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„Eine Entscheidung für die Jugend”

Quelle: IMAGO

Harald „Toni“ Schumacher ist nach 25 langen Jahren wieder für den FC tätig.

Nach seinem Rauswurf 1987 galt Harald „Toni“ Schumacher beim 1. FC Köln lange Zeit als Persona non grata. Bis ihn der neue FC-Präsident Werner Spinner 2012 in sein „Schattenkabinett“ berief. Im Köln.Sport-Interview steht Schumacher Rede und Antwort.

Herr Schumacher, wie fühlt es sich nach Jahren des Ausgeschlossen-Seins an, nun wieder ein Teil der großen FC-Familie zu sein? (lacht) Sehr gut, aber es kam schon ganz schön überraschend. Es hatte ja über Jahre niemand mit mir gesprochen. Ich habe beim FC sportlich meine beste Zeit erlebt und auch die schönste. Nach dem Rauswurf gab es dann aber 20 Jahre lang keinen ernsthaften Versuch, mich in irgendeiner Form einzubinden.

Wie hat dann diese unerwartete Kontaktaufnahme stattgefunden?

Als Herr Spinner angerufen hat, sagte meine Frau: Du, ich glaube, das war nicht ernst gemeint. Aber es wahr sehr wohl ernst, denn ab da ging alles sehr schnell: Herr Spinner kam gleich abends um zehn bei mir vorbei, und wir haben bis ein Uhr geredet. Er kann sehr überzeugend auftreten. Als er dann ging, habe ich gesagt: Der ist ja leider sympathisch (lacht). Und meine Frau meinte gleich: Ich weiß genau, was du jetzt vorhast. Ich hatte lange darauf gewartet, da konnte ich jetzt ja schlecht „Nein“ sagen. Es ist ein gutes Gefühl, wieder da zu sein.

Sie üben seit April Ihren Vorstandsposten beim FC aus. Wie lautet Ihr erstes Fazit?

Ich bin jetzt nicht Präsident, aber immerhin Ein-Drittel-Präsident. Die Euphorie nach der Wahl war groß, die hat sich jetzt ein bisschen relativiert. Aber wir wissen nun genau, was angegangen werden muss.

Erinnert Sie die Situation von Michael Rensing eigentlich an Ihre eigene Vergangenheit? Sie waren beide – trotz sportlich tadelloser Leistungen – beim FC plötzlich nicht mehr erwünscht. Fühlen Sie ein wenig mit ihm?

Das kann man nicht miteinander vergleichen. Michael Rensing ist ja nicht rausgeworfen worden. Wir haben uns entschlossen, konsequent auf die Jugend zu setzen. Natürlich werden wir nicht mit elf Nachwuchsspielern spielen. Aber wir haben eines der größten Torwarttalente in Deutschland unter Vertrag. Und wenn der Timo Horn nicht spielt – das wurde ihm vergangene Saison ja schon versprochen – dann wäre er weg gewesen, weil jetzt seine Zeit gekommen ist. Michael Rensing hat im FC-Trikot immer Bestleistung gebracht. Aber es ist eine Entscheidung für die Jugend und den damit verbundenen Umbruch und nicht gegen Michael Rensing.

Ihre Meinung als ehemaliger Weltklassetorhüter: Welche Qualitäten zeichnen die neue Nummer eins im FC-Tor, Timo Horn, aus?

Er hat Potenzial, Selbstbewusstsein und bringt durch seine Größe auch körperlich gute Voraussetzungen mit. Auch von der Körpersprache macht er einen guten Eindruck. Ich habe im Trainingslager in Österreich lange mit ihm gesprochen. Wen n man so einen jungen Mann ins Tor stellt, steht man als Trainer und Verein automatisch auch total hinter ihm. Wir werden auf keinen Fall nach dem ersten Gegentor davon abrücken. Wir müssen ihn schützen, da sind wir alle gefragt. Die anderen Spieler müssen verinnerlichen, dass wir den Jungen hinten drin haben und bereit sein, ihm zu helfen.

Sie sind selbst eine lebende FC-Legende. Wer hat im aktuellen Kader das Potenzial, um einmal diesen Status zu erlangen?

Ich denke, das wird sich relativ schnell herauskristallisieren. Ich möchte da niemanden hervorheben, denn ich denke, die Fans haben schon ein Näschen dafür und erkennen, wer sich richtig reinhängt. Unsere Fans erwarten von der Mannschaft ja nicht, dass sie spielt wie die spanische Nationalmannschaft. Die erwarten das, was meiner Meinung nach für einen Fußballer das allerwichtigste ist: Rennen, Kämpfen, Herzblut, Leidenschaft. Wir werden auch Spiele verlieren, aber wenn man diese Tugenden mitbringt, werden es weniger sein. Die neue sportliche Leitung hat bei allen neuen Spielern besonders darauf geachtet, dass sie diese Mentalität mitbringen. Und Holger Stanislawski legt bei seiner Arbeit auch Wert darauf, dass sie das nicht nur 60 Minuten durchhalten, sondern 90 und mehr.

Ein Vorwurf an Stanislawskis Vorgänger Solbakken, von dem gesagt wird, er hätte nicht intensiv genug trainiert?

Das war vor meiner Zeit, ich bin ja erst seit Ende April gewählter Vize-Präsident. Ich habe nur gehört, dass weniger als jetzt trainiert wurde, und dass viele Einheiten deutlich kürzer als 90 Minuten waren. Die Spieler, die vergangene Saison schon dabei waren, sagen heute: Das war für uns neu, wir hatten Schwierigkeiten, die Vorgaben des Trainers umzusetzen. Da habe ich mit den Ohren geschlackert. Mindestens zwei Trainingseinheiten am Tag und abends noch ein Testspiel – in der Saisonvorbereitung gehst du immer durch ein „Tal der Tränen“. Das kenne ich nicht anders.

Was kennzeichnet den neuen TrainerHolger Stanislawski?

Er ist der Prototyp dessen, wie ich mir einen Trainer vorstelle. Es gefällt mir sehr gut, wie er mit der Mannschaft umgeht, da kribbelt es auch bei mir noch. Er hat die nötige Erfahrung, hat als Spieler und als Trainer alles mitgemacht, spricht die Sprache der Spieler und passt zu uns, wie die Faust aufs Auge. Es ist eine Entscheidung für die Jugend und nicht gegen Michael Rensing.

 

Teil Zwei des Interviews lesen Sie in Kürze auf www.koelnsport.de oder im aktuellen Heft (Augustausgabe).