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Zuschauermagnet KEC

Aktuell taumelt der KEC durch die DEL, noch haben die Kölner Haie die Pre-Playoffteilnahme nicht unter Dach und Fach. Playoff-Atmosphäre herrscht aber bereits seit dem ersten Spieltag, denn die Ränge in der Lanxess-Arena sind voll! Wie hat es der Verein geschafft, die besten Zahlen seit Jahren zu generieren?

Foto: imago images / Revierfoto

Auf den ersten Blick haben die beiden größten Sportklubs in Köln nicht viel gemeinsam. Die einen spielen Fußball in Köln Müngersdorf, die anderen Eishockey in Deutz. Und auch die tierischen Maskottchen könnten unterschiedlicher kaum sein.

Bei genauerer Betrachtung allerdings finden sich doch mehr Gemeinsamkeiten als man annehmen mag. Denn sowohl der 1. FC Köln als auch die Kölner Haie laufen sportlich gesehen den eigenen Ansprüchen seit vielen Jahren hinterher. Während sich der Bundesligist bis auf eine Ausnahme (2016/17) in den Niederungen der Bundesliga, oder gar in der 2. Bundesliga, befand, sehnt man sich beim Kölner Eishockeyclub seit bereits 17 Jahren nach der neunten Deutschen Meisterschaft.

Heiß auf die Haie

Und noch eine Konstante verbindet die beiden populärsten Profi-Klubs der Domstadt: Ihre treuen Fans, die den Vereinen auch in turbulenten Zeiten Jahr für Jahr die Stange halten. Doch während das RheinEnergieStadion im Fußballland Deutschland fast immer voll ist, kämpft der KEC seit Jahren mit viel Einsatz dafür, die Auslastung der größten Spielstätte aller DEL-Klubs bei den Heimspielen hoch zu halten.

Das ist in der 18.600 Zuschauer fassenden Lanxess-Arena allerdings alles andere als leicht. In der laufenden Spielzeit aber entpuppen sich die Kölner Haie als echter Zuschauermagnet und haben im Vergleich zu den Vorjahren einen deutlichen Sprung in Sachen Besucherzahlen hingelegt.

Bestes Beispiel: Am 03. Januar 2020 sorgten 18.600 Besucher beim Derby gegen die Düsseldorfer EG für ein ausverkauftes Haus – und das in einer Hauptrunden-Begegnung und nicht etwa in den Playoffs. Die imposante Kulisse verhalf dem KEC, seine Führung in der Zuschauertabelle der DEL zu verteidigen. Deutlich über 13.000 Zuschauer kamen im Schnitt zu den Heimspielen.

Zuschauermagnet in der DEL

Mit einem Schnitt von 13.423 (Stand 24.1.) führt der KEC im DEL-Klassement vor Berlin (12.799) und Mannheim (11.537). 2018/19 lag der gesamte Hauptrunden-Schnitt trotz des Winter Game, das 47.011 (!) Besucher ins RheinEnergie-Stadion lockte, bei lediglich 11.579.

„Die Unterstützung ist wirklich phänomenal“, schwärmt Neuzugang Kevin Gagné. „Was beim Derby in der Halle los war, habe ich bislang so in Europa noch nicht erlebt.“ Chefcoach Mike Stewart blies ins selbe Rohr: „Es macht mich wirklich stolz, was ich als verantwortlicher Coach bei den Heimspielen an Support für unser Team erleben darf“, so der Trainer nach dem 4:1-Derby-Erfolg Ende Oktober 2019.

Positive Entwicklung

Über das große Zuschauerinteresse freut sich Philipp Walter, Geschäftsführer der Kölner Haie, besonders. Er hat seit seiner Amtsübernahme am 1. Juli 2018 viele Hebel in Bewegung gesetzt, um Zuschauer ins „Deutzer Henkelmännchen“ zu locken. Die positive Entwicklung in der aktuellen Spielzeit ist seiner Meinung das Resultat verschiedener Maßnahmen:

„Es ist uns gelungen, gemeinsam mit der Lanxess-Arena einen sehr attraktiven und ausgewogenen Heimspielplan zu gestalten. Das heißt: Wir haben viele beliebte Freitage und Sonntage und die Spiele sind gut verteilt“, so Walter, der zudem vor der Saison eine leichte Senkung der Eintrittspreise veranlasst hat.

Zum Erfolg in Sachen Zuschauerakquise trägt auch die intensive Marketingarbeit einen großen Teil bei. „Auf unserer Geschäftsstelle wird um jedes Ticket gekämpft“, so der KEC-Geschäftsführer. „Fleiß und Kreativität sind da gefordert. Hier gelingt momentan sehr viel – auch dank unserer Partner, wie Dumont, Ströer, KölnTourismus oder Radio Köln. Natürlich legen wir heute größeren Fokus auf die digitale Bewerbung unserer Heimspiele als früher“, erklärt er die Strategie.

Erfolg mit nichts aufzuwiegen

Um vor allem Erst- oder Gelegenheitsbesucher öfter von einem Gang in die Lanxess-Arena zu überzeugen, setzen die Kölner Haie alles daran, die Heimspiele zu einem Gesamterlebnis mit bleibendem Eindruck zu machen. Spektakuläre Einlaufshow, vielfältiges Rahmenprogramm, erstklassige Stimmung – das garantiert Philipp Walter „seinen“ Gästen.

Auf den sportlichen Ausgang allerdings hat er während der Heimspiele keinen Einfluss – und weiß doch, dass gerade die Performance der Kölner auf dem Eis entscheidend ist: „Siege und attraktive Spiele sind das beste Marketing. Das Gesamterlebnis Haie macht bei gewonnenen Spielen einfach zehnmal so viel Spaß. Sportlicher Erfolg ist deshalb weiterhin ein sehr wichtiger Faktor im Bezug auf die Zuschauerzahl.“

Attraktive Spiele gab es bis dato in der Lanxess-Arena zur Genüge, allerdings zuletzt mit dem aus Haie-Sicht falschen Ausgang. Doch mit einigen emotionalen Erfolgen haben die Kölner Kufencracks schon früh in der Saison das Publikum auf ihre Seite gezogen.

„Wir haben eine Truppe, die eine hohe Identifikation mit der Stadt hat. Das spüren unsere Fans. Der Sport ist atemberaubend, hart und dynamisch und kommt dabei ohne Theatralik aus“, so Walter. Wenn es so weitergeht, können die Haie nicht nur ihren Hauptrunden-Rekord von 12.888 (2003/2004), sondern auch ihren Zuschauer-Rekordwert aus der Saison 1998/99 (13.121) brechen.

„Wir hecheln nicht nach Rekorden“, wiegelt Philipp Walter ab, „wir wollen Identität stiften und großartige Sporterlebnisse schaffen. Dann fällt der Rekord irgendwann von selbst.“

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