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„Der sieht schnell aus“

Quelle: Kölner Renn-Verein 1897

´Auf der Kölner Rennbahn gibt es zahlreiche Annahmestellen, wo ab 50 Cent die

Ein Pferderennen ohne Wette ist wie der FC ohne Geißbock. Lesen Sie mal, wie die Wettversuche eines Kölner Rennbahn-Debütanten verlaufen sind.

Es ist 14 Uhr auf der Kölner Galopprennbahn. Trotz mittelmäßigem Wetter haben sich mehrere Tausend Besucher im Weidenpescher Park eingefunden und fiebern dem ersten Rennen des Tages entgegen. Dem typischen Klischee entsprechen nur einige, zumeist Damen, die mit extravaganten Hut-Kreationen einen Hauch von Ascot im Kölner Norden versprühen.

Vielmehr ist das Publikum gemischt: Familien mit Kindern finden sich beim „Event“ Galopprennen ebenso ein wie Besitzer oder etatmäßige Zocker. Lars besucht heute zum ersten Mal ein Pferderennen in Köln, genau wie seine Freundin und seine beiden Arbeitskollegen.

„Ich bin neugierig, wie das hier abläuft und wie das mit dem Wetten klappt, wenn man keine Ahnung hat“, erklärt der gelernte Mediengestalter. An diesem 14. August steht mit dem Rheinlandpokal sogar ein Höhepunkt des Rennkalenders mit internationalem Gruppe-I-Status an. Diese hochrangige Leistungsprüfung für Galopper wird als sechstes von insgesamt neun Rennen im Rennprogramm geführt, das Lars und seine Freunde gerade studieren.

Einstiegshürde von 50 Cent

Diese kostenlose Broschüre, die jeder Rennbahnbesucher erhält, ist der Leitfaden für die Zuschauer und Ratgeber bei der Platzierung ihrer Wette. Darin enthalten: Informationen zu den Rennen des Tages sowie den startenden Pferden. Von Alter und Abstammung über Besitzer und Trainer, den Jockey und das Abschneiden in den letzten Rennen, die so genannte Form.

 

 Faktoren, die Experten wie Manfred Chapman, Rennkommentator auf der Kölner Bahn, in ihre Erwägungen einbeziehen. „Man orientiert sich an den Formen der Pferde, die in der Fachpresse nachzulesen sind“, sagt Chapman. „Auch die Stallform ist ein Faktor. Gewinnt der Trainer gerade in Serie, beeinflusst das die Entscheidung zu ein paar Prozent. Auch der Jockey ist mitentscheidend. Wenn der gerade einen Lauf hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er wieder gewinnt.“

 

Auf der Kölner Rennbahn gibt es zahlreiche Wettannahmestellen, wo die rot-weißen Tippzettel mit der Aufschrift „German Tote“ (Name des Buchmacher-Unternehmens) beschafft und mit dem „todsicheren“ Tipp ausgefüllt wieder abgegeben werden können. Und: Der Einstiegshürde ist niedrig. Schon ab 50 Cent kann eine Wette platziert werden.

Wie die meisten Gäste zieht es auch die vier Rennbahn-Novizen zunächst zum Führring. Hier werden die Pferde vor Rennbeginn vorgeführt. Gerade wird das Starterfeld des „Olympian Emperor“-Rennens, des ersten Rennens des Tages, von den Zuschauern unter die Lupe genommen. Das Rennen ist offen für zweijährige, noch sieglose Pferde.

„Die Farbe ist blöd“

Lars‘ Favorit? Steht schon fest. Der 27-Jährige setzt fünf Euro auf Sieg von „Aosta Spring“. Der ist zugleich Favorit der meisten Besucher und kommt aus dem Stall des Kölner Trainers Peter Schiergen. „So viele Leute können nicht irren“, glaubt Larspe. Doch die Rechnung geht nicht auf. Auch Star-Jockey Andrasch Starke kann Aosta Spring nur zu einem dritten Platz führen. Die enttäuschte Reaktion des Wett-Debütanten: „Das geht ja gleich gut los …“

Schon im zweiten Rennen ändert Lars seine Taktik – und platziert für drei Euro eine Dreier-Wette. Dabei tippt er den Zieleinlauf der ersten drei Pferde in der richtigen Reihenfolge. Riskant, aber lohnenswert, denn für zehn Euro Einsatz gibt es beim richtigen Ergebnis 167 Euro. Die Quote als wichtigster Aspekt bei der Wahl der Favoriten ist inzwischen dem subjektiven Empfinden gewichen: „Der sieht schnell aus“ – „der Name ist schön“ – „die Farbe ist blöd.“

 

Von der Tribüne aus verfolgen die Gruppe um Lars das Rennen, das sich auf den letzten Metern als echter Krimi entpuppt. Als die Pferde aus der letzten Kurve kommen und der Ausgang völlig offen ist, schwillt das Murmeln der Zuschauer immer mehr an. Lauter und lauter wird die Geräuschkulisse, je näher das Feld auf die Ziellinie zujagt.

Kein Glück mit „Poldi“

Auf den letzten Metern hält es niemanden mehr auf seinem Platz. Der einen oder anderen Dame verrutscht der prächtige Hut, so sehr hat sie das Wettfieber gepackt. Mit aller Macht schreien die Zuschauer ihren Favoriten nach vorn. Am Ende sind die ersten beiden so eng beieinander, dass das Zielfoto über Gewinner und Platzierten entscheiden muss. Es siegt „Koos“ vor „Flores Del Lago“ und „Bristol Bay“.

Lars, der seine drei Euro exakt auf dieses Ergebnis gesetzt hatte, bekommt am Wettschalter seinen Gewinn in Höhe von 50 Euro ausgezahlt. Neu motiviert, probieren die vier nun weitere Wettarten aus. Bei seinem Platz-Zwilling im dritten Rennen – die beiden ausgewählten Pferde müssen auf den ersten beiden Plätzen ins Ziel kommen – geht Lars jedoch ebenso leer aus wie bei der extrem lukrativen Viererwette (8.400 für 10) im Rennen danach.

Nächster Versuch: Im 5. Rennen des Tages ist der persönliche Favorit schnell gefunden: „Quick Prinz Poldi“ soll es sein, als Platz-Zwilling mit „Anastas“. Während „Poldi“ die Vorgabe mit Platz zwei erfüllt, galoppiert „Anastas“ geschlagen als Siebter und Letzter ins Ziel. Ernüchterung macht sich breit.

Trotzdem wird es nicht Lars‘ letzter Rennbahnbesuch gewesen sein, denn irgendwie war es doch ein packender und spannender Tag.

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