Köln.Sport

„Köln war meine wichtigste Station!“

Vier Jahre arbeitete Peter Stöger in Köln mehr als erfolgreich – dann folgte eine beispiellose Hinserie, in der gar nichts klappte. Viereinhalb Monate nach seinem Abschied vom 1. FC Köln spricht der aktuelle BVB-Coach über sein Verhältnis zu Jörg Schmadtke, seine Bindung zur Stadt und über das Verhalten der Klubführung. Das Interview fand im Rahmen der DB Regio NRW Fußball Tour statt.
Stöger

In der Saison 2016/17 führte Stöger den Effzeh nach 25 Jahren wieder in einen europäischen Wettbewerb (Foto: imago/DeFodi)

Herr Stöger, der Abstieg des 1.FC Köln ist so gut wie entschieden. Mit welchen Gefühlen blicken Sie momentan auf ihren Ex-Club?

Wenn ich mich nicht gerade mit Dortmund beschäftige, schaue ich immer auf Köln. Ich finde, sie haben das gut hingekriegt und sich gut heran gekämpft. Dann haben sie aber leider Gottes ein paar Möglichkeit liegen lassen, um richtig Druck auf die Konkurrenz aufzubauen. Das ist schade und tut wahrscheinlich jedem Leid, der mit dem Verein zu tun hat und in dieser Stadt zuhause ist.

Ihr Abschied in Köln war von einigen Nebengeräuschen begleitet…

Zum Abschied gibt es nichts zu sagen. Die Geschichte ist durch.

Ganz sicher?

Nein, also nochmal: Ich habe da nie etwas zu gesagt. Das kam alles immer nur von einer Seite. Auf diese Fragen möchte ich nicht antworten.

Auch nicht zu ihrem letzten Spiel als FC-Coach in Schalke. Die Trennung war ja bereits vorher beschlossene Sache…

Nein.

Haben Sie sich am Ende vom Verein im Stich gelassen gefühlt?

Nein, überhaupt nicht. Zu keiner Sekunde. Ganz im Gegenteil: Ich habe sehr lange Unterstützung bekommen. Ein Trainer, der zwar zwei Europapokalspiele und ein Pokalspiel in Berlin gewonnen, aber in der Meisterschaft kaum Punkte geholt hat – Unter diesen Rahmenbedingungen habe mich überhaupt nicht im Stich gelassen gefühlt.

Also war das Verhältnis zum Vorstand und zur Geschäftsführung bis zum Ende unbelastet?

Die sportliche Situation wurde natürlich immer schwieriger und deshalb war klar, dass eine Entscheidung getroffen werden musste. Zieht man das gemeinsam bis zum Winter durch? Oder sogar bis zum Sommer, vielleicht sogar noch länger? Oder braucht man irgendwann eine Veränderung? Es musste eine Entscheidung getroffen werden, das war zu diesem Zeitpunkt wichtig. Aber bis zur Trennung habe ich totale Unterstützung vom Klub gehabt.

Die Klubführung hat für ihr Krisenmanagement und die Art und Weise der Entlassung viel Kritik geerntet. Es war kein Geschäftsführer Sport mehr da, der Verein schien alles andere als souverän. Haben Sie das auch so empfunden?

Im Grunde war das ja auch für den Vorstand eine total unerwartete Situation. Wer konnte denn damit rechnen, dass wir sportlich derart schlecht abschneiden? Auch der Abschied Jörg Schmadtkes kam unvorbereitet, da kann man sich die Alternativen auch nicht mal eben aus dem Hut zaubern. Ich finde, sie haben das ordentlich gehandhabt. Die Vereinsführung steht für Kontinuität. Sie haben vor fünf Jahren in einer ganz schwierigen Situation übernommen und den Verein durch gute Arbeit wieder in die richtige Richtung gelenkt.

Sie sprechen die Personale Jörg Schmadtke an. Es wurde viel spekuliert über das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Geschäftsführer Sport. Wie war die Zusammenarbeit kurz vor seinem Abschied?

Sie war absolut in Ordnung. Ich würde sie sogar als „gut“ bezeichnen. Dass es zunehmend Diskussionen gab und es schwieriger wird, wenn man wochenlang kein Spiel gewinnt, ist klar. Das ist ja nicht nur beim 1. FC Köln so. Der Vorstand, Alexander Wehrle und Jörg Schmadtke – Wir haben viereinhalb Jahre in der gleichen Konstellation zusammengearbeitet. Das Ganze kann nur funktionieren, wenn die Zusammenarbeit richtig gut ist, und das war sie auch.

Hat Sie das Verhalten von Jörg Schmadtke am Ende persönlich enttäuscht? Zum Beispiel, dass er Sie von seinem Abschied nicht persönlich informiert hat.

Nein, überhaupt nicht. Er und der Klub haben diese Entscheidung so getroffen. Da wird es Gründe gegeben haben, warum das nicht im großen Kreis kommuniziert wurde.

Gab es nochmal ein Gespräch zwischen Ihnen und Herrn Schmadtke?

Nein.

Gar keinen Kontakt?

Es gab SMS-Kontakt, getroffen haben wir uns aber nicht.

Sie selbst haben auch in der Krise nie Ihre Freundlichkeit verloren und sind bis heute beliebt in Köln. Wie würden Sie Ihre Verbindung zu der Stadt und zu den Fans beschreiben?

Köln war in meiner Karriere bislang die wichtigste Station. Ich bin jetzt 52 und der 1. FC Köln war für mich der prägendste Verein, was Fussball betrifft. Ich habe hier alles kenngelernt: Begeisterung für diesen Fussball-Verein und Menschen, sowohl Spieler als auch in der Führungsebene, die gemeinsam etwas aufgebaut haben, die sich gegenseitig unterstützt haben und Kontinuität lebten.

Bleiben Sie auch mit der Stadt verbunden?

Es ist eine außergewöhnliche Stadt, in der ich leben durfte. Ich habe viele Freunde gefunden und Köln wird für mich immer eine große Bedeutung haben. Ich glaube, die Leute mochten uns als Trainerteam in Köln, weil sie genau das auch gespürt haben. Dass wir uns dort von Anfang an extrem wohl gefühlt und die Kultur dieser Stadt auch mitgelebt haben. Köln ist sicher eine ganz spezielle Stadt, die es einem einfach macht, sich wohl zu fühlen.

Eine Woche nach dem Abschied aus Köln haben Sie beim BVB angeheuert. Würden Sie die Entscheidung rückblickend genau so treffen?

Ja, ich würde die Entscheidung wieder so treffen. Es war eine besondere Möglichkeit, eine Mannschaft wie den BVB zu trainieren. Eigentlich war ich darauf eingestellt, bis zum Sommer nichts zu machen, da die vielen Jahre in Köln, vor allem das letzte halbe Jahr, schon sehr herausfordernd waren. Insofern war der Zeitpunkt schon etwas eigenartig und komisch für alle Beteiligten – Aber die Chance, den BVB zu trainieren, kriegst du nicht jeden Tag und ich wollte sie unbedingt wahrnehmen.

Das Interview fand im Rahmen der DB Regio NRW Fußball Tour statt.

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