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Mit Plan nach oben

Im Kölner Norden hat sich vor gut einem Jahr ein alevitischer Fußballverein gegründet. Nach einer Saison mit Höhen und Tiefen will der SV AKM Köln e.V. nun durchstarten.
Aleviten

Efendi Cözmez (vorne) und sein Team wollen den SV AKM Köln langfristig zu einem großen Verein machen (Foto: Köln.Sport)

Seit 1991 gibt es eine alevitische Gemeinde in Köln. Ihre Heimat ist das Kulturzentrum in Köln-Seeberg. Dort treffen sich die Mitglieder regelmäßig, frühstücken gemeinsam und tauschen sich aus. Im März 2017 wurde vor allem ein Thema heiß diskutiert: „Sollen wir als alevitische Gemeinde nicht auch im Bereich Sport tätig werden und einen Fußballverein gründen?“

Die Idee stieß in der Gemeinde auf große Zustimmung, von da an ging alles schnell. Noch im selben Monat wurde der Verein gegründet und am 01. Juni 2017 durch das Amtsgericht Köln anerkannt. „Der Zulauf war immens – auf einmal hatten wir 34 Leute im Kader“, schildert Präsident Efendi Cözmez, wie die Fußballbegeisterung in der alevitischen Gemeinde um sich griff. Im August war es dann soweit: Der SV AKM Köln bestritt sein erstes Pflichtspiel in der untersten aller Kölner Ligen, der Kreisliga D. Zwar ging die Partie gegen den SV Agrippina-Germania Köln 1916 III knapp mit 2:3 verloren, doch der Startschuss für eine erfolgreiche Zukunft war gefallen.

Respekt, Toleranz, Fairplay

Mittlerweile ist die Premierensaison Geschichte, sportlich lief es für den SV AKM nicht besonders, mehr als ein Platz im unteren Mittelfeld war für das junge Team nicht drin. Trotzdem zieht Cözmez ein positives Fazit. Ihm geht es ohnehin nicht um kurzfristigen Erfolg. „Wir wollen hier etwas auf den Weg bringen“, sagt der Präsident. Konkret meint er damit zum Beispiel das Vorhaben, schon in der nächsten Saison eine Jugendabteilung aufzubauen und sogar eine Damenmannschaft anzumelden. „Sieben Spielerinnen haben sich schon gemeldet, ein paar bräuchten wir noch. Eine alevitische Damenmannschaft, das wäre hier im Raum Köln ein Novum und schon etwas besonderes“, sagt Cözmez.

Dem ehemaligen Regionalliga-Schiedsrichter sind professionelle Strukturen und ein diszipliniertes Auftreten wichtig. Deswegen hat er die zwölf Grundsätze des alevitischen Vereins verschriftlicht – Werte wie Toleranz, Respekt und Fairplay sind darin fest verankert. „In diesem Sportverein wird keine Politik gemacht und keine Religion praktiziert“, sagt Cözmez. Und doch geht es in seinem Fußballverein um mehr als nur den Sport. So haben er und seine Vorstandskollegen in den vergangenen Monaten schon Seminarreihen durchgeführt zum Thema Respekt, Rassismus oder auch Verhalten gegenüber dem Schiedsrichter.

Darauf sind Cözmec und Trainer Turgay Kavas stolz. Letzterer übernahm im Sommer das Amt des Cheftrainers und arbeitet mit Hochdruck an der Kaderplanung für die neue Saison, in der sein Team wahrscheinlich von der Asche auf den Kunstrasenplatz der Bezirkssportanlage Chorweiler wechseln darf. „Die Bezirksregierung Chorweiler hat signalisiert, dass wir unsere Heimspiele zur neuen Saison auf dem Kunstrasenplatz austragen können“, freut sich Cözmez.

Es geht also in vielerlei Hinsicht voran beim ersten alevitischen Fußballverein in Köln. Nun soll auch die sportliche Entwicklung des jungen Vereins Schritt halten: „Der Aufstieg ist machbar, darauf arbeiten wir hin. Ich denke, dass wir das nächstes Jahr auch schaffen werden“, gibt sich Cözmez optimistisch. Wenn nicht, geht beim SV AKM Köln die Welt aber auch nicht unter. Dafür ist die Freude, überhaupt einen alevitischen Fußballverein auf die Beine gestellt zu haben, viel zu groß.

Aleviten

Aleviten sind Mitglieder einer vorwiegend in der Türkei beheimateten Glaubensrichtung. In Deutschland leben etwa 800.000 Aleviten. Der alevitische Glaube ist von Humanismus und Universalismus geprägt. Die Mehrheit der für Sunniten geltenden Verbote und Gebote aus dem Koran werden von Aleviten nicht anerkannt bzw. befolgt. Die grundlegenden Unterschiede zwischen Aleviten und Sunniten sind seit der osmanischen Zeit der (Haupt-)Grund der Unterdrückung und Verfolgung der Aleviten.

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