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FC: Baustelle Geißbockheim

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Der Rasen auf den Plätzen am Geißbockheim ist oft in schlechtem Zustand Foto: Jürgen Libertus

Der Rasen auf den Plätzen am Geißbockheim ist oft in schlechtem Zustand
Foto: Jürgen Libertus

Dass das nicht nur positiv gesehen wird, war angesichts der exponierten Lage des Vereins und der Rolle des Grüngürtels als „Grüne Lunge“ der Stadt zu erwarten. Kritiker wie der Rheinische Verband für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sind bereits hellhörig geworden. „Wir werden das sehr genau betrachten und die Planungen äußerst kritisch begleiten“, erklärt Vorstandsmitglied Dr. Henriette Meynen. Es sei allerdings differenziert zu sehen, was der Verein vorhat. „Zwischen Sportplätzen und anderen Bautätigkeiten gibt es einen Riesenunterschied“, so Meynen.

Schließlich habe der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer den Grüngürtel als Naherholungsgebiet mit Sportmöglichkeiten erdacht. „Schon manches andere wurde im Grüngürtel gebaut, besonders im Bereich des Stadions, wo sich die Sporthochschule zunehmend ausdehnt. Das ist ein Unding“, stellt Meynen klar.

Auch die Grünen stehen einer Erweiterung kritisch gegenüber: „Unsere bisherige Position war, dass wir weitere Teile des Grüngürtels nicht für FC-Nutzungen zur Verfügung stellen wollen. Für die Kölner Grünen und die zahlreichen FC-Fans unter ihnen sollte es dabei auch bleiben. Der Grüngürtel ist ein unbezahlbares Gut, das es für die Allgemeinheit zu erhalten gilt“, teilt Ratsmitglied Sabine Pakulat mit.

„Einerseits-andererseits stark ausgeprägt“

Andere Organe zeigen sich dagegen aufgeschlossener. „Ich stehe einer konstruktiven Diskussion im Umweltausschuss offen gegenüber“, gibt Jochen Ott (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Grün der Stadt Köln, zu Protokoll. „Die große Herausforderung einer Erweiterung bestünde meiner Meinung nach darin, das Schutzbedürfnis des dortigen Areals und die Interessen des professionellen Fußballsports in unserer Sportstadt ins Gleichgewicht zu bringen“, so Ott, der im Falle einer weiteren Bebauung am Geißbockheim Ausgleichsmaßnahmen ins Spiel bringt.

Ähnlich sieht das auch Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-­Frerker: „Das Einerseits-andererseits ist in diesem Fall ganz stark ausgeprägt. Jeder Kölner ist doch froh, wenn der FC gut steht. Damit steigen aber auch bestimmte Anforderungen“, so die CDU-Politikerin. Dennoch sei eine bauliche Erweiterung im Grüngürtel immer kritisch zu sehen. Trainingsplätze scheinen aber machbar: „Solange eine Fläche unversiegelt bleibt, ist das unproblematisch.“

Sollte es wider Erwarten dennoch nicht gelingen, die Fläche westlich vom Geißbockheim zu nutzen, könnte plötzlich die Nachbarschaft interessant werden. Es gilt als eher unrealistisch, dass der FC die Luxemburger Straße überquert und mit der Rugby-Abteilung des ASV Köln oder mit der DJK Südwest Köln anbandelt. Der Rugby-Park wäre zwar wegen des Rasenplatzes attraktiv, dort trainiert aber die Frauen-Nationalmannschaft im 7er-Rugby. Die Anlage wird zum Leistungsstandort des Olympiastützpunkts Rheinland.

Bereits einen Platz angemietet

Ein Kooperationspartner für den FC findet sich aber in direkter Nähe: Blau-Weiß Köln trainiert am Fort Deckstein und hat dort neben zwei Ascheplätzen auch einen Naturrasen zur Verfügung. Diesen haben die „Geißböcke“ bereits seit mehreren Jahren angemietet, nutzen ihn aber nur sporadisch. „Der Rasen wird derzeit vom FC nicht gepflegt“, teilt Daniel Buss, Geschäftsführer des Vereins, mit. „Sie hatten zwar geplant, den Platz in diesem Jahr oft zu nutzen, aber passiert ist dort recht wenig“, erzählt der Funktionär. So können mittlerweile die Seniorenkicker von Blau-Weiß nicht mehr auf den Platz, die Verletzungsgefahr sei zu groß.

Von möglichen Überlegungen, die Ascheplätze am Fort Deckstein auch für den FC-Nachwuchs auf Kunstrasen umzurüsten, hat Buss gehört, einen neuen Stand gebe es derzeit aber nicht. Zwischen beiden Parteien findet keine Kommunikation statt, klare Signale für Blau-Weiß gibt es nicht. Deshalb hat der Kreisligist seine eigenen Planungen, zumindest einen Ascheplatz mit Kunstrasen auszurüsten, vorangetrieben. Abgeneigt ist Blau-Weiß einer Kooperation aber dennoch nicht: „Mit Sicherheit ist das für uns interessant“, erklärt Buss. „Solange wir dann auch Nutzungsrechte haben, ist das keine schlechte Sache.“

Äußerst unrealistisch ist ein Wegzug des FC aus dem Grüngürtel. Weder Verein noch Stadt wollen dieses Szenario, das dennoch die letzte Möglichkeit bleibt, falls ein Kompromiss nicht gefunden wird. Das gilt es bald zwischen dem Klub und den Behörden auszuhandeln. Auch bei schwierigen Fragen wie der Stadionpacht hat sich der FC mit der Stadt einigen können.

Unter Umständen könnte sogar eine finanzielle Förderung des Projekts seitens der Stadt infrage kommen, falls das Ganze durch den e.V. vorangetrieben wird. Unter diesen Vorzeichen scheint auch die Erweiterung durchaus realisierbar. So könnte bald Hennes Weisweilers Shampoo am Geißbockheim Geschichte sein.

Text: Thomas Reinscheid, Mitarbeit: Frank Schwantes

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