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Köln.Sport

„Jeder würde das Geld nehmen“

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Albert Streit hatte nie Probleme damit, seine Meinung zu äußern. Im Interview mit Köln.Sport spricht er über seine Vergangenheit und die Entwicklung im Profisport.
Seine Karriere beendete Albert Streit bei Fortuna Köln.

Seine letzte Station als aktiver Spieler war für Albert Streit SC Fortuna Köln (Foto: imago/ Manngold)

Herr Streit, seit zweieinhalb Jahren sind Sie nicht mehr im Fußball aktiv. Wie sieht Ihr Alltag seitdem aus? Vermissen Sie Ihr altes Leben?
Ich genieße die Zeit mit meiner Familie, meinen Kindern und meiner Frau. Ich vermisse aber schon die Kabinengespräche, das Rumalbern, das Zusammensein und die Erschöpfung nach dem Spiel, definitiv! Aber jetzt kann ich meinen Tag so planen, wie ich das möchte, und habe keine Vorschriften mehr, zu einer bestimmten Zeit irgendwo zu sein oder zu trainieren.

Inwieweit verfolgen Sie das aktuelle Geschehen, welche Rolle nimmt der Fußball in Ihrem Alltag ein?
Ich verfolge den Fußball noch, aber natürlich nicht mehr so intensiv wie zu meiner aktiven Zeit. Das hat sich schon gelegt. Ich schaue mir höchstens die Ex-Vereine an oder Champions League, aber jedes Spiel verfolge ich nicht.

Über 13 Jahre waren Sie im Geschäft, erlebten fünf Stationen in der Bundesliga. Wo haben Sie sich am wohlsten gefühlt?
Eigentlich bei zwei Vereinen. Zum einen in Frankfurt, wo ich meine sportlich beste Zeit hatte, und in Köln, wo ich jetzt lebe. Aachen hat mir aber auch sehr gut gefallen. Bei der Fortuna war ich leider zu kurz, aber vom Mannschaftsgefüge und von den Mannschaftskollegen her war es top.

Wie sehen Sie die derzeitige Entwicklung im Profisport? Das Thema China ist in aller Munde, Spieler von Weltklasseformat wechseln nach Asien, um Millionen von Euros zu verdienen. Befürchten Sie, dass der sportliche Aspekt bei den Spielern irgendwann des Geldes wegen komplett in den Hintergrund gerät?
Das ist völlig legitim. Es geht immer um Angebot und Nachfrage. Aber die Gehälter haben Dimensionen erreicht, die echt krass sind. Jeder kann das selber entscheiden, ob er in Deutschland in vollen Stadien spielen und im Fokus stehen oder ob er in China abkassieren möchte. Das ist das gute Recht jedes Spielers.

Sie haben in der Öffentlichkeit nie einen Hehl daraus gemacht, dass es in dem Geschäft um sehr viel Geld geht, beispielsweise, als Sie Ihren Vertrag bei Schalke „ausgesessen“ haben. Andere Spieler halten mit ihrer eigenen Meinung lieber hinterm Berg, um nicht anzuecken. Wie stehen Sie dazu?
Ich kann den Blödsinn nicht mehr hören. Wenn ich mit 20 Jahren, Mitte 20 oder am Ende der Karriere nach China wechsele und sage ‚Ich gehe dorthin, um eine andere Sprache zu lernen‘, dann frage ich mich: Warum warst du nicht in der Schule und hast da eine andere Sprache gelernt? Dafür muss man nicht in ein anderes Land gehen. Nach der Karriere hat man auch noch genug Zeit, um eine andere Sprache zu lernen. Das ist kompletter Schwachsinn, aber das ist dann das, was am besten bei den Leuten ankommt: ‚Ich möchte eine andere Kultur kennenlernen.‘ Warum fahren die Spieler dann nicht zwei Wochen dorthin, um die Kultur kennenzulernen? Im Endeffekt geht es um sehr viel Geld, und ich verstehe nicht, warum die Leute das nicht offen und ehrlich aussprechen.

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