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Viktoria: Vom Bürostuhl zum Doppelpack

Marcus Steegmann, Viktoria Köln, jubelnd über seinen Treffer

Doppelpack gegen Alemannia Aachen: Viktoria-Stürmer Marcus Steegmann
Foto: imago/Eibner

Beim 6:0 über Alemannia Aachen beeindruckte Viktoria Köln mit kaum gekannter Treffsicherheit. Herausragend dabei ein Oldie, der eigentlich nicht mehr auf dem Platz stehen sollte.

Rheinfussball

„Du gehörst auf den Fußballplatz, nicht auf den Bürostuhl.“ Mit diesen Worten holte Viktoria Kölns Trainer Tomasz Kaczmarek Stürmer Marcus Steegmann nach dessen Karriereende zurück ins Team. Im Spitzenspiel und Prestigeduell gegen Alemannia Aachen zahlte der 34-Jährige das Vertrauen zurück, erzielte bei seinem Startelf-Debüt einen Doppelpack und schrieb beim 6:0-Kantersieg der Kölner sein eigenes kleines Fußballmärchen.

Nach 13 Jahren Profifußball machte Marcus Steegmann im vergangenen Sommer einen Strich unter seine aktive Karriere. Eine herausragende Rückrunde als gelungener Abschluss und die Aussicht auf einen Posten im Unternehmen von Viktoria-Mäzen Franz-Josef Wernze waren Anreiz genug, im Alter von 34 Jahren die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Wer hätte zu diesem Zeitpunkt für möglich gehalten, was sich am vergangenen Samstag im Sportpark Höhenberg ereignete?

Die Vorgeschichte: Ein akutes Offensiv-Problem veranlasste Viktoria-Trainer Tomasz Kaczmarek dazu, Steegmann Mitte September nach der Möglichkeit eines Comebacks zu fragen. Nicht nur durch die Arbeit bei der Steuerberatung ETL war der gebürtige Kölner weiter nah an der Mannschaft. Kein Heimspiel verging, ohne dass man den „Ex“-Stürmer auf den Rängen oder an der Seitenlinie sah. Steegmann zögerte nicht lange und holte die Treter wieder aus dem Keller, um bei Engpässen im Sturm auszuhelfen. Fünf Kurzeinsätze mit insgesamt 50 Minuten Spielzeit aber ohne Torerfolg kamen bis zum vergangenen Wochenende dabei herum.

Die Torflaute der beiden Leistungsträger Sven Kreyer (ein Saisontor) und Freddy Mombongo-Dues (sechs Saisontore) veranlassten Kaczmarek schließlich dazu, ausgerechnet im richtungsweisenden Spitzenspiel gegen Alemannia Aachen beide auf die Bank zu setzen und stattdessen Oldie Steegmann als einzige Spitze in die Startelf zu beordern. „Er hatte in jedem Testspiel getroffen und ich hatte das Gefühl, dass nun der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist“, erklärte „Tomek“ seine Bauchentscheidung.

Der Rest ist jetzt schon Geschichte: Es dauerte nicht einmal drei Minuten, bis ausgerechnet Marcus Steegmann die Viktoria in Führung schoss, in der 75. Minute sorgte er mit seinem zweiten Treffer für den vorzeitigen Todesstoß und hatte somit einen Löwenanteil am grandiosen 6:0-Erfolg der Höhenberger gegen den Ex-Bundesligisten. „Ich habe erst wenige Stunden vor dem Spiel erfahren, dass ich von Beginn an ran darf. Die Woche lief gut, ich habe auch im Testspiel in Troisdorf wieder getroffen“, gab der Matchwinner nach der Partie zu Protokoll.

Wie er sich nun zwischen Bürostuhl und Rasen entscheiden wird? „Soweit die Zeit es zulässt, bin ich weiter auch für ETL tätig. Im Winter setzen wir uns zusammen und schauen, wie es weitergeht. Nach so einem Spiel ist die Frage leicht zu beantworten, wo ich lieber weitermachen würde“, lachte der Oldie.

Text: Daniel Sobolewski/rheinfussball.de

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