fbpx

Wester nervenstark beim WM-Debüt

Alexandra Wester, Weitspringerin vom ASV Köln

Sprang bei der Hallen-WM in Portland auf einen guten sechsten Rang: ASV-Weitspringerin Alexandra Wester
Foto: Getty Images

Eine Medaille verpasst, aber in der Weltspitze etabliert: ASV-Weitspringerin Alexandra Wester bewies bei der Hallen-WM in Portland nicht nur ihre gute Form, sondern vor allem starke Nerven.

Es war bisher das Jahr der Alexandra Wester. Die Weitspringerin überzeugte im Februar beim ISTAF-Indoor in Berlin (6,95 m), genauso wie zwei Wochen später bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig, bei denen sie mit einer Weite von 6,75 m ihren ersten nationalen Meistertitel feiern konnte. Spätestens seitdem gilt die 22-jährige Kölnerin als der Shooting-Star in der deutschen Leichtathletik-Szene – ein Umstand, der ihr auch im Vorfeld der Hallen-WM in Portland über die nationalen Grenzen hinaus Aufmerksamkeit einbrachte. Von vielen als mögliche Medaillen-Kandidatin eingeschätzt, machte sich Wester auf den Weg an die amerikanische West-Küste.

Im dritten Versuch ins Finale

Und dort drohte der Athletin des ASV Köln nach einem ungültigen Versuch und einem zweiten, eher schwachen Sprung über 6,44 m bereits im Vorfeld das Aus. Doch im dritten, entscheidenden Sprung zeigte Wester Nervenstärke und setzte die Füße bei der Marke von 6,67 m in den Sand des Oregon Convention Center und sicherte sich so die Finalteilnahme. Allerdings war schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass es bei einer überragend auftrumpfenden Konkurrenz im Hinblick auf eine Medaille schwierig werden würde. Denn in Portland machte Lokalmatadorin Brittney Reese von Beginn an klar, wer „Herrin“ in der Halle ist. Die US-Amerikanerin sicherte sich schließlich mit einer fantastischen Weite von 7,22 m den WM-Titel. Und das fast konkurrenzlos, denn der Abstand zur Zweitplatzierten Serbin Ivana Spanovic (7,07 m) und der überraschenden Bronze-Gewinnerin Lorraine Ugen aus Großbritannien (6,93 m) war letztlich riesig. Mit überbordendem Applaus wurde die 29-Jährige aus Kalifornien nach ihrem Triumph vom Publikum gefeiert, nachdem Spanovic vor dem letzten Sprung mit ihren 7,07 m noch vor Reese (7,00 m) gelegen hatte.

Von den beiden erstplatzierten Springerin jenseits der sieben Meter war Wester letztlich ein ganzes Stück entfernt, doch kann die junge Deutsche die WM-Finalteilnahme und den sechsten Rang mindestens als Teilerfolg verbuchen, vor allem, wenn man sich das extrem hohe Wettkampf-Niveau im Vergleich zu vorangegangenen Hallen-Weltmeisterschaften, 2014 in Sopot holten Éloyse Lesueur (Frankreich), Katharina Johnson-Thompson (Großbritannien) und Spanovic mit Weiten von 6,85 m, 6,81 und 6,77 m die Medaillen. Weiten, die Wester dieses Jahr schon mehrfach überboten hat. Aus Portland bleibt der Eindruck, dass die Kölnerin die zwei Tage nach dem WM-Finale ihren 22. Geburtstag in den USA feierte, mit ihrer Finalteilnahme internationale Konkurrenzfähigkeit bewiesen hat, aber auch nicht . Entsprechend fiel auch Westers Fazit gegenüber Köln.Sport aus: „Ich muss sage, es ist okay. Klar habe ich ein bisschen mehr erwartet, mit meiner vorherigen Weite von 6,95 m. Ich habe schon ein bisschen daran gedacht, wie es wäre, eine Medaille zu holen.“

Geburtstag in Los Angeles

Heute ist der 21.März und mein 22. Geburtstag ????? Ordnungsgemäß in Los Angeles mit meiner Schwester feiern ????

Gepostet von Alexandra Wester am Montag, 21. März 2016

Warum es in Portland noch nicht für ganz vorne reichte, wusste die deutsche Meisterin aber auch. „Es war schwer, reinzufinden. Der erste Sprung ungültig, der zweite nur 6,44 m. Da war es schon ein sehr gutes mentales Training, noch ins Finale zu kommen. Das habe ich dann mit den 6,67 m zum Glück noch geschafft“, analysiert die 22-Jährige. Nach der ersten WM-Teilnahme steht für Wester an der US-Westküste erst einmal ein zweiwöchiger Urlaub an. Mit ihrer Schwester trifft sie sich in der Metropole Los Angeles und feierte in der „Stadt der Engel“ ihren Geburtstag. Doch sie blickt auch schon in die sportliche Zukunft: „Für mich war das jetzt alles auch mentales Training für den Sommer. Um es positiv zu sehen, weiß ich jetzt, dass ich mich auf den Lorbeeren der Hallen-Saison nicht ausruhen kann“.

David Vorholt