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„Ich bin sehr flexibel“

Quelle: Köln.Sport

Sascha Riether ist der prominenteste Neuzugang des FC zur aktuellen Saison. Der zweimalige Nationalspieler wechselte aus Wolfsburg für geschätzte 2,5 Millionen Euro nach Köln.

Im Exklusiv-Interview mit Köln.Sport spricht Neuzugang Sascha Riether über die Gründe für seinen Wechsel, das Besondere am FC und den anfänglich missglückten Saisonstart. Herr Riether, viele haben sich gewundert, dass Sie ein Angebot des FC Schalke 04 ausgeschlagen haben, um nach Köln zu kommen.

Köln war für mich schon immer ein interessanter Verein. Geißbockheim, Stadion, Atmosphäre – das ist etwas Besonderes. Zudem hatte ich gute Gespräche mit Sportdirektor Volker Finke, mit dem ich ja in Freiburg bereits fünf Jahre zusammen gearbeitet hatte. Er hat mich damals zu den Profis geholt. Der FC ist ein schlafender Riese, und ich will dabei helfen, dass es bergauf geht.

Ihr Entdecker Finke hat uns gesagt, dass für Sie auch die Lebensqualität in Köln ein Grund war. Was kannten Sie schon von Köln, bevor Sie hier unterschrieben haben?

Ich habe die Leute hier als offen, direkt und freundlich erlebt. Die Stadt gefällt mir einfach. Es ist schön, hier zu sein.

Wie kommt man als gebürtiger Schwarzwälder mit der kölschen Mentalität klar?

Das ist schon ein anderer Menschenschlag hier. Im Norden, wo ich zuletzt in Wolfsburg gespielt habe, sind die Leute eher zurückhaltender und kühler. Hier in Köln sind sie direkt, ich mag diese Art. Die Menschen sagen, was sie denken, und das ist auch gut so.

Hatten Sie inzwischen schon Gelegenheit, sich die Stadt anzusehen?

Das ist bis jetzt leider zu kurz gekommen – es war ja eine Menge los. Ich musste eine Wohnung suchen und hatte als Neuzugang viele Interviewanfragen. Da blieb nicht viel Zeit. Aber das, was ich bereits von Köln gesehen habe, gefällt mir sehr gut. Ich hoffe, das Sightseeing in den nächsten Wochen nachzuholen.

„Hier kann ich eine wichtige Rolle spielen“

Sind Sie in Sachen Wohnung fündig geworden?

Ja, endlich. Ich habe mir viele Wohnungen angeschaut und jetzt eine in Hürth gefunden. Die Gegend ist schön, und ich wohne lieber etwas außerhalb als mitten in der City. Aber Umzug und Möbeleinkaufen stehen mir noch bevor.

Allein die schöne Stadt wird es nicht gewesen sein. Was sprach sportlich für den FC?

Hier kann ich eine wichtige Rolle spielen. Mit der Stadt, dem Stadion und den Fans im Rücken ist für diesen Verein einiges möglich. Dazu will ich meinen Teil beitragen.

Der FC und sein Umfeld gelten als besonders emotional. Haben Sie das schon zu spüren bekommen?

Ja, das habe ich schon zum Beispiel beim DFB-Pokalspiel in Wiedenbrück (3:0 für Köln, d.Red.) gemerkt. Das ganze Stadion war voller FC-Fans. Bereits bei den Freundschaftsspielen im Trainingslager haben uns viele Fans unterstützt. Da merkt man die Euphorie. Ich hoffe, dass wir schnell dazu beitragen können und die Mannschaft etwas davon zurückgibt.

„Es braucht Zeit, bis alle Rädchen ineinander greifen“

Die Emotionalität kann natürlich auch ins Negative umschlagen, wie die erbosten Fans auf Schalke gezeigt haben. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Es ist ganz normal, dass die Fans nach Niederlagen enttäuscht sind. Sie unterstützen die Mannschaft 90 Minuten und peitschen uns nach vorne. Nach dem 1:5 waren wir auch sehr enttäuscht, aber die Saison steht gerade erst am Anfang. Wir arbeiten daran, dem Verein und den Fans schnell wieder positive Ergebnisse zu schenken.

Noch fehlen diese Ergebnisse. Woran liegt es?

Der Trainer hat einige Neuerungen eingebracht und will taktisch etwas verändern. Das üben wir tagtäglich, aber es braucht Zeit, bis alle Rädchen in einem solchen Prozess ineinander greifen. Das geht nicht von einem auf den anderen Tag. Auch wenn das Ergebnis auf Schalke heftig war, haben wir uns – ohne etwas schönreden zu wollen – in der ersten Halbzeit taktisch schon klar verbessert präsentiert.

Können Sie erklären, warum es so schwierig ist, ein neues Spielsystem umzusetzen?

Wir arbeiten daran, dass es Stück für Stück besser wird. Als Spieler sind wir im deutschen Fußball ein anderes System gewohnt, als das, was der Trainer jetzt einführen will. Bestimmte Dinge müssen wir jetzt anders machen, dafür braucht es viel Übung.

Nervt es, dass schon so früh in der Saison Weltuntergangstimmung herrscht?

Die Leute hatten große Erwartungen vor der Saison, ich kann den Frust schon verstehen. Und dass die Medien gleich alles richtig pushen, gehört heute zum Geschäft. Diese Spielzeit ist noch ein ganz weiter Weg, und wir wollen so schnell wie möglich Erfolgserlebnisse einfahren.

„Ich bin grundsätzlich sehr flexibel“

Wie kommt der FC jetzt zügig da unten raus?

Weiterarbeiten und vor allem nicht die Ruhe verlieren. Durch Negativerlebnisse steigt natürlich der Druck, da wird man leicht unruhig. Aber gerade in solchen Situationen muss man an sich glauben – das ist das Wichtigste.

Sind Sie selber mit sich zufrieden?

Über meine Leistung möchte ich ungern reden. Mir ist wichtig, dass das Team erfolgreich ist. Über mich sollen andere urteilen. Ich war noch nie einer, der sich groß herausheben will. Ich versuche, der Mannschaft zu helfen, indem ich konstant Leistung bringe und mit meiner Art zu spielen den Spielrhythmus beeinflussen kann.

Sie haben zwei Länderspiele absolviert, das letzte im September 2010. Haben Sie die Nationalmannschaft noch im Hinterkopf?

Nicht aktuell. Aber als mich Jogi Löw damals angerufen hat, war ich sehr überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich habe seinerzeit gute Leistungen gezeigt und gesehen, wie schnell es gehen kann. Ich möchte in der Bundesliga auch in Zukunft überzeugen, dann kann es ganz schnell gehen. Ich gebe jedes Wochenende Gas, und dann schauen wir einfach mal, was dabei rauskommt.

In Wolfsburg haben Sie zuletzt meist rechter Verteidiger gespielt, hier sind Sie fürs defensive Mittelfeld eingeplant. Wo sehen Sie sich am liebsten?

Im defensiven Mittelfeld, wo ich auch in der Wolfsburger Meistersaison (2008/09, d.Red.) gespielt habe. Ich bin aber grundsätzlich sehr flexibel. Außer Torwart, Spielmacher und Stürmer habe ich schon alle Positionen bekleidet. (lacht) Wenn der Trainer denkt, ich kann auf einer bestimmten Position der Mannschaft am besten helfen, dann mache ich das.

In schwierigen Phasen ist zwischendurch auch mal Abschalten wichtig. Wie entspannen Sie sich?

Im Moment habe ich nicht viel Zeit zu entspannen. Aber sonst gehe ich gerne in die Stadt und setze mich bei schönem Wetter in ein Café. Die Seele baumeln lassen und mal nicht an Fußball denken, das tut manchmal ganz gut.

Das Interview mit Sascha Riether erschien in der aktuellen KÖLN.SPORT-Ausgabe 09/11.

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