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Mythos Fortuna

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In zwei Wochen feiert Fortuna Köln seinen 70. Geburtstag. Der Club ist in der Domstadt längst zum Kult geworden, überall spricht man vom „Mythos Fortuna“ – aber warum eigentlich? Die Antwort liegt nicht nur in der Geschichte des Vereins verborgen, sondern auch in der Kultur, die den Südstadtklub seit jeher prägt.
Mythos Fortuna Köln

Die Heimspielstätte der Fortuna ist Kult: Das Südstadion versprüht einen ganz eigenen Charme, den die treuen Fans der Südstädter schätzen (Foto: imago/Manngold)

Es sind nur acht Tage, die die beiden voneinander trennen, wenn man sich einzig und allein auf den Zeitfaktor beschränkt: Die beiden erfolgreichsten Kölner Fußballvereine, der FC und die Fortuna, wurden beide im Jahr 1948 „ins Leben gerufen“. Die „Geißböcke“ am 13., die Südstädter am 21. Februar. Doch es ist weit mehr als das, was die beiden Vereine unterscheidet.

Hier der FC. Seit jeher das fußballerische Aushängeschild der Stadt, in den letzten 20 Jahren zwar krisengebeutelt, aber nie wirklich in Gefahr, den kölschen Platz an der Sonne zu verlieren. Dort die Fortuna. Eine Vereinsgeschichte mit so vielen Geschichten, so vielen Aufs und Abs, dass es fast für drei Chroniken reichen würde. Vom Aufstieg in die Bundesliga über unvergessene Pokalerfolge bis hin zum Fast-Bankrott im neuen Jahrtausend – als Fortuna-Fan hat man schon einiges mitgemacht. Doch eines hat der Klub aus der Südstadt nie verloren: seinen Charme, seinen Kult, seinen Mythos. Die Fortuna umgibt eine Aura, die – selbst in Deutschland insgesamt – nur ganz selten erreicht wird. Aber warum eigentlich? Der „Mythos Fortuna“, von dem in Köln schon fast wie selbstverständlich gesprochen wird, was ist das eigentlich? Und wie kommt es, dass der Kult gerade aktueller denn je ist?

Erfolg unter dem „Schäng“

Ein großer Teil der Antwort liegt in der Historie des Vereins begründet und hier vor allem in den Personen, die die Vereinsgeschichte maßgeblich mitgestaltet haben. Ganz oben auf der Liste der prägenden Personen: selbstverständlich Hans „Jean“ Löring, den in Köln alle nur „Schäng“ nannten. Löring, selbst ehemaliger Profifußballer, übernahm im Jahr 1966 das Amt des Präsidenten der Fortuna und hatte sich selbst ein großes Ziel auf die Fahne geschrieben: den damaligen Bezirksligisten in den bezahlten Fußball zu führen. Ein ambitioniertes Unterfangen, immerhin hatten schon die drei Fusionsvereine der Fortuna – Bayenthaler SV, Sparkassen SV Köln und SV Victoria Köln – als Einzelclubs kaum Erfolg gehabt. In den 18 Jahren zwischen der Fusion und Lörings Amtsantritt hatte sich daran kaum etwas geändert.

Doch das nachhaltige – vor allem auch finanzielle – Engagement sollte sich auszahlen. Schritt für Schritt arbeitete sich die Fortuna nach oben und erreichte im Jahr 1973 das ultimative Ziel, den Aufstieg in die Bundesliga. Löring lud, ganz der Gönner, alle Beteiligten zur Aufstiegssause in sein schlossähnliches Anwesen Haus Kickley bei Rath (Kreis Düren) ein und pumpte allein 1973 ca. 2,5 Millionen Mark in den Verein – in der Hoffnung, ihn zu einer dauerhaften Größe in der Bundesliga zu machen. Doch anstatt dauerhaft Fuß zu fassen, ging es gleich wieder abwärts, in die neu geschaffene 2. Bundesliga. Die Fortuna musste sich abermals hinter dem FC, zu dem Zeitpunkt schon mehrmaliger Meister, einreihen. Für eine lange Zeit. Unglaubliche 26 Jahre in der 2. Liga folgten.

Mythos Fortuna Köln

Der „ewige“ Uwe trägt anno 2018 seinen Teil zum Fortuna-Kult bei. Seit 2011 coacht er die Südstädter und ist dort mittlerweile zur Institution geworden (Foto: imago/Rene Traut)

Historisches Pokalfinale

Der 11. Juni 1983 sollte DAS Highlight schlechthin für die Fortuna werden. Auf dem Weg ins DFB-Pokalfinale hatte man schon Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund ausgeschaltet und im Fortuna-Dress spielten Legenden wie Dieter Schatzschneider oder Hannes Linßen. Im Endspiel wartete der FC – und der bitterste aller möglichen Spielausgänge folgte. Die Fortuna kämpfte, spielte und war für viele Zuschauer an diesem Tag das bessere Kölner Team. Das einzige Tor erzielte aber Pierre Littbarski, bekanntlich mit dem Geißbock auf der Brust (68.).

Die Geschichte erzählt man sich noch heute am Vorgebirgstor und in den Kneipen der Südstadt, darum kennt sie jeder Fan. „Das Pokalfinale war eines der wichtigsten Kapitel überhaupt“, sagt Tim Lachmayer, Gründungsmitglied im Fortuna-Fanklub „Die Fortunasen“. Der Student ist erst 26 Jahre jung und erst seit 2011 bei der Fortuna als Fan aktiv, aber das „kölsche“ Pokalfinale kennt natürlich auch er. Es war so etwas wie der Startschuss in eine dunklere Phase der ­Fortuna-Geschichte war. Den Wiederaufstieg in die Bundesliga verpassen die Südstädter 1986 in der Relegation gegen Dortmund. Als der FC Ende des Jahrtausends schwächelt und sich zum direkten Nachbarn ins Unterhaus gesellt, will Löring an die Spitze. Drei Duelle in der 2. Liga entscheidet die Fortuna für sich, und der Präsident will mit Hauptsponsor Toyota zur Nummer eins in Köln werden – angeblich auch auf Druck des Vereins und des Sponsors.

Die Folge: Der Klub übernimmt sich finanziell, hat am Ende über sieben Millionen Mark Schulden. Das kann selbst Löring, der insgesamt über 15 Millionen Mark in den Verein gesteckt hatte, nicht auffangen. Im Gegenteil: Die private und unternehmerische Krise des Präsidenten trifft auch den Verein. Fortuna wird zwar im Anschluss an ein Insolvenzverfahren schuldenfrei, stürzt aber sportlich bis in die Landesliga ab und muss zwischenzeitlich sogar den Spielbetrieb einstellen. Im Februar 2005 war das. Die Aktion „Einem nackten Mann greift man nicht in die Tasche – sondern unter die Arme“, bei dem das Team für ein Fotoshooting komplett blankzieht, war da schon lange Geschichte und verpufft.

Doch am absoluten Tiefpunkt schöpft der Verein neue Kraft, die Fortuna erhält ein neues Fundament. Und zwar durch den Mann, der wie kein Zweiter für den „Südstadt-Kult“ der heutigen Zeit steht: Klaus Ulonska.

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