Köln.Sport

Halle der begrenzten Möglichkeiten

Quelle: Friedrich Wassermann GmbH & Co.

Die neue Multifunktionshalle entsteht an der Stelle des alten

In Vogelsang entsteht eine neue multifunktionale Veranstaltungshalle. Aber bietet sie auch neue Chancen für den Kölner Sport?

Nägel mit Köpfen machen die Investoren um Anton Bausinger: Bis zum Herbst 2012 wird an der Stelle des alten „Energy Domes“, der früheren Spielstätte des Basketball-Bundesligisten Köln 99ers, in Vogelsang eine neue Multifunktionshalle entstehen. Die moderne Location mit 5.000 Steh- oder alternativ 1.700 Sitzplätzen versteht sich weniger als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten als vielmehr als Ergänzung.

„Unsere Marktanalyse hat ergeben, dass diese Größenordnung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten am besten geeignet ist“, erklärt Anton Bausinger, Geschäftsführender Gesellschafter der Friedrich Wassermann GmbH, die für den Bau verantwortlich zeichnet. „Es gibt einen erheblichen Bedarf für einen zusätzlichen Veranstaltungsort im Segment um die 5.000 Besucherplätze.“

Für das Konzertsegment hat der Diplom-Ingenieur Bausinger sicher recht. Viele Künstler machen um die Domstadt einen Bogen, weil zwischen dem Palladium (4.000 Stehplätze) und der Lanxess-Arena (18.000 Steh- und Sitzplätze) seit dem Abriss der alten Sporthalle eine riesige Lücke klafft. So gastieren Anfang des Jahres 2011 Künstler wie Jan Delay oder Till Brönner in der ziemlich maroden Düsseldorfer Philipshalle. Acts, die der Kulturstadt Köln ebenfalls gut zu Gesicht gestanden hätten und die vielleicht demnächst in der neuen Halle in Vogelsang musizieren.

Einen wichtigen Eckpfeiler bei der Auslastung der „Halle Tor 1″, so der wenig glamouröse Name, soll der Sport darstellen. Doch lassen sich attraktive Sportevents bei der vorgesehenen Größenordnung überhaupt realisieren?

Abgespeckte Variante

Eine wichtige Frage, wird sich doch die „Halle Tor 1″ allein mit Konzerten kaum lukrativ betreiben und vermarkten lassen. Daher haben die Verantwortlichen sinnvollerweise auch andere Events auf ihre Agenda gesetzt: Hausmessen, Ausstellungen, Firmenpräsentationen, Bankette und Karnevalssitzungen sollen den Veranstaltungskalender füllen. Und eben der Sport.

Allerdings lässt sich Anton Bausinger in diesem Punkt nicht wirklich in die Karten schauen. Nach seiner Aussage bestehen schon zum jetzigen Zeitpunkt konkrete Planungen für Disziplinen wie Handball, Fußball, Hallenhockey, Tennis und Basketball: „Wir haben das Spektrum an möglichen Sportarten bewusst weit gefasst. Und bis Ende 2012 haben wir ja auch noch viel Zeit, unsere Vorhaben zu konkretisieren.“

Die Pläne für die „Halle Tor 1″ fußen auf dem einstigen Konzept zum „Bois de Cologne“. Dieser sollte eine Art Gesundheitsparadies werden. Ein Kletterturm und Nebengebäude mit Einrichtungen für Sport und Fitness zählten ebenso zu den geplanten Bestandteilen wie eine große Multifunktionshalle für Konzerte und Sportevents. Doch nach dem Aus der Köln 99ers, bei denen Bausinger seinerzeit als Investor fungierte, mussten die Pläne offensichtlich ordentlich abgespeckt werden.

Aber was macht an Sportveranstaltungen vor nicht einmal 2.000 Zuschauern finanziell überhaupt Sinn? Die populärsten Hallensportarten im Köln.Sport-Check:

● Eishockey: Ausdrücklich kein Thema für Bausinger & Co. Und für die Kölner Haie wäre ein Spielbetrieb vor maximal 1.700 Fans ohnehin nicht von Interesse.

● Handball: Der VfL Gummersbach baut im Oberbergischen eine eigene Halle für 4.000 Zuschauer, die im Herbst 2012 fertig gestellt sein soll, und fällt somit als Mieter aus.

● Basketball: Der MTV Köln und die DJK Südwest agieren in der 2. Regionalliga (5. Klasse), die Köln 99ers gar nur in der Oberliga. Ein paar Ligen höher müsste es schon sein, sollen regelmäßig um die 1.500 Freunde der orangen Kugel in den Kölner Westen pilgern.

● Tennis: Die Zeiten für Tennisturniere sind denkbar schlecht, wie das Aus für den „World Team Cup“ im Düsseldorfer Rochusclub belegt. Und beim geplanten Fassungsvermögen lässt sich ein attraktives Profispielerfeld kaum finanzieren.

● Hockey: Rot-Weiss Köln ist mit seinen Topteams im Herren- und Frauenbereich das Nonplusultra im Hockey. „Wir können uns Spiele in der ‚Halle Tor 1′ durchaus vorstellen. Aber wohl keine normalen Ligaspiele, sondern eher Topspiele wie in der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft“, freut sich RW-Geschäftsführer Bernd Seibert auf die neue Location.

● Boxen: Für kleinere Veranstaltungen im Profibereich oder Meisterschaftsturniere des SC Colonia könnte sich die neue Halle als prima Austragungsort erweisen.

● Volleyball: Da sich in Köln keine höherklassigen Vereine tummeln, kommt das Rückschlagspiel nicht in Frage.

● Fußball/Futsal: Die alberne Bandenkickerei aus Zeiten des DFB-Masters ist längst aus der Mode. Und 1.700 Fans brächten ohnehin nicht genug Geld in die Kasse, um Profiteams für ein Turnier zu verpflichten. Die neue Hallenvariante Futsal muss dagegen noch heftig an ihrer Popularität arbeiten, um mittelgroße Hallen zu füllen.

Wenige Möglichkeiten

Unter dem Strich bieten sich also nicht allzu viele Möglichkeiten an, der dahinsiechenden Sportstadt Köln in Vogelsang merklich auf die Sprünge zu helfen. Kein Wunder, dass sich potentielle Konkurrenten wie die Lanxess-Arena recht entspannt geben. „Für Vereine wie beispielsweise den VfL Gummersbach wäre es vom Fassungsvermögen her tatsächlich etwas eng“, räumt Anton Bausinger ein. „Gegebenenfalls müsste da geprüft werden, inwieweit sich Zusatztri-bünen mit Stehplätzen errichten lassen, um mehr Menschen in die Halle zu bekommen.“ Offen bleibt jedoch, wie weit sich mit solchen Maßnahmen die Kapazität spürbar erweitern lässt.

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