunft, Religion oder anderem. Den Punkt Integration haben wir in die Satzung aufgenommen. Auch wenn wir Ditib im Namen tragen, sind wir doch ein völlig eigenständiger Verein“, sagt Güleryüz. Bei allem Bemühen um Integration entwickelt der jüngste Club doch erheblichen Ehrgeiz, schließlich ist Güleryüz kein unbeschriebenes Blatt.

Der 33-Jährige wirkte zunächst im Nachwuchs des FC Pesch und von Alemannia Aachen, ehe er in der Süper Lig als Co-Trainer der Deutschen Reinhard Stumpf und Michael Skibbe fungierte. Daher zeichnet Güleryüz auch für das sportliche Konzept verantwortlich. Wie bei den Profis hat sich der DSK ein mannschafts- und altersübergreifendes Programm sowie eine Philosophie erarbeitet, an das alle Trainer gebunden sind.

Einen ungewöhnlichen Ansatz verfolgt der DSK im finanziellen Bereich. „Wir bezahlen den Spielern der 1. Mannschaft kein Gehalt“, verrät Güleryüz, „denn wir wollen keine Legionäre verpflichten. Stattdessen setzen wir auf junge Spieler, die sich voll mit dem DSK identifizieren.“ Wobei eine erfolgreiche Saison – dies bezieht Güleryüz nicht nur auf den sportlichen Erfolg, sondern auch auf das Auftreten des Teams –, sich aber durchaus auch in Form einer „Belohnung“ auszahlen würde.

„Ditib möchte größere Beachtung“

Fürs Sportliche zeichnet künftig Karl Slickers verantwortlich. Der Übungsleiter warnt vor überzogenen Erwartungen: „Wir haben viele neue Spieler, einen neuen Trainer und insgesamt ist es für den Club eine ganz neue Liga. Deshalb peilen wir zunächst den Klassenerhalt an – und das wird schon schwer genug.“

Auch Slickers betont die Normalität des Projektes. „Das ist ein ganz durchschnittlicher Verein, der eng mit dem Veedel Ehrenfeld verbunden ist. Vor allem soziale Aspekte zählen hier.“ Eine Sonderrolle aufgrund des Namensgebers räumt der Trainer aber ein: „Die Ditib möchte mit dem Club sicher auch eine größere Beachtung erfahren.“

Neben einer schlagkräftigen Mannschaft liegt der zweite Schwerpunkt auf dem Ausbau der Infrastruktur des Vereinsgeländes. Die Prälat-Wolker-Anlage soll einen Kunstrasenplatz erhalten. „Wir waren deswegen schon bei der Stadt“, hat der Vorsitzende bereits Kontakt zu den Entscheidern aufgenommen. „Wir wollen gerne unseren Teil beitragen, brauchen aber für die finanzielle Umsetzung Hilfe.“

Probleme, wie sie andere Clubs auch kennen. Und damit wohl keine neue „Supermacht“ im Kölner Fußball.