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Köln.Sport

Letzte Chance

„Das war der Abstieg“ – so prangte es nur wenige Stunden nach der 3:4-Niederlage des 1. FC Köln gegen den SC Freiburg in großen Lettern auf den Früh-Ausgaben einiger Tageszeitungen. Nein, das war er natürlich nicht. Hoffnung für den Effzeh gibt es mit drei Punkten aus 15 Spielen freilich keine mehr. Doch gerade diese Situation besiegelt kein einzelnes Spiel. Schon gar nicht eines, nach dem rechnerisch immer noch die Chance auf den Klassenerhalt besteht. Nein, diese bittere Pleite nach der 3:0-Führung war – wie vieles in den letzten Wochen – nur ein Ergebnis der gesamten Lage, in der sich Mannschaft und Verein im Winter 2017/18 befinden.

Wer den FC bis zum 3:0 spielen sah, der erkannte ein Team, das (endlich mal) ohne negative Gedanken, ohne Angst, wenn auch ohne richtige Gegenwehr aus Freiburg spielte. Das einfach mal Fußball spielte und auch mal den nötigen Pfiff bekam, der sonst immer gegen den FC ausgefallen ist. Doch alles, was danach kam, zeigte das tiefe Dilemma der Geißböcke, das eine Aufholjagd bis zum Saisonende noch unmöglicher macht als ohnehin schon: Das Team ist so angeschlagen, dass selbst ein Gegentor zum 3:1 das Gebilde 1. FC Köln wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen lässt. Ein Team, das mit zwei Toren Vorsprung in die zweite Hälfte geht, muss – ganz egal, wie die Tabelle aussieht – anders auftreten! Kein Selbstvertrauen mehr, kein Offensivspiel, die Angst steckte in den Gliedern und war in jeder Aktion sichtbar. Was für eine verschwendete Chance! Freiburg hatte eingeladen, live im RheinEnergieSTADION den Prügelknaben zu geben und den Effzeh mit einem kleinen Fußballfest ein bisschen Wiedergutmachung betreiben zu lassen. Doch daraus wurde nichts. Und erneut wurde deutlich: Wer keinen Anführer hat, der überlebt solche Phasen auch nicht. Im Gegenteil: Gegen jede andere Mannschaft hätte es Freiburg wohl beim 3:3 belassen, gegen Köln konnte es ihnen gar nicht schnell genug gehen mit dem abermaligen Anstoß. Sie spürten: Heute ist alles drin.

Als alles vorbei war, sah sich auch der Vorstand zum Handeln gezwungen und gab eine Presseerklärung heraus. Der Inhalt, kurz zusammengefasst: Schmadtke und Stöger sind schuld an der aktuellen Lage, auch die Mannschaft hat sich einiges zu Schulden kommen lassen. Wir selbst waren auch nicht so toll, machen aber mal weiter. Mal schauen, was passiert. Fest steht: Die Verpflichtungen von Armin Veh und (möglicherweise) des neuen Trainers müssen sitzen, sonst wird es auch für den Vorstand eng. Letzte Chance. Da nützt auch eine einstimmige Wahl bis 2019 nichts. Das Gute ist: So viel Zeit wie dieser Vorstand hatte in der Bundesliga noch nie jemand. Am 3. August nächsten Jahres startet die 2. Bundesliga – neun Monate Zeit, ein Team samt Trainerstab auszuwählen und aufzubauen, das die direkte Rückkehr schaffen kann. Wenn das nicht reicht, könnte die Zeit von Spinner, Schumacher und Ritterbach an der FC-Spitze ebenfalls bald enden.

Kommentar von Thomas Werner, stv. Chefredakteur Köln.Sport

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