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Wieder Leben auf der Asche

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Einer, der beim TuS gute und schlechte Zeiten erlebt hat: Vorstandsmitglied Heinz Vonk Foto: Köln.Sport/Reinscheid

Einer, der beim TuS gute und schlechte Zeiten erlebt hat: Vorstandsmitglied Heinz Vonk
Foto: Köln.Sport/Reinscheid

Über Veedels- und Stadtgrenze hinaus war der TuS Höhenhaus lange Jahre eine fußballerische Topadresse. Doch die Zeiten haben sich geändert und der Verein musste schwere Rückschläge überstehen.
Die Wimpel an der Wand im Vereinsheim des TuS Höhenhaus sind das Vermächtnis großer Tage. Neben den Rigipsplatten, die als Schutz vor Einbrechern von innen an die Fenster montiert wurden, hängen die Andenken renommierter Vereine wie Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven oder Schalke 04. Es waren gute Zeiten für den TuS in den 80er und 90er Jahren. Die erste Seniorenmannschaft spielte in der Verbandsliga, die A-Jugend gar in der Regionalliga-West – der damals höchsten Spielklasse im Juniorenbereich.

„Es gab in der Region den FC, Bayer Leverkusen und den TuS Höhenhaus. Unser Verein war eine Topadresse“, erinnert sich Heinz Vonk, ehemaliger Spieler und heute Vorstandsmitglied der Rechtsrheinischen. Eng verbunden ist der langjährige sportliche Erfolg mit einem Namen, den damals auch weit über die Grenzen des rechtsrheinischen Veedels praktisch jeder kannte: Karl-Heinz Gillet. Zunächst als Schiedsrichter, dann als Betreuer begann Ende der 1960er Jahre die Vereinslaufbahn des eigenwilligen Mannes, der seine Kompetenzen Jahr für Jahr ausweitete. 1973 wurde er Jugendleiter und stieg mit der Zeit zum mächtigsten Mann im Verein auf. Gillet widmete nahezu jede Sekunde seines Lebens dem Klub. Er verstand es wie kein Zweiter, Netzwerke zu knüpfen und Kontakte zu einflussreichen Personen zu pflegen.

Mit Reiner Calmund, zunächst Jugendleiter, dann Manager bei Bayer 04 Leverkusen, verband ihn eine enge Freundschaft. „Karl-Heinz war so etwas wie der Franz Kremer des Amateurfußballs. Wir haben uns zwar oft gestritten, weil er die Interessen des Vereins immer sehr verbissen durchsetzen wollte. Da er aber auch ein riesengroßes Herz hatte, konnten wir immer schnell wieder Frieden schließen“, erinnert sich Calmund an seinen langjährigen Weggefährten, der die Kontakte zum Bundesligisten gerne zugunsten des TuS nutzte. So machte Gillet es möglich, dass regelmäßig Leverkusener Profis die Weihnachtsfeiern der Höhenhauser Jugendabteilung besuchten.

Von seinem Computer im Vereinsheim aus hatte Gillet den TuS im Griff und verhalf dem kleinen Veedelsklub besonders im Jugendfußball zu beachtlichem Renommee. Im Schatten der Autobahn 3 entwickelte sich dieser zu einem Sprungbrett für talentierte Kicker, die sich schon bald mit dem Nachwuchs der Bundesligisten messen konnten. Das führte mitunter zu skurrilen Szenen. „Wenn die Schalker hier mit Mannschaftsbus und Massagebank angerückt kamen und den Aschenplatz gesehen haben, hatten die schon keine Lust mehr“, erinnert sich Vonk. Profis wie FC-Mittelfeldspieler Marcel Risse, den heute noch eine Narbe am Knie an die Zeit auf Asche erinnert, oder Schalkes Marco Höger erlebten erfolgreiche Jahre beim TuS, ehe ihr Weg sie ins Leverkusener Nachwuchsleistungszentrum Kurtekotten führte. „Auf der Höhenhauser Asche habe ich das kleine Einmaleins des Fußballs gelernt. Der TuS war damals für seine hervorragende Jugendarbeit bekannt“, sagt Höger, der seine fußballerische Laufbahn 1994 auf dem Platz nahe seines Elternhauses begann und es von hier aus mittlerweile sogar bis in die Champions League geschafft hat.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum das Projekt scheiterte und wie es in Höhenhaus seitdem weitergeht:

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