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„Olympiabewerbung wäre reizvoll“

Oberbürgermeister Jürgen Roters (r.) mit Köln.Sport-Redaktionsleiter Frank Schwantes. Foto: Benjamin Horn

Oberbürgermeister Jürgen Roters (r.) mit Köln.Sport-Redaktionsleiter Frank Schwantes.
Foto: Benjamin Horn

In Teil zwei des Exklusiv-Interviews spricht Oberbürgermeister Jürgen Roters u.a. über die Bewerbungsmöglichkeiten Kölns und der Region für Olympische Spiele.

Herr Roters, Sie haben kürzlich erklärt, den Verein „Sportstadt Köln e. V.“ zu unterstützen, indem Sie dort den Vorsitz des noch zu gründenden Beirats übernehmen wollen. Um welche Ziele geht es Ihnen dabei?
Da mir die Sportentwicklung in Köln sehr am Herzen liegt, ich mich zuletzt als Oberbürgermeister diesem Thema aber nicht so stark widmen konnte, habe ich mich bereit erklärt, den Beiratsvorsitz zu übernehmen. Zumal ich nur noch ein Jahr im Amt bin und ich mich darüber hinaus weiter im Sport engagieren möchte. Das Konzept „Agenda 2015“ sowie das Projekt „Sportstadt Köln“ des Vereins enthalten zahlreiche Initiativen, die umgesetzt werden sollen. Von deren Gelingen bin ich überzeugt. Es gibt meines Erachtens auch keine Konkurrenz zwischen dem Stadtsportbund, dem Sportausschuss als politischem Gremium und dem Verein Sportstadt Köln, sondern diese ergänzen sich sehr gut miteinander.

Nun gilt es für den Sportstadt e. V., über Gesellschaft und Wirtschaft noch mehr Engagement und finanzielle Unterstützung zu erhalten. Und das würde ich als meine Aufgabe sehen: Menschen als Verantwortungsträger zu gewinnen, die sich für den Sport, den Breitensport und für die Nachwuchsförderung interessieren. Erziehungsaufgaben übernehmen, soziale Fähigkeiten vermitteln, Jugendliche mit Migrationshintergrund integrieren – diese wichtigen Aufgaben können in unserer Stadt am besten Sportvereine übernehmen.

Viele befürchten ein Gerangel zwischen Stadtsportbund und Sportstadt e. V., auch wenn es um das Akquirieren von Sponsorengeldern geht.
Ein gewisser Wettbewerb ist da, das will ich gar nicht bestreiten. Aber es gibt auf Vorstandsebene wechselseitige Vertretungen, so dass man sich abstimmen kann. Gerade was das Akquirieren von zusätzlichen Mitteln für die Sportförderung betrifft, ist dies weniger Aufgabe des SSBK, denn er muss in erster Linie den etablierten Sport organisieren und dafür Sorge tragen, dass die Vereine gute Arbeit leisten können. Die Aufgabe des Sportstadt e. V. dagegen besteht stärker darin, eine Einbindung des gesamten Sports – auch der freien Sportszene – in die Stadtgesellschaft zu erzielen und dafür entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Sei es, dass man freie Bolzplätze schafft, die nicht an Vereine gebunden sind, oder Gymnastik- und Sportgeräte in der Erholungslandschaft aufstellt. Solche Dinge werden nicht vom Stadtsportbund finanziert.

Die Förderung des Sports in Köln durch öffentliche Mittel ist von der Höhe der Zuwendungen, die etwa die Kultur erhält, noch weit entfernt. Gibt es Hoffnung, dass der Sport in den Haushaltsplanungen künftig stärker berücksichtigt wird?
Diese Frage kommt stets, wenn die Haushaltsberatungen langsam beginnen: Wie schneiden wir ab? Angesichts der Haushaltskonsolidierung möchte ich unterstreichen, dass wir keine einseitige Belastung des Sports vornehmen werden. Dass dieser vernachlässigt wird, kann man beim besten Willen nicht behaupten.

Köln ist eine wachsende Stadt, auch deshalb fordert der SSBK eine Erhöhung der Jugendbeihilfe im Sport, ebenso die Einführung einer Seniorenbeihilfe.
Wie gesagt, im Zuge der Haushaltskonsolidierung können wir keine großflächige Ausweitung der Mittel vornehmen, aber für Einzelprojekte müssen wir offen sein. Und wenn es darum geht, realistische Erwartungen entgegenzunehmen, bin ich bereit für Gespräche mit Stadtkämmerin Gabriele C. Klug, mit Sportdezernentin Dr. Agnes Klein und mit dem Stadtsportbund. Allerdings wollen wir als Stadt keine neuen Aufgaben übernehmen, so viel steht fest. Dies soll aber nicht heißen, dass wir wichtige Aufgaben im Bereich der Förderung für Jugendliche nicht übernehmen. Wenn es gute Konzepte dazu gibt, versuchen wir, diese auch zu finanzieren.

Hamburg und Berlin wollen sich um die Olympischen Spiele 2024 bzw. 2028 bewerben, dementsprechend dürfen diese Städte auf Investitionen in eine hochmoderne Sportinfrastruktur hoffen. Könnten Sie sich in Zukunft auch eine Olympiabewerbung von Köln vorstellen?
Es ist schon eine ganz große Herausforderung, sich für Olympische Spiele zu bewerben. Das Land NRW zum Beispiel ist mit Düsseldorf schon relativ früh in der nationalen Bewerbung für 2012 gescheitert. Und wenn man seinen Hut in den Ring wirft, muss man schon überzeugende Konzepte haben, die von der Wirtschaft entsprechend mitfinanziert werden. In diesem Punkt unterscheiden wir uns einmal von Berlin als Bundeshauptstadt, aber auch von Hamburg, das schon einmal den Anlauf gemacht hat und dabei nicht zum Zuge kam. In Hamburg muss man wiederum anerkennen, dass sich dort die Wirtschaft stärker über die Industrie- und Handelskammer engagiert. Hier in der Region wäre ein Zusammenschluss denkbar, mit Köln als Führungslokomotive, mit Düsseldorf, Aachen und weiteren Standorten im Ruhrgebiet. Selbst die Entfernung bis zur Nordsee für Wassersport-Wettkämpfe wäre nicht allzu weit, vielleicht hätte man in solch einem Verbund gute Karten. Sicher, reizvoll wäre eine Olympiabewerbung Kölns schon.

Kölns sportliches Aushängeschild Nummer eins bleibt der FC. Der Klub hat kürzlich das Geschäftsjahr 2013/14 bilanziert. Hat Sie das Ergebnis überrascht?
Der Verein hat einen Überschuss von 1,2 Millionen Euro erwirtschaftet, trotz Zweitliga-Zugehörigkeit in 2013/14, das ist schon bemerkenswert. Dennoch hat mich das Ergebnis nur wenig überrascht, denn ich habe großen Respekt vor dem, was der Vorstand und insbesondere Geschäftsführer Alexander Wehrle dort geschaffen haben. Es herrschen Transparenz und klare Vorstellungen darüber, was ein Verein wie der FC leisten kann, aber auch, wo seine Grenzen liegen. Die Klubführung macht zudem deutlich, dass der 1. FC Köln auch ein Wirtschaftsunternehmen ist, das auf Dauer nicht über seine Verhältnisse leben kann.

Der Verkauf des RheinEnergieStadions an den 1. FC Köln wurde in den letzten Jahren immer wieder thematisiert. Ist dies noch aktuell?
Ich bin für alle Gespräche offen und damit auch für die Frage, ob der FC noch willens ist, das Stadion insgesamt zu übernehmen. Allerdings zu angemessenen Konditionen. Ich möchte aber nochmals betonen, dass wir als Stadt kein eigenes Stadion haben müssen, dies gehört nicht zu unseren Kernaufgaben.

Interview: Frank Schwantes

 

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