Köln.Sport

Lebende Legende wird 90

Quelle: Imago

Mit 1033 Siegen als Jockey (von 1936 bis 1963) sowie 1.661 Erfolge als Trainer gilt Hein Bollow als lebende Legende des Turf-Sports.

Er ist einer der Großen des Turfs: Am 5. Dezember ist Hein Bollow 90 Jahre alt geworden.

Eine Identifikationsfigur, wie sie Max Schmeling zeit seines Lebens für den Faustkampf war, ist Hein Bollow für den Galopprennsport. Er hat den deutschen und seit 1948 auch den Kölner Turf geprägt wie kaum ein anderer. Am 5. Dezember hat er nun das 90. Lebensjahr vollendet. Die Zahl der Gratulanten, die ihm am zweiten Adventssonntag in den Räumen des Kölner Renn-Vereins ihre Aufwartung machten, ist gegenüber früheren Jahren deutlich geschrumpft. Viele seiner Weggefährten sind längst heimgegangen.

Tägliches Ritual

Am meisten vermisst er seine 1999 verstorbene, innig geliebte Frau Margot, um die er nach wie vor still trauert. Trotz aller Mühsal des Alters macht Bollow aber noch längst nicht den Eindruck eines uralten Mannes, wie man es bei einem 90-Jährigen erwarten könnte.

Es machen ihm zwar insbesondere die Ohren große Sorgen – er hört so gut wie gar nichts mehr –, dafür hat er es jedoch im Lippenlesen zu einer wahren Meisterschaft gebracht. Eine kleine Konversation mit ihm ist nach wie vor möglich – und wird natürlich nie langweilig. Selbstverständlich dreht sich fast immer alles um den Turf. Pferdenamen aus den Dreißigern sowie den folgenden Jahrzehnten sind Hein Bollow heute noch genauso geläufig wie die Namen der Schützlinge von Trainer Peter Schiergen oder jener Galopper, die Jockey Filip Minarik reitet.

Der morgendliche Besuch in Schiergens Stall gehört nämlich zu Bollows tagtäglichem Ritual. Und „der Filip“, der chauffiert ihn regelmäßig zu den auswärtigen Galoppplätzen. Renntage in Köln lässt er ohnehin nie aus. Gleichwohl ist ihm das Derby-Meeting in Hamburg, seiner Geburtsstadt, selbst nach über 60 Jahren als Kölner Bürger immer noch die liebste Rennveranstaltung geblieben.

Prägend für Hein Bollow waren außerdem Hoppegarten bei Berlin und die Lehrzeit bei Trainer Pan Horalek, wo gewissermaßen die allererste Etappe einer einzigartigen Turfkarriere stattfand, an deren Ende 1.033 Siege als Jockey und 1.661 Erfolge als Trainer standen. Jahrzehntelang blieb der nun 90-Jährige weltweit der Einzige mit einer vierstelligen Bilanz in beiden Sparten. Erst 2009 hat einer gleichgezogen. Das war ausgerechnet Peter Schiergen. Zu den allerersten Gratulanten hatte damals Hein Bollow gehört. So wie Peter Schiergen nun zu den Ersten zählte, die am 5. Dezember ihre Glückwünsche überbrachten – auch wenn der Altmeister am Morgen auf den Besuch an seinem „Stall Asterblüte“ ausnahmsweise mal verzichtet hatte.

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