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Haie: Minard und der lange Weg zurück

Quelle: IMAGO

Harter Hund: Chris Minard hat sich auch durch seine schwere Verletzung nicht aus der Bahn werfen lassen.

In der Januar-Ausgabe hat Köln.Sport Haie-Torjäger Chris Minard vorgestellt, der nach einer langen Leidenszeit mittlerweile wieder Spaß an seinem Beruf gefunden hat. Lesen Sie hier nach, welche Hürden der Kanadier dafür zu überspringen hatte.

 

Trotz einer kurzen Schwächephase befinden sich die Kölner Haie seit Beginn der Saison fast ununterbrochen an der Spitze der DEL–Tabelle. Auch, weil der 1,89 Meter große Neu-einkauf Chris Minard – Spitzname „Mini“ – voll eingeschlagen hat. „Besonders wichtig ist ein guter Start, und der ist uns in diesem Jahr zweifellos gelungen. Siege schweißen die gesamte Mannschaft zusammen“, erklärt der Kanadier im Gespräch mit Köln.Sport den Erfolgslauf des Teams. Dass er heute in der Lanxess-Arena auf Torjagd gehen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Denn vor nicht allzu langer Zeit sah es so aus, als könne er nie mehr auf dem Eis stehen.

Lange Leidenszeit

Dass Eishockey ein harter Sport ist, wissen nicht nur Fans. Beulen und Schrammen gehören bei der Jagd nach der schwarzen Scheibe einfach dazu. Doch was Chris Minard vor drei Jahren bei einem Spiel in der American Hockey League, quasi der „zweiten Liga“ im nordamerikanischen Eishockey, passiert ist, ging weit darüber hinaus. Ein harter Ellenbogencheck raubte ihm nicht nur für einige Zeit das Bewusstsein, sondern hatte auch noch eine schwere Gehirn-erschütterung zur Folge. Der Gegner hatte ihn just in dem Moment am Kinn getroffen, als sein Blick auf den Puck gerichtet war. Er hatte keine Chance, sich auf den Check vorzubereiten. „Ich musste eine dreimonatige Pause einlegen und verpasste ungefähr 35 Spiele“, erinnert sich Minard. Die reguläre Spielzeit in der AHL umfasst insgesamt 76 Spiele.

„Als ich mich wieder fit fühlte, kehrte ich zurück, um die Saison zu Ende zu spielen.“ Ehrgeiz, der sich in diesem Fall leider nicht auszahlte. Der Torjäger unterschätzte die Folgen, die eine Verletzung dieser Größenordnung mit sich bringen kann. Und so kam es, wie es kommen musste: Im Sommer kehrten die Symptome zurück: Übelkeit, Schwindelanfälle, schwere Kopfschmerzen. Schlimmer als je zuvor.

Der steinige Weg zurück

Nie mehr Eishockey? Nie mehr ein normales Leben führen? Ängste, die Minard in dieser Zeit immer wieder heimsuchten. „In so einer Situation kann man nur versuchen, das Beste aus der Sache zu machen, positiv zu denken und sich mit den Symptomen abzufinden.“ Nach eineinhalb Jahren entschied er sich, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Endlich! Der Kanadier nahm das Training wieder auf – und kämpfte sich mit unbändigem Siegeswillen zurück. „Anfänglich bin ich körperlichen Konfrontationen aus dem Weg gegangen. Doch je öfter ich spielte, desto sicherer fühle ich mich auf dem Eis. Irgendwann war die Angst einfach verschwunden.“ Minard, der insgesamt drei Mal die 30-Tore-Marke in der AHL überwand, fand wieder zu alter Stärke. Im vergangenen Sommer sprach er auf einem medizinischen Kongress in seiner Heimatstadt Owen Sound über seine lange Leidenszeit. Andere sollen die Möglichkeit haben, daraus zu lernen. Dass der robuste Torjäger auch den Weg über den Atlantik fand, hängt u. a. mit der hier praktizierten Spielweise zusammen. Eishockey in Europa ist laut Minard schneller als in Nordamerika. Allerdings werden die Cracks hierzulande nicht so hart attackiert. „Ich hatte keine Lust mehr, fünfzehn Mal pro Spiel gecheckt zu werden.“

Von Köln begeistert
Hinzu kam, dass Chris Minard, gemeinsam mit seiner Familie, schon immer die Welt bereisen wollte – und der Kölner Sportchef persönlich großen Einsatz zeigte. Minard: „Natürlich wusste ich schon vorher, wer Uwe Krupp war. Er rief mich mehrmals im Sommer an und versuchte, mich von einem Wechsel zu überzeugen. Auch von der Liga und seinen Anforderungen hat er mir berichtet. Nach diesen aussagekräftigen Unterhaltungen fiel mir die Entscheidung zugunsten der Haie nicht allzu schwer.“

Nicht nur sportlich läuft es seitdem nach Wunsch. In der Rheinmetropole hat der Kanadier mittlerweile eine zweite Heimat gefunden: „Besonders begeistert bin ich natürlich von eurem Bier – Kölsch ist wirklich einmalig!“, schwärmt der Kanadier mit der markanten Zahnlücke. „Die Stadt selbst finde ich einfach wunderschön. Gerade die Innenstadt hat es mir angetan. Und dank der öffentlichen Verkehrsmittel ist jeder Ort problemlos zu erreichen.“ Der Vertrag des Torjägers läuft am Ende der Saison aus. Nach den jüngst gezeigten Leistungen hoffen nicht wenige Fans auf einen längerfristigen Verbleib des 31-Jährigen. „Als ich hier unterschrieb, hatte ich mir vorgenommen, mehrere Ligen kennenzulernen“, gibt Minard zu. „Inzwischen bin ich mir aber nicht mehr so sicher. Ich könnte mir definitiv vorstellen, noch länger in Köln zu bleiben!“