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Kein Weg zurück

Auffällig unauffällig viel die Polizeipräsenz beim Bundesliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV aus Foto: IMAGO/Thilo Schmülgen

Auffällig unauffällig fiel die Polizeipräsenz beim Bundesliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV aus
Foto: IMAGO/Thilo Schmülgen

Die neue Strategie der Polizei fand zum Bundesliga-Start großen Anklang. Doch was sie Wert ist, muss sich erst zeigen. Ein Kommentar.

Unauffällig ist gut. Das gilt, fragt man die meisten Fußball-Fans, für die Schiedsrichter besonders. Im Mittelpunkt soll nur eines stehen: das Spiel, 90 Minuten purer Fußball. Dass das nicht immer geht, ist klar. Hier und da muss ein Regelverstoß geahndet, die Anwesenden zur Ordnung gerufen oder gar vom Feld geschickt werden. Aber nur, wenn dies auch nötig ist.

Dieselben Maßstäbe sollten rund um ein Fußballspiel auch für die Polizei gelten. Die neue Strategie, ausgerufen von NRW-Innenminister Ralf Jäger, folgt diesem Beispiel. Schluss mit den martialischen Aufmärschen hochgerüsteter Hundertschaften an den Bahnhöfen und Stadien der Republik. Her mit einer unauffälligen Taktik, die ein Eingreifen aus dem Hintergrund ermöglicht.

Was wurde nach Verkündung nicht alles geschrieben und gesagt: Verantwortungslos sei dieser Plan, die öffentliche Sicherheit gefährdet. Egal, ob ein ähnliches Konzept bereits in Hannover erfolgreich durchgeführt wird. Zeter und Mordio wurde geschrieen. Nichts davon ist am 1. Spieltag eingetreten. Ganz im Gegenteil: Von allen Seiten kommt Lob über den deeskalierenden Auftritt der Polizei.

Die geplante Zurückhaltung ging vollends auf. Wo früher reihenweise Beamte gesichtet wurden, war die Polizeiuniform nun ein rarer Farbtupfer in einem ansonsten rot-weißen Fanmeer. Auf der Aachener Straße? Nichts. Im Stadion? Nichts. Am Bahnhof? Wenig. Die Hamburger Fans waren laut WDR derart überrascht, nicht die gewohnte Polizeieskorte zu erhalten, dass sie nach dem Weg fragen mussten.

Doch wie ein Spiel noch nicht die Saison entscheidet, sollte auch in Sachen Sicherheit nicht der Tag vor dem Abend gelobt werden. Was all das wert ist, zeigt sich erst, wenn die ersten Rückschläge kommen. Und sie werden kommen, das ist so sicher wie die FC-Hymne vor dem Spielbeginn im Müngersdorfer Stadion. Bleibt es dann trotzdem bei der dringend benötigten Abrüstung, haben alle Beteiligten gewonnen. Das Funktionieren des Plans hat gezeigt: Es darf auf dem Weg des deeskalierenden Dialogs keinen Schritt mehr zurück geben. Denn: Eine andere Möglichkeit scheint es nicht zu geben!

Thomas Reinscheid

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