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Sprungbrett Mittelrheinliga

Mitja Novinic (1.v.l.) wurde in der Jugend des AC Mailand ausgebildet und will sich über den VfL Leverkusen für einen deutschen Profi-Verein empfehlen Foto: IMAGO/Buzzi

Mitja Novinic (1.v.l.) wurde in der Jugend des AC Mailand ausgebildet und will sich über den VfL Leverkusen für einen deutschen Profi-Verein empfehlen
Foto: IMAGO/Buzzi

Mitja Novinic stand mit den Weltstars des AC Mailand auf dem Platz. In der Rückrunde spielt der 24-Jährige beim Mittelrheinligisten VfL Leverkusen um seine Zukunft. 

Lange herrschte große Ungewissheit bei den Verantwortlichen des VfL Leverkusen. Anfang März, schon im ­Februar oder doch erst Mitte der Rückrunde – wann wird der neue Hoffnungsträger zur Mannschaft stoßen? Jetzt ist er da, und die Freude am Sportzentrum an der Tannenbergstraße könnte wohl größer kaum sein: „Es ist eine Sensation, dass wir einen Spieler dieser Qualität für den VfL gewinnen konnten“, sagt Sergio Paradiso, Sport- und Vereinsbeauftragter des Mittelrheinligisten.

Wenn er über Mitja Novinic spricht, schwingt viel Enthusiasmus mit. Kein Wunder, verspricht die sportliche Vita des seit Januar 24-Jährigen doch enorme Qualität. Ausgebildet wurde Novinic beim großen AC Mailand. Von 2007 an trug der Slowene das Trikot der „Rossoneri“, der Schwarz-Roten aus der ­italienischen Weltmetropole.

Als damals A-Jugendlicher trainierte der Mittelfeldspieler in der Saison 2010/11 regelmäßig mit Milans Profiteam und stand in mehreren Freundschaftsspielen mit den Weltstars des Fußballs auf dem Platz. Ronaldinho, Ibrahimovic, Thiago Silva oder David Beckham. Der damalige AC-Kader war gespickt mit Fußballspielern allererster Güte. Und mittendrin Mitja Novinic. „Als ich die Möglichkeit hatte, mein großes Idol David Beckham kennenzulernen und mit ihm auf dem Platz zu stehen, ist ein Kindheitstraum wahr geworden. Von all diesen großartigen Spielern konnte ich eine Menge lernen“, erzählt der junge Mann, den besonders ein Star nachhaltig beeindruckte:

„Clarence Seedorf hat sich immer viel Zeit für uns Nachwuchsspieler genommen. Er hat uns mit seinen Ratschlägen unterstützt und war immer ein Ansprechpartner.“ Trotz aller Unterstützung – der große Durchbruch in Milans Profikader gelang Novinic nicht. Zwar feierte er mit Milans Junioren zahlreiche Erfolge, gewann unter anderem die Junioren-Champions-League, doch neben der riesigen Konkurrenz warfen Verletzungen den feinen Techniker immer wieder zurück.

Mitja Novinic im Trikot des AC Mailand Foto: IMAGO/Sportimage

Mitja Novinic im Trikot des AC Mailand
Foto: IMAGO/Sportimage

Neuanfang in Deutschland

Es folgt eine Leihe zum Zweitligisten Virtus Lanciano und im Sommer 2012 fast der Sprung nach Deutschland. Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf zeigt Interesse an Novinic, doch der Wechsel platzt nach Gesprächen mit Fortuna-Manager Wolf Werner in Mailand. Statt ins Rheinland geht es für den slowenischen U21-Nationalspieler (2 Einsätze) per Leihe zum Drittligisten Teramo Calcio.Sein fußballerisches Glück findet er dort allerdings nicht.

Novinic zieht sich einen Kreuzbandriss zu, lose Kontakte zu deutschen Profivereinen brechen durch die Verletzung ab. Die Reha absolviert er bei seinem Ausbildungsverein, einen Weg zurück zum AC Mailand gibt es trotz der mittlerweile wenig glanzvollen Zeiten aber nicht mehr. Und so gelingt es Paradiso, selbst ehemaliger Profi in Italien, seinem Vertrauten einen Neuanfang in Deutschland schmackhaft zu machen. „Die letzten fünf Monate nach der OP waren nicht leicht für mich. Doch mein Knie hat alle Belastungstests bestanden. Ich freue mich, bald wieder auf dem Platz zu stehen. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich in der Rückrunde die Chance bekomme, bei einem Verein zu spielen. Dafür bin ich sehr dankbar“, so Novinic, der den Wechsel in die Mittelrheinliga daher nicht als Rückschritt betrachtet. Trotzdem soll es mit der Empfehlung guter Leistungen in Leverkusen bald wieder in Richtung Profi-Bereich gehen.

Bis dahin soll der Mittelfeldstratege seine Erfahrung einbringen, um den Aufsteiger in der Klasse zu halten. Nach den vielen personellen Wechsel in der Winterpause kein leichtes Unterfangen. Zumal die neue Nummer acht des VfL wohl frühestens am dritten Rückrundenspieltag ins Geschehen eingreifen wird. Zumindest ein erstes Bild seiner neuen Mitspieler konnte sich Novinic im ersten Heimspiel nach der Winterpause machen, in dem es für den VfL trotz Führung keinen Sieg gab. Erst in der Nachspielzeit gelang den favorisierten Gästen aus Arnoldsweiler der Ausgleichstreffer zum 1:1. Der erhoffte Befreiungsschlag blieb vorerst aus. Spätestens mit Spielmacher Novinic sollen dann aber auch die Ergebnisse stimmen. Bis dahin wird der Neuzugang zunächst ein individuelles Aufbauprogramm absolvieren, ehe er langsam an die Belastung im Mannschaftstraining herangeführt wird.

„In Kürze werde ich wieder bei 100 Prozent sein. Ich freue mich auf die Ballarbeit und das Mannschaftstraining“, sagt der Hoffnungsträger, dem aufgrund seiner Geschichte von Beginn an große Aufmerksamkeit zuteilwird. So auch bei der offiziellen Vorstellung Novinics im Rahmen einer Pressekonferenz direkt nach dem Spiel gegen Arnoldsweiler, die ein deutsch-italienischer TV-Sender aus Köln übertrug. Ein Spieler mit Milan-Vergangenheit interessiert eben auch, wenn er in Deutschland in der fünften Liga spielt. Und die soll für Mitja Novinic Zwischenstation bleiben.

Stefan Kühlborn