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Köln.Sport

Ohne Proben ganz nach oben?

Ein echter Ninja Warrior braucht viele Talente: Klettern, hangeln, springen, balancieren – das alles und noch viel mehr. Im Stuntwerk Köln haben wir den Selbstversuch gemacht. Wie viel „Ninja“ steckt in unserem Redak… äh, Warrior?
Ninja Warrior

Foto: Anna Koppenhöfer

Frank Buschmann ist außer sich: „Unfassbar! Wie hat er das denn gemacht? Der Typ ist ein Komplett-Biest! Das ist ja unmenschlich!“ Es ist einer dieser typischen „Buschi“-Momente bei „Ninja Warrior Germany“, der selbst ernannten „stärksten Show Deutschlands“, bei der sich Kandidaten einem Hindernis-Parcours stellen, der es in sich hat.

Unfassbar? Komplett-Biest? Unmenschlich? Von einer Moderatoren-Legende wie Frank Buschmann würde ich so auch gerne mal meine eigene Performance kommentiert hören. Zwar entbehrt diese Hoffnung jedweder Grundlage, doch wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Und so mache ich auf den Weg zum Stuntwerk Köln in Mülheim. Hier finden seit der ersten Staffel die Castings für die RTL-Sendung „Ninja Warrior Germany“ statt. Etliche mutige Sportskanonen trainieren hier mitunter täglich, um sich mit dem Angebot aus Bouldern, Parkour und Functional Fitness die perfekte Basis für die Show zu schaffen.

Kids machen mir Mut

Marcel wartet schon auf mich. Der erfahrene Trainer wird mich heute durch die verschiedenen Übungen begleiten und mir mit Rat und Tipps zur Seite stehen. Darüber, dass das vor allem bei den schwierigen Hindernissen des Ninja-Warrior-Parcours schwer nötig sein wird, mache ich mir keine Illusionen. Zunächst aber erst einmal umziehen. In der Umkleidekabine herrscht hektisches Treiben. Eine Schulklasse zieht sich offenbar nach einer Kletterstunde wieder um. Am Rande der Erschöpfung ist hier allerdings niemand. Ob das Klettern den gar nicht anstrengend gewesen sei, frage ich. „Nö, ganz easy“, antwortet einer der Jungs. Na, dann kann’s ja losgehen!

Wir starten an einer der vielen Boulder-Wände. Denn ein gewisses Gefühl für das Klettern und freie Bewegen an der Wand gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen, um sich später größeren Aufgaben zu stellen. „Viele Ninja Warriors kommen ursprünglich vom Bouldern“, erklärt Marcel. Er selbst hat vor gut drei Jahren mit der Disziplin des Sportkletterns angefangen und ist seitdem Feuer und Flamme. Ich hingegen bin aktuell maximal ein kleiner Funken. Doch das soll sich bald ändern.

Mit meinen ersten Versuchen scheint Marcel ziemlich zufrieden. Dafür, dass ich beim Klettern ohne Kletterseil tatsächlich noch keinerlei Erfahrungswerte habe, lerne ich schnell. Das liegt auch an den hilfreichen Anweisungen des Trainers. Er zeigt mir, welche Armhaltung am effektivsten ist, wann Gewichtsverlagerungen Sinn machen und wie ich mit entsprechender Hüfthaltung Kraft sparen kann. Netter Nebeneffekt bei Berücksichtigung aller genannten Punkte: Das Klettern fällt nicht nur deutlich leichter, es sieht auch wesentlich eleganter aus. Style-Punkte gibt es beim Bouldern aber nicht. „Wer oben ankommt, hat recht“, weist mich Marcel darauf hin, dass es letztlich jedem selbst überlassen ist, in welcher Manier er von Griff zu Griff voranschreitet und die Wand meistert.

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Das „Labyrinth of Power“ trägt seinen Namen zu Recht und gehört zu den schwierigsten Challenges. (Foto: Anna Koppenhöfer)

Tipps vom Deutschen Meister

Nachdem ich zwei, drei – zugegebenermaßen recht leichte – Routen ohne größere Schwierigkeiten bewältigt habe, gibt es das erste Lob vom Profi. „Das sah schon ganz gut aus“, meint Marcel und gibt mir zur Belohnung einen „Fist Bump“ (neudeutsch für „Ghettofaust“).

Mit den „Aufwärmübungen“ ist es dann allerdings vorbei. Marcel führt mich in den Teil der Halle, in dem die Ninja Warriors sich schinden. „Da drüben trainiert übrigens Jan Hojer, der mehrfache Deutsche Bouldermeister“, zeigt er auf die wohl schwerste Übungswand im Stuntwerk. Kurz studieren wir, in welch atemberaubenden Tempo sich der Kölner problemlos in die Höhe schwingt. Der sympathische Titelträger nimmt sich kurz Zeit für ein Foto und erzählt von seinen Erfahrungen als Ninja Warrior, denn er selbst war auch schon Kandidat bei der RTL-Show.

„Wenn man dort als Kletterer mitmacht, ist man physisch in der Lage, alle Hindernisse zu bewältigen. Die meisten Fehler passieren, wenn man anfängt, an sich zu zweifeln, und etwas zaghaft in ein Hindernis reingeht. Ich glaube: Egal wie die körperlichen Voraussetzungen sind, eine gewisse Entschlossenheit und Überzeugung, dass man es schaffen kann, ist vermutlich das Wichtigste. Solange man Vollgas gibt, hat man recht gute Chancen, da irgendwie durchzukommen“, berichtet Hojer.

„Gute Chancen, da durchzukommen“ – das war inspirierend. Ich bin gespannt, wie ich mich nun als Ninja Warrior schlage. Den gesamten Parcours kann ich zwar leider (oder zum Glück) nicht absolvieren, da dieser zurzeit nicht aufgebaut ist, aber Herausforderungen gibt es auch so genug. Ob „Himmelsleiter“, „Labyrinth of Power“ oder die furchteinflößende „Warped Wall“ – Übungsmöglichkeiten gibt es im Stuntwerk genug.

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Steil und hoch ist die „Warped Wall“. Wer nicht oben ankommt, hat ein Problem. (Foto: Anna Koppenhöfer)

Hoch an die Ringe

Bevor mich Marcel zum Einstieg an die Ringe schickt, schwingt er zur Vorführung locker und geschmeidig selbst einmal von Ring zu Ring. „Ganz easy“ sieht das aus, die Kids in der Umkleide hatten wohl recht. Dass diese Einschätzung dann aber doch von der Sichtweise des Betrachters abhängt, merke ich, als ich selbst den „Tarzan“ gebe. Knapp zehn Versuche benötige ich, um diese vermeintlich unspektakuläre Herausforderung zu bewältigen.

Weiter geht es mit dem „Labyrinth of Power“. Bei dieser Challenge muss man zwei Stifte durch ein an der Wand angebrachtes Labyrinth führen, während man gleichzeitig mit dem ganzen Körper vertikal an ihnen hängt. Bewegen lassen sich die Stifte allerdings nur, wenn kein Gewicht auf ihnen lastet. Die Lösung des Problems: Hält man das Körpergewicht allein mit dem linken Arm, kann man den rechten Stift durch das Labyrinth führen und umgekehrt. So kompliziert sich diese Übung beschreiben lässt, so unmöglich stellt sich die Umsetzung für mich dar. Nach zwei recht kläglichen Versuchen bin ich bereits völlig entkräftet. Vor allem die Unterarme fühlen sich nach nun einer guten halben Stunde Bouldern, Hangeln und dem Labyrinth an wie Granit.

Die nächste Aufgabe hat den klangvollen Namen „Himmelsleiter“. Brutal schwer ist sie leider dennoch. An einer Eisenstange hängend müssen die Ninjas versuchen, eine „Leiter“ hochzuklettern. Hierzu braucht es Kraft und Technik – zwei Dinge also, die mir nach 45 Minuten Schwerstarbeit fundamental abgehen. Am Ende gelingt es mir aber immerhin, eine (von fünf) „Stufen“ zu klettern. Traurig, aber wahr: Ich bin richtig stolz!

Nach dem anschließenden Hangeln an vier raufaserigen Platten, die an Eisenketten befestigt sind und dadurch stark schwingen, brauche ich erst einmal eine kurze Pause. Eine offene Blase klafft unter dem Mittelfinger. „Das ist eine klassische Verletzung bei Ninja Warriors“, sagt Marcel.

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An der „Himmelsleiter“ stößt Köln.Sport-Reporter Peter Stroß an seine Grenzen (Foto: Anna Koppenhöfer)

Bei der nächsten Aufgabe benötige ich glücklicherweise eher meine Füße. Es steht die Königsdisziplin an, die „Warped Wall“. Sie bildet in der Regel den Abschluss eines Ninja-Warrior-Parcours und gilt als ultimative Herausforderung. Etwa vier Meter hoch und ziemlich steil ist diese Rampe, die ich jetzt hochlaufen soll. „Zieh am besten deine Schuhe aus, dann hast du mehr Grip“, rät mir der Trainer. Sich hier hochzutrauen ist allerdings nicht nur eine körperliche, sondern auch eine mentale Herausforderung.

Die ultimative Herausforderung

Beim ersten Versuch stoße ich mit dem Knie gegen die steile Wand und verfehle die Kante um eine halbe Armlänge. Der zweite Anlauf geht dann ziemlich in die Hose. Wer nämlich eine Wand hochläuft und nicht oben ankommt, kommt nämlich auch irgendwie wieder unten an. In meinem Fall geschieht das recht unsanft auf allen vieren. „Alles okay?“, fragt der Coach. Ich antworte einfach mal mit „Ja“, auch wenn ich mir noch nicht so ganz sicher bin. Einmal kurz durchgeschüttelt, packt mich dann aber doch wieder der Ehrgeiz, zumal ich diesmal nur um Zentimeter gescheitert bin.

Und tatsächlich: Nach dem dritten Versuch komme ich in den Genuss des erhabenen Gefühls, die Wand von oben begutachten zu können. Dafür gibt es nicht nur einen kleinen Applaus von Marcel, sondern auch die frohe Botschaft, dass ich den Weg zurück nach unten über die neben der „Warped Wall“ stehende Leiter antreten darf. Mein Motto „Ohne Proben ganz nach oben“ hat sich also zumindest teilweise bestätigt.

Mit diesem Erfolgserlebnis beende ich für heute meinen Ausflug in die Mülheimer Schanzenstraße. Ein richtiger Ninja Warrior wird in diesem Leben wohl nicht mehr aus mir, fest steht allerdings: Ich komme wieder. Das Training im Stuntwerk hat trotz leichterer Blessuren richtig Spaß gemacht! Und auch wenn sich der Muskelkater am nächsten Tag über jeden einzelnen Muskel am gesamten Oberkörper erstreckt, kann ich es kaum erwarten, noch einmal in der Schanzenstraße zum Klettern und Hangeln vorbeizuschauen!

Stuntwerk Köln

Auf dem Carlswerk-Gelände in Mülheim ist das Stuntwerk Köln zu Hause. Ob Bouldern. Parkour. Ninja Warrior oder Fitness – auf 2000 Quadratmetern bleiben keine Wünsche offen. Auch Bouldergröße Jan Hojer vertraut auf die optimalen Trainingsbedingungen. Trainer wie Marcel machen Anfängern den Einstieg leicht. Weitere Infos zu Preisen und Öffnungszeiten gibt es unter www.stuntwerk.de.

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