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Timo Horn: „Olympia-Medaille wäre einmalig“

Timo Horn, 1. FC Köln

Freut sich auf seinen Auftritt bei Olympia: FC-Torwart Timo Horn
Foto: imago/Hübner

Als einziger Profi des 1. FC Köln schafft es Timo Horn zu Olympia. Vor der Abreise nach Rio sprach der FC-Torwart über die Erwartungen an das größte Sportevent der Welt.

Von Köln nach Rio: Timo Horn steht als einziger Profi des 1. FC Köln im deutschen Kader für das Fußballturnier bei den Olympischen Spielen (5. bis 21. August) in Brasilien. In der Vorrundengruppe C trifft das DFB-Team zunächst auf Mexiko (4. August), danach folgen die Partien gegen Südkorea (7. August) und Fidschi (10. August). Vor der Abreise am Donnerstag stellte sich der 23-jährige FC-Torwart den Fragen der Kölner Medien und sprach über den Stellenwert von Olympia, seinen Traum von einer Medaille und die Folgen für seinen Verein.

Herr Horn, Sie sind Teil des DFB-Teams für die Olympischen Spiele. Was sind die Erwartungen, die Sie vor ihrem Auftritt in Brasilien hegen? Wie groß ist die Vorfreude?

Ich freue mich riesig, dass ich die Möglichkeit bekomme, an einem solch großen Turnier teilzunehmen. Auch wenn im Vorfeld viel über den Stellenwert diskutiert wurde, ist es trotzdem ein einmaliges Erlebnis, als Fußballer zu Olympia fahren zu dürfen. Wir schielen natürlich auf eine Medaille, das wäre sensationell. Wer Horst Hrubesch (Trainer der Olympiamannschaft, Anm. d. Red.) kennt, weiß, dass er sich nur mit dem Besten zufrieden gibt. Wir haben in der Konstellation, wie das Team zusammengestellt ist, zwar noch nie zusammengespielt, aber wir werden eine gute Truppe auf den Platz bringen. Mexiko wird zum Auftakt direkt der erste Gradmesser.

Sie haben den Stellenwert angesprochen, den das Event für den Profifußball hat. Man wird ja nicht Fußballer mit dem Ziel, zu Olympia zu fahren – in anderen Sportarten sieht das ganz anders aus. Haben Sie sich nach der Nominierung etwas mehr damit befasst, was inklusive Olympischem Dorf auf einen zukommt?

In anderen Sportarten ist der Stellenwert sicherlich höher, da ist es das Größte an Olympia teilzunehmen. Aber auch im Fußball ist es etwas ganz Besonderes, wenn man schaut, wann Deutschland das letzte Mal teilgenommen hat. Leider sind wir zu Beginn etwas außen vor, da wir die ersten beiden Partien in Salvador absolvieren und dort auch im Hotel untergebracht sind. Das dritte Gruppenspiel ist dann in Belo Horizonte, deswegen werden wir am Anfang nicht so in Kontakt mit den anderen Sportlern kommen. Ab Halbfinale wäre es dann soweit: Im Olympischen Dorf wohnen, das Flair erleben, im Maracana spielen – das ist unser Ziel!

Die Brasilianer haben Neymar dabei und peilen die Goldmedaille an, sie haben Titelverteidiger Mexiko, der als Gruppengegner wartet, bereits angesprochen. Wie schätzen Sie ihre Chancen ein?

Wir werden eine sehr gute erste Elf haben. Wenn man die Positionen durchgeht, stehen dort ausschließlich Stammspieler aus der Bundesliga. Deswegen schätze ich unsere Chancen sehr gut ein, zumindest ins Viertelfinale einzuziehen. Dann muss man immer schauen, auf wen man dort trifft. Brasilien, das hat man im Vorfeld gemerkt, will mit allen Mitteln die Goldmedaille holen, Neymar verzichtet dafür sogar auf die Copa America. Aber ich glaube, wir sind stark genug. Unser Ziel ist das Halbfinale, dann haben wir auch die Chance auf eine Medaille.

Welchen Stellenwert hätte eine solche Medaille im Vergleich zu Welt- und Europameisterschaft oder einem Champions-League-Sieg für einen Fußballer?

Wenn man mich als kleines Kind gefragt hätte, hätte ich immer gesagt, dass ich einmal die Champions League gewinnen oder Weltmeister werden möchte – und nicht unbedingt Olympiasieger. Andererseits das Ganze dort zu erleben und am Schluss vielleicht sogar eine Medaille zuhause in der Vitrine zu haben: Das wäre einmalig!

Könnten Sie sich denn vorstellen, wenn es ins Halbfinale geht, dann auch eine andere Sportart in Rio zu besuchen? Welche wären ihre Favoriten?

Ich kann mir gut vorstellen, dass wir die Chance dazu dann auch bekommen werden – das würde der DFB sicherlich ermöglichen. Mich haben immer die Sprintwettbewerbe fasziniert, auch das Schwimmen. Usain Bolt, Michael Phelps – das sind die Sportler, die ich im Kopf habe, wenn ich an Olympia denke. Deren einmaligen Leistungen, über die noch Jahre später gesprochen werden, machen das Erlebnis auch aus. Und wenn man dabei live vor Ort sein kann, wäre das schon sensationell.

Gibt es den einen Sportler oder die eine Sportlerin, die Sie gerne sehen oder gar treffen würden?

Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, ich bin eigentlich nicht so der Autogrammjäger. Die Basketballer interessieren mich, Tennis auch – aber da ist niemand dabei, den ich als Vorbild bezeichnen würde.

Haben Sie denn spezielle Kindheitserinnerungen an die Wettkämpfe bei Olympia?

An Peking 2008 und London 2012 schon, das waren die ersten Olympischen Spiele, die ich wirklich bewusst verfolgt habe. Zuvor war ich doch noch etwas zu jung. Natürlich fallen da die Namen, die ich schon genannt habe, aber eben auch unsere Volleyballer Jonas Reckermann und Julius Brink, die in London Gold holten. Die zwei haben schon vor der U21-EM uns den Reiz Olympias präsentiert und uns auf das Ziel eingeschworen.

Es gibt im Vorfeld der Olympischen Spiele viele Diskussionen, zum Beispiel über das Zika-Virus und über die Sicherheit im Land. Wie gehen Sie damit um?

Natürlich setzt man sich damit auseinander, man liest ja überall viel darüber. Über den Umgang mit dem Zika-Virus habe ich mich intensiv beschäftigt. Das ist alles wenig erforscht, da hilft wohl nur der ununterbrochene Schutz vor den Mücken. Was die Sicherheit angeht, liest man, dass es hier und da in Brasilien Probleme gibt. Darauf wird der DFB vorbereitet sein. Das Thema ist nicht zu unterschätzen, auch das Land wird alles aus sich herausholen, damit Olympia sicher abläuft.

Timo Horn (1. FC Köln), DFB-U21

Auch beim DFB hoch im Kurs: FC-Keeper Timo Horn gilt bei Olympia als gesetzt
Foto: imago/Christian Schroedter

Sollte das DFB-Team dort wie gewünscht weit kommen, werden Sie weite Teile der Vorbereitung beim effzeh verpassen. Inwieweit ist das für dich als Torwart ein Problem?

Ich habe in den Wochen, die ich im Training bin, etwas mehr gemacht als meine beiden Kollegen, ich fahre definitiv topfit zu Olympia. Ich habe mit dem Trainer gesprochen, der sieht das völlig unproblematisch. Die Abwehrreihe vor mir ist komplett zusammengeblieben, in den bisherigen Testspielen hat es auch funktioniert. Da mache ich mir keine großen Gedanken, ich werde schnell wieder hineinfinden.

Es wurde lang und breit über die Kadernominierung diskutiert. Wann war für Sie klar, dass es in diesem Sommer zu Olympia gehen wird?

Von DFB-Seite war früh klar, dass Horst Hrubesch mich dabei haben möchte. Schon während der EM-Qualifikation wurde mir gesagt, wenn wir es nach Rio schaffen, dann zählt er auf mich und dann kriege ich die Chance, als Nummer eins zu spielen. Ich war zu der Zeit noch etwas hinten dran hinter Bernd Leno und Marc André Ter Stegen – aber bei Olympia, das hat er mir früh gesagt, vertraue er auf mich. Ich habe mich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt, das hat er damit auch anerkennen wollen. Beim FC war das schon vor der Sommerpause klar, ich habe Alexander Bade signalisiert, dass ich in der Pause etwas mehr machen und schon sehr fit zum Trainingsauftakt erscheinen möchte.

Von den zahlreichen FC-Kandidaten sind Sie letztlich der einzige, der es zu Olympia geschafft hat. Was haben die Teamkollegen gesagt?

Es ist ein ganz schwieriges Thema, da keine Abstellungspflicht für die Vereine besteht und dazu der Termin mehr als unglücklich ausfällt. Da ist klar, dass die Vereine nicht allzu begeistert sind. Am Ende haben wir eine gute Lösung gefunden. Dass beispielsweise Dominique Heintz hier bleiben und sich mit der Abwehrformation einspielen will, ist für mich auch vollkommen verständlich. Bei mir als Torwart ist es eine etwas andere Situation. Ich dachte aber auch zuerst, dass noch mehr unserer Jungs fahren werden, aber das ist okay für mich. Ich versuche, dort eine Medaille zu holen und danach mit dem FC eine gute Bundesliga-Saison zu spielen.

Könnte Olympia für Sie auch eine Bühne sein, um sich für die Nationalmannschaft zu beweisen?

Dass die Verantwortlichen das verfolgen werden, ist mir bewusst. Bundestorwarttrainer Andreas Köpke dürfte die Entscheidung, dass ich in Rio im Tor stehen werde, sicherlich mitgetroffen haben. Ich weiß, dass ich unter ständiger Beobachtung stehe und versuchen natürlich, das Turnier zu nutzen, um mich auf internationaler Bühne zu beweisen. Mehr kann ich nicht machen!

Aufgezeichnet von Thomas Reinscheid.