Köln.Sport

Quid pro Quo?*

Im August richtet der KGC zum zweiten Mal das Finale der Deutschen Golf Liga aus, doch danach soll Schluss sein mit Spitzensport im KGC. Gründe für die Philosophieänderung nennt der Club – auch auf Nachfrage – nicht. Was steckt dahinter?
KGC

Der Kölner Golfclub wurde vom „Golfmagazin“ von über 700 Golfplätzen in Deutschland auf Platz 22 gewählt (Foto: Kölner Golfclub)

Der Kölner Golfclub ist einer der Vorzeigeclubs in der Region. Eine wunderschöne Anlage mit 45 Spielbahnen, ein modernes Clubhaus, eine zertifizierte Physiotherapie-Praxis – die Rahmenbedingungen in Köln-Widdersdorf könnten kaum besser sein. Kein Wunder also, dass der Deutsche Golf Verband (DGV) bereit war, hier 2017 erstmalig das Final Four, das Finale der Kramski Deutschen Golf Liga aus- spielen zu lassen. Das größte deutsche Mannschaftsgolf-turnier in der Domstadt begeisterte nicht nur viele Aktive, sondern auch die Golf-Fans in der Region, die beim Turnier für einen Zuschauerrekord sorgten. Auch 2018 findet das Final Four im Kölner Golfclub statt – dann allerdings wohl zum vorerst letzten Mal.

Denn Anfang des Jahres gab der Club bekannt, sich vom Spitzensport abwenden zu wollen. Zuvor herrschte Uneinigkeit bei den Verantwortlichen des Kölner Golfclubs. „Über die zukünftige Ausrichtung des Kölner Golfclubs konnte zwischen den Gesellschaftern keine Einigkeit erzielt werden. Norbert Amand möchte den breitensportlichen Public-Charakter verstärken, Guido Tillmanns den Club- und Spitzensportcharakter (zum Beispiel Leistungszentrum Jugend)“, hieß es da in einem Newsletter des Clubs an seine Mitglieder. Konkrete Ausführungen dazu gab es nicht. Guido Tillmanns, der den KGC mit aus der Taufe hob und entscheidenden Anteil daran hatte, dass der Club zu einem über die Landesgrenzen hinaus bekannten Vorzeigeclub wurde, schied als Konsequenz als Gesellschafter aus und hat seit Februar
nur noch beratende Funktion für die Geschäftsführung.

Rückkehr zum Breitensport

Was aber genau beinhaltet der Kurswechsel beim Kölner Golfclub? Sicher ist, dass der breitensportliche Ansatz Norbert Amands in Zukunft verfolgt und der Spitzensportcharakter reduziert werden soll. Auf Köln.Sport-Nachfrage wollte sich weder der geschäftsführende Gesellschafter Norbert Amand noch Guido Tillmanns zum Thema Neuausrichtung äußern. Aus dem Umfeld des Kölner Golfclubs ist allerdings zu hören, dass der Club zuletzt große Verluste schrieb. Diese sollen im siebenstelligen Bereich liegen. Die Gründe dafür seien vielschichtig: Ein schlecht belegtes Hotel, schleppend laufende Gastronomie und nicht zuletzt das in den Medien so oft gelobte Final Four. Das Event war zwar ein Beleg dafür, dass die Anlage zum Spitzensport passt und der Club in der Lage ist, eine Veranstaltung dieser Größenordnung durchzuführen.

Aus ökonomischer Sicht jedoch muss die Ausrichtung der Endrunde der Kramski Deutschen Golf Liga infrage gestellt werden. Alfred „Freddy“ Richter, der die Golflandschaft in Köln seit Jahrzehnten kennt und schon viele Veranstaltungen und Turniere – unter anderem beim Kölner Golfclub – ausgerichtet hat, bestätigt auf GOLFSPIEL-Nachfrage, dass es zuletzt Probleme mit dem KGC gab. „Ich hatte sechs Veranstaltungen geplant, habe aber für 2018 alle Turniere beim Kölner Golfclub gekündigt“, so der Ausrichter der „Kölner Golfwoche“. Ein mangelhafter Platzzustand sowie schlechte Gastronomie seien ausschlaggebend gewesen. Der erfahrene Turnierausrichter hat Verständnis für die Neuausrichtung, die vermutlich erst ab 2019 richtig greifen wird. „Ich wünsche mir, dass die neue Strategie des Kölner GC fruchtet und sie wieder erfolgreich sind. Dann werden wir auch wieder zusammenkommen und einen gemeinsamen Nenner finden. Aber momentan ist die Vergangenheit nicht akzeptabel“, so Richter.

Golf für Jedermann

Es wird noch etwas dauern, bis die neue Ausrichtung im vollem Umfang umgesetzt wird. Ab sofort wollen die Verantwortlichen des Kölner Golfclubs aber wieder ihr ursprüng-liches Motto in den Vordergrund stellen und ein Golfclub für die breite Masse und nicht unbedingt für die Sport-Elite sein. „Wir verstehen uns als Gastgeber für Golfer und all jene, die es werden wollen“, formuliert der KGC sein Selbstverständnis auf seiner Homepage. Die Golf-Fans in der Region müssen somit zwar in den kommenden Jahren wieder weiter fahren, wenn sie das Final
Four live sehen wollen. Aber sie werden sicher Verständnis dafür aufbringen, dass der Verzicht auf die Ausrichtung
offensichtlich zum Wohle des Vereins beiträgt.

*QUID PRO QUO ist Latein und bedeutet so viel wie „Gegenleistung“. Die Frage ist, was der Club jetzt als USP im harten Wettbewerb der vielen Golfclubs in und rund um Köln bekommt.

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