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Köln.Sport

„Köln ist eine Sportstadt“

In Teil zwei unseres Interviews mit der Oberbürgermeisterin spricht Henriette Reker über eine mögliche Olympiabewerbung 2032, nennt ihre Wahlversprechen für Sportler und Aktive und erläutert, warum Köln für Sie eine ‚Sportstadt‘ ist.

Seit dem 22. Oktober 2015 Oberbürgermeisterin der Stadt Köln: Henriette Reker (Foto: Andreas Kerschgens)

Frau Reker, treiben Sie privat viel Sport? Wenn ja, welchen?

Ich bewege mich ein Mal in der Woche beim Power Walking richtig durch. Meine Winterferien verbringe ich immer im Schnee, da gehört Skifahren für mich dazu. Ich liebe die Abfahrt, werde demnächst auch mal Langlauf ausprobieren. Außerdem schwimme ich gerne, leider komme ich aufgrund meiner Arbeitszeiten etwas zu selten dazu. Natürlich begleite ich meinen Mann auch hin und wieder auf den Golfplatz, bin aber längst nicht so begabt wie er (lacht). Aber dank seiner Anleitung funktioniert das zum Glück ganz gut.

In diesem Jahr finden Kommunalwahlen statt, in Köln wird am 13. September 2020 gewählt, Sie werden erneut kandidieren. Für Wahlkampf ist es zwar noch ein bisschen früh, dennoch die Frage: Mit welchen Wahlversprechen würden Sie Aktive bzw. sportbegeisterte Menschen in Köln ansprechen?

Ich verspreche grundsätzlich wenig, weil ich weiß, dass ich diese Versprechen nie alleine halten kann. Ich kann aber sicher sagen, dass die aktuelle Entwicklung im Kölner Sport fortgeführt wird. Die Sportentwicklungsplanung ist in vollem Gange. Wir haben außerdem den Zuschlag für das Radzentrum NRW bekommen. Dort werden wir ein Nutzungskonzept für Spitzen- und Nachwuchssport erarbeiten. Wir möchten Sporthallen für Sportvereine noch besser nutzbar machen. Generell wollen wir in Köln weiterhin auf die beiden Schwerpunkte setzen: Breitensport und hochkarätige Sportveranstaltungen. Spitzensport wie das Handball Final 4, das Basketball EuroLeague Final Four 2020 oder das DFB-Pokalfinale der Frauen passen zu uns und sind wichtig. Darüber hinaus strebe ich eine noch engere Vernetzung mit dem Stadtsportbund an. Da hat ein Prozess begonnen, den wir fortsetzen werden. Das Ziel ist es, Sport noch mehr als Querschnittsthema zu verankern, dafür wollen wir auch finanziell eine Grundlage schaffen.

Ein Projekt, das noch in weiter Ferne liegt, aktuell aber von Michael Mronz bereits stark beworben wirbt, ist eine Olympiabewerbung der Rhein-Ruhr-Metropole 2032. Wie stehen Sie diesem Vorhaben gegenüber?

Ich bewerte das – auch in meiner Funktion als Vorsitzende der Metropolregion Rheinland – grundsätzlich als sehr positiv. Das ist eine private Initiative von Herrn Mronz, sein Konzept fußt auf klugen Ideen. Der Nachhaltigkeitsgedanke imponiert mir: 90 Prozent der Sportstätten, die genutzt würden, bestehen bereits. Es würde dementsprechend keinen Gigantismus geben, keine Bauruinen, die nachher leer stehen. Dazu handelt es sich hier um eine mögliche Bewerbung einer Region, deren Infrastruktur profitieren würde, auch im Bereich Digitalisierung gibt es spannende Ansätze. Ich sage aber auch ganz klar: In Köln kann dieses Thema nicht ohne die Kölnerinnen und Kölner angegangen werden. Und damit meine ich nicht einen formalen Bürgerbescheid, sondern einen permanenten Austausch. Mir wäre es viel lieber, wenn eine begeisternde Atmosphäre für Olympia erzeugt würde, als am Ende eine Entscheidung per formaler Gesetzgebung zu fällen. Ich glaube im Übrigen sowieso nicht daran, dass eine Stadt wie Köln nur per Dekret steuerbar ist. Die gesetzgeberischen Möglichkeiten einer Bürgerbeteiligung sind sehr eng, und der Bedarf ist mittlerweile viel größer. Die Idee einer Rhein-Ruhr-Bewerbung finde ich grundsätzlich gut. Das muss sich nun aber erst einmal entwickeln, bevor man darüber abstimmt.

Welche Chancen böten Olympische Spiele dem Kölner Sport?

Ich glaube, dass ein Zuschlag der Kölner Sportlandschaft einen richtigen Schub geben würde. Wenn man es schafft, eine Euphorie zu erzeugen, würde der gesamte Sport in der Breite profitieren. Was Olympische Spiele in Städten bewirken können, haben wir 1972 in München gesehen. Die dortige Anlage ist heute noch beeindruckend, auch die Infrastruktur profitiert bis heute von den damals umgesetzten Konzepten.

Sie haben im Zusammenhang von Köln von einer „Sportstadt“ gesprochen. Da es sich dabei um kein offizielles Label handelt, kann man darüber streiten, ob es tatsächlich zutreffend ist. Warum ist Köln für Sie eine „Sportstadt“?

Ich sehe das ganz ähnlich. Für mich ist das kein Label, was man einmal erwirbt und sich dann für immer damit rühmen darf. Es bedarf der ständigen Auseinandersetzung mit dem Thema. Ich bringe mal ein Beispiel aus einem anderen Bereich: Köln hat 2018 ein Siegel als „kinderfreundliche Kommune“ bekommen. Aber nicht, weil die Stadt das in allen Aspekten schon ist, sondern weil sie das lebt und sich Ziele gesetzt hat. Das ist ein Prozess, dazu gehören kontinuierliche Bemühungen. Das gilt auch für den Sport. Wir haben tolle Veranstaltungen hier, es gibt eine große Vereinslandschaft, unzählige Möglichkeiten, Sport im öffentlichen Raum zu treiben, wir haben die einzige Sporthochschule in Deutschland hier – deswegen ist Köln eine Sportstadt! Aber es gibt auch noch einiges zu tun. Deswegen haben wir einen Sportentwicklungsplan aufgestellt und werden uns auch in Zukunft intensiv um die Belange des Sports kümmern.

Das Interview führte Peter Stroß – Lesen hier den ersten Teil des Interviews mit Henriette Reker

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