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FC: Next Podolski?

Quelle: Imago

Zusammen mit Mittelfeldregisseur Fabian Schnellhardt vertrat Mitchell Weiser die Kölner Farben bei der U17-Weltmeisterschaft in Mexiko.

Deutscher Meister und Bronze bei der WM – eine erfolgreiche Saison liegt hinter Mitchell Weiser. Der 17-jährige FC-Bubi zählt zu den größten Talenten Deutschlands.

Santiago de Querétaro, Mexiko. 23.500 Zuschauer haben sich im Estadio La Corregidora eingefunden, um das Spiel der U17-Weltmeisterschaft Deutschland gegen Ecuador anzuschauen. Deutschland macht Druck über die rechte Seite. Per Doppelpass gelangt der Ball zum Spieler mit der Trikotnummer zwei, der ihn gleichsam galant wie präzise direkt mit der Hacke in den Strafraum weiterleitet – die perfekte Torvorbereitung. Endergebnis: 6:1 für Deutschland.

Nicht das erste Turnier-Highlight, das dem Offensivjuwel auf der rechten Außenbahn gelingt. Es ist Mitchell Weiser, Nachwuchstalent des 1. FC Köln. B-Jugend-Meister 2010/11, Hoffnungsträger der Fans. Wie stark ist der 17-Jährige wirklich? In den Internetforen des Geißbockclubs schreiben euphorisierte Trainingskiebitze bereits vom „nächsten Podolski“ – was natürlich Unsinn ist, denn Weiser ist annähernd beidfüßig.

Dennoch: Hört man den Jugendtrainern des Sohnes von Ex-FC-Profi Patrick Weiser zu, erschließen sich schnell Parallelen zu „Poldi“: „Er hat eine unheimliche Dynamik und Schnelligkeit mit dem Ball“, lobt sein B-Jugend-Trainer Boris Schommers, „wenn er einmal im Dribbling Fahrt aufgenommen hat, ist er kaum mehr zu halten.“ Weiser, der auch als rechter Verteidiger spielen kann, sei zudem zielstrebiger in seinen Aktionen geworden, habe unter großem Druck das Auge für den richtigen Pass und einen guten Torabschluss.

„Unverwechselbare Dynamik“

Eigenschaften, die dem flinken Außenstürmer mit in die Wiege gelegt wurden und ihm in der vergangenen Spielzeit zu elf Toren und 20 Vorlagen verhalfen. Rüdiger Derwein trainierte Weiser bereits im Alter von sechs Jahren und begleitete ihn bis zur D-Jugend. „Mitchell hatte schon damals eine unverwechselbare Dynamik, ein sehr gutes Zweikampfverhalten und war schwer vom Ball zu trennen“, erinnert sich Derwein, „da hat man bereits gesehen, dass er einmal ein sehr guter Fußballer werden würde.“

Doch zu einer Entwicklung zum Fußballprofi – und das ist das Ziel des Nachwuchstalents – gehört mehr als nur fußballerische Klasse. In seinem ersten B-Jugend-Jahr, Weiser rückte bereits einen Jahrgang früher als gewöhnlich zur U17 auf, trat er sportlich noch nicht sonderlich in den Vordergrund. „Er war ein Spaßvogel und Lebemann, für jeden Scherz zu haben“, erinnert sich Schommers.

Entwicklung zum Führungsspieler

Im Vorfeld der vergangenen Saison habe er jedoch seine Einstellung geändert, das richtige Gleichgewicht zwischen Spaß und Ernst gefunden und hart an sich gearbeitet: „Er hat sich selbst gesagt: ‚Jetzt zählt es, ich bin im Leistungsbereich angekommen'“, erklärt Schommers. Daraufhin ernannte der Trainer ihn zum Kapitän der Mannschaft. Weiser dankte es ihm auf seine Art: Er kommunizierte viel mit seinen Mitspielern, dirigierte sie und führte sie entschlossen zum Deutschen Meistertitel der B-Jugend.

Der Schritt zum Leistungsträger in den Reihen der FC-Profis ist demnach nur eine Frage der Zeit? „Ja“, sagt Derwein, „wenn er sich nicht verletzt, dann schafft er esl!“ „Nicht unbedingt“, sagt sein künftiger Trainer Manfred Schadt. „Es kommt darauf an, wie er die vergangenen Monate einordnet“, warnt er, „mir werden heutzutage zu schnell Helden geboren.“ Zwar gerät auch Schadt ins Schwärmen, wenn er über die Fähigkeiten seines künftigen Schützlings spricht: „Er ist ein Siegertyp und mag vielleicht sogar eines der größten Talente sein, dass der FC derzeit hat.“

Jedoch hat Schadt bereits zahlreiche Akteure ausgebildet, die den Vorschusslorbeeren schließlich nicht gerecht wurden: „Schauen Sie sich Yalcin an, schauen Sie sich Basala-Mazana und Yabo an. Die haben lange gebraucht, um Fuß zu fassen. Als Profi muss man sich noch einmal ganz anders durchsetzen!“

Weg zum Fußballprofi geebnet

Dass Mitchell Weiser das Zeug dazu hat, bezweifelt kaum jemand. Er besitzt außergewöhnliches Talent, ist zum Führungsspieler gereift und genießt die Unterstützung und Erfahrung seines Vaters Patrick, der kürzlich zum Co-Trainer der Profimannschaft befördert wurde und sich im Geschäft bestens auskennt.

Der Weg für Weisers Karriere ist also geebnet. Gehen muss er ihn selbst – „und das wird er auch“, da ist Rüdiger Derwein sich sicher. Schließlich sei Mitchell, mit dem Derwein noch regelmäßig in telefonischem Kontakt steht, immer noch der Alte geblieben: „Er läuft wie früher, er ist wie früher und er sieht aus wie früher. Außer, dass er damals lange Haare hatte und jetzt kurze!“

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