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„Das ist die traurige Wahrheit“

Quelle: IMAGO

Thomas Broich spielte von 2006 bis 2009 für den 1. FC Köln.

Im dritten Teil des Exklusiv-Interviews aus unserer Oktober-Ausgabe erzählt der ehemalige FC-Profi Thomas Broich über die FC-Fans und deren „Fankultur“, wie die Medien falsch kommunizieren und dass der Fußball, gerade in Köln, eigentlich viel zu wichtig genommen wird.

 Was macht die Fanszene beim 1. FC Köln aus?

Man kennt das doch: Wir sind die besten Fans der Welt und so weiter. Natürlich ist unbestritten, dass die Stimmung in Köln einmalig sein kann. Ich würde sagen, es mit die beste in ganz Deutschland. Nur, das ist halt ungefähr in drei von 17 Spielen der Fall. Und bei den anderen 14 Spielen läuft man eigentlich gegen zwölf Gegner auf, weil sich das FC-Publikum so schnell gegen die eigene Mannschaft wendet.

Muss der Verein versuchen, das zu ändern?

Das ist auch die Sache der Medien. Es tun immer alle so, als würde der FC Besseres verdienen. Aber im Endeffekt wird jeder kaputtgemacht, der im Verein Verantwortung über nimmt. Es gibt nur ganz Wenige, die zu Helden auserkoren werden.

Gab es zu Ihrer FC-Zeit Spieler, die einen Heldenstatus erlangt, aber eigentlich nicht verdient hatten?

Ich werde keine Namen nennen, aber das war definitiv so. Diejenigen, die in Köln am lautesten gefeiert wurden, waren oft die eigentlichen Söldner. Die Spieler, die das ganze Theater jahrelang über sich ergehen lassen und sehr professionell für den Verein arbeiten, sind leider oft diejenigen, die dann ganz schnell weg vom Fenster sind. Das ist die traurige Wahrheit.

Unter diesem Aspekt hätte es Kevin Pezzoni nicht treffen dürfen?

Ich kann nur sagen, dass Pezzo verdammt hart arbeitet, zu meiner Zeit immer einer der fittesten war, dass er auch um seine fußballerische „Limitation“ weiß und sich umso mehr reinknallt. Wenn er sich in den letzen drei Jahren nicht total verändert hat, dann weiß ich auch nicht, was da vorgefallen sein muss. Weil Engagement bei Pezzo immer da war. Aber in Köln brauchen offenbar irgendwelche Leute ein Ventil, einen Sündenbock, und jetzt haben sie einen gefunden.

Sind solche Übergriffe das Ergebnis der „Fankultur“ in Deutschland? Wird das Thema Fußball zu wichtig genommen?

Ja, eigentlich schon. Eine gewisse Leidenschaft für den Sport oder für den Verein ist gut und förderlich für jede Stadt. Aber das wird ja mittlerweile zu einer Glaubensfrage. Fußball ist inzwischen viel zu sehr mit persönlicher Ehre und solchen Dingen verknüpft, da wird das eine oder andere Mal schon wirklich eine Grenze überschritten.

Wie lebt es sich mit Fußballfans in Australien?

Gemischt. Hier gibt es auch diverse Internet foren, wo jeder seine Meinung zum Besten geben kann, das ist ja auch per Definition unkontrollierbar. Da geht es teilweise auch wüst zu, aber insgesamt hat der Fußball einen anderen Stellenwert in Australien. Es ist nicht alles so aufgehitzt, und der Fußball ist hier keine Frage von Leben und Tod. Da ist es auch vollkommen okay, mal ein Spiel zu verlieren. Man muss sich nicht auf irgendwelche Pöbeleien in der Stadt gefasst machen. Natürlich würde ich hier auch lieber vor 50.000 Zuschauern spielen. Aber der Preis, den man dafür bezahlt, sind dann unter Umständen Auswüchse wie jetzt in Deutschland.

Ein bisschen weniger im Fußball kann manchmal mehr sein?

Dies alles jetzt aus der Ferne zu verfolgen, bestärkt mich total in meiner Entscheidung, den Vertrag hier in Australien verlängert zu haben. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, noch mal näher an die Heimat zu kommen und in Europa zu spielen. Dann aber erfährt man, was dort passiert, und da habe ich drei Kreuze gemacht und gedacht: Hier kannst du ruhig noch ein paar Jahre spielen. Einfach diesen ganzen Trouble nicht mehr mitmachen zu müssen ist schon toll.

Das Interview mit Thomas Broich führten Frank Schwantes und Thomas Werner

 

Den 1. Teil des Interviews finden Sie hier
Den 2. Teil des Interviews finden Sie hier