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Fabian Mels: Kölsch on the rocks

Fabian Mels Ice Cross Downhill Red Bull Crashed Ice

Nur Vollgas zählt beim Ice Cross Downhill: Das weiß auch der Rösrather Fabian Mels (v.)
Foto: Red Bull

Waghalsige Sprünge und knall­harte Vierkämpfe machen Ice Cross Downhill zu einem Mega-Spektakel. KEC-Stürmer Fabian Mels gehört zur Weltspitze der tollkühnen Schlittschuh-Cracks.

Man könnte es Wahnsinn nennen. Um sich mit Tempo 80 auf Schlittschuhen einen Eiskanal hinabzustürzen, bedarf es einer gewissen Portion Tollkühnheit. Was aber wirkt wie ein wilder Ritt auf Kufen, ist das Ergebnis knallharten Trainings und akribischer Vorbereitung. Die Athleten, die sich bei der „Red Bull Crashed Ice“-Weltmeisterschaft auf die mit Steilkurven, Wellen und Rampen gespickte Piste wagen, überlassen nichts dem Zufall. Bestmöglich durch Protektoren geschützt, gehen sie ihre Rennen nicht nur mit Mut, sondern auch mit Taktik an. Einer der Topstars der internationalen Szene ist der Rösrather Fabian Mels. Gestartet 2011 als bester Newcomer, will der leidenschaftliche Eishockeyspieler in seiner fünften WM-Saison ganz oben mitmischen. Nach drei von zehn Rennen belegt er Rang elf in der Gesamtwertung.

Zum Ice Cross Downhill gekommen ist der Stürmer der Amateurmannschaft der Kölner Haie durch Zufall. „Ich habe 2010 Ausschnitte eines Rennens in München gesehen und fand das ziemlich cool. Ein Jahr später gab es ein Qualifikationsturnier in Düsseldorf. Dort ging es darum, möglichst schnell eine flache Strecke auf Schlittschuhen zu laufen“, erzählt Mels. Er gehörte zu den Besten und sicher­te sich damit ein Ticket für den nächsten „Red Bull Crashed Ice“-Wettbewerb in der bayerischen Landeshauptstadt. „Als ich an der Strecke stand, dachte ich: Alter Schwede, das ist schon was anderes, als es im Fernsehen zu sehen“, sagt der 25-Jährige. Er meisterte den Parcours als bester Neuling – und hat sich seitdem kontinuierlich in die Weltspitze vorgearbeitet.

Actiongeladen wie gefährlich, die schnellste Sportart auf Schlittschuhen mit einem Gefälle von bis zu 55 %: Ice Cross Downhill bedeutet auf Schlittschuhen den Berg hinunter.

Gepostet von ZDF Morgenmagazin am Dienstag, 19. Januar 2016

Am Start herrscht Adrenalin pur

Die Pisten, die der österreichische Getränkehersteller für seine spektakuläre Rennserie errichtet, sind bis zu 600 Meter lang und stellen die Athleten immer wieder vor neue Herausforderungen. Mit 50 bis 80 Stundenkilometern geht es inmitten städtischer Kulissen durch eisige Kurven und Schikanen und über Sprungrampen. Dabei treten immer­ vier Sportler im K.o.-System gegeneinander an. Wer den Start verschläft, hat schlechte Karten.

„Ähnlich wie bei anderen Rennsportarten ist es entscheidend, gut reinzukommen. Aber auch im Rennen gibt es noch Möglichkeiten, die Gegner zu überholen. Dem einen liegt eine Kurve besser, der andere meistert den Sprung perfekt – alles ist möglich, es wird oft eng. Das ist das Spannende an der Sportart“, betont Mels. In Nordamerika locken die Events mehr als 100.000 Zuschauer an die Piste, in München waren es immerhin 23.000. „Wenn du oben am Start stehst und die jubelnden Massen hörst, gibt das einen ordentlichen Adrenalinkick“, sagt der Downhill-Crack.

Fabian Mels Red Bull Crashed Ice

Fabian Mels (25) ist nebenbei auch noch für die 2. Mannschaft der Kölner Haie aktiv
Foto: Red Bull

Mels: „Wir wollen an unsere Grenzen und darüber hinaus“

Mentales Training hilft dem gelernten Bürokaufmann dabei­, alles um sich herum auszublenden und sich nur auf das Rennen­ zu konzentrieren. „Es geht auch darum, Angst zu überwinden. Ich liebe es, mich der Herausforderung einer neuen Strecke zu stellen.“ In München bauten die Planer Anfang Januar den bisher anspruchsvollsten Kurs überhaupt auf. Nie zuvor erreichten die Sportler Höchst­geschwindigkeiten von 80 km/h, nie zuvor mussten sie Sprünge von 25 Metern­ stehen. „Als ich den Kurs gesehen habe, hatte ich jede Menge­ Respekt“, räumt Mels ein. Der gehöre aber auch dazu, um die nötige Konzentration mitzubringen. Der Rösrather vertraut auf seine fahrerischen Fähigkeiten­, seine Erfah­rung und sein Gefühl, die Kurse richtig einschätzen zu können­.

Und natürlich auf seine umfangreiche Schutzkleidung. „Jeder Fahrer stellt sie selbst zusammen. Teilweise nutzen wir Eishockey-Ausrüstung, aber auch Protektoren vom Fahrrad-Downhill und Skicross“, erzählt­ er. Wichtig sei, dass die Beweglichkeit gegeben bleibe. Für gefährlich hält Mels seinen Sport nicht. „Stürze und blaue Flecken gehören dazu, und Fußballer verletzen sich auch häufig“, betont er. Dass die Pisten immer anspruchsvoller und schneller werden, bewertet er positiv: „Wir Sportler wachsen gemeinsam mit der Sportart. Die Strecken­planer richten sich auch nach dem, was wir für machbar halten. Wir wollen an unsere Grenzen und darüber hinaus gehen. Auch die Zuschauer erwarten spektakuläre Sprünge und harte Duelle.“

So bleibt spannend, was die Eis-Cracks nach den Rekorden von München bei den WM-Rennen in Finnland (30. Januar) und den USA (27. Februar) erwartet.

Text: Svenja Dahlhaus