Köln.Sport

„Kenne die Bedürfnisse des Sports“

Markus Greitemann ist seit 1. Juni 2018 Baudezernent der Stadt Köln. Wir haben ihn zum Interview über seine Pläne für 2019 getroffen.
Greitemann

Markus Greitemann an seinem Arbeitsplatz über den Dächern von Köln. (Foto: Peter Stross)

Seit dem 1. Juni 2019 ist Markus Greitemann Baudezernent der Stadt Köln. Schaut man sich jedoch seine Vita an, käme er zweifelsohne auch als Nachfolger für die im Frühjahr als Sportdezernentin ausscheidende Dr. Agnes Klein infrage. Als ehemaliger aktiver Skirennläufer und Trainer beim Westdeutschen Skiverband sowie als Trainer beim Westfälischen Tennisverband und des Tennisbundesligisten RW Hagen kennt der gebürtige Sauerländer die Belange des Sports – und möchte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für ihn einsetzen. Erstes Lob gab es bereits, zum Beispiel von FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle, der Greitemann attestierte, in Sachen Ausbau des Geißbockheims „wirklich Geschwindigkeit“ reinzubringen. Köln.Sport hat mit dem Baudezernenten über die infrastrukturellen Themen und Probleme des Sports in Köln gesprochen.

Herr Greitemann, Ende September gab es im Deutschen Sport & Olympia Museum eine Podiumsdiskussion zum Thema „Sportstadt Köln“, an der auch sie teilgenommen haben – warum?

Mich interessiert Sport grundsätzlich. Einerseits, weil ich selbst Sportler bin, andererseits weil ich die Anforderungen des Bereiches Sport im Rahmen der Infrastrukturverbesserungen in der Stadt Köln natürlich berücksichtigen will und muss.

Alexander Wehrle hat sie auf dieser Veranstaltung ausdrücklich gelobt und auf die gute Zusammenarbeit beim geplanten Ausbau des Geißbockheims verwiesen. Wie bewerten Sie den Kontakt zum Effzeh?

Die Zusammenarbeit mit dem 1. FC Köln ist sehr intensiv, konstruktiv und vertrauensvoll. Herrn Wehrles Lob gebe ich an meine Mitarbeiter weiter, denn sie tun wirklich alles dafür, dem FC ein rechtssicheres Verbleiben bzw. eine rechtssichere Entwicklung am Geißbockheim zu gewährleisten.

Rollen denn dort 2019 endlich die Bagger?

Das ist das Ziel des 1. FC Köln. Nach meiner jetzigen Einschätzung ist es wahrscheinlicher, dass die großen Maßnahmen am Geißbockheim erst 2020 umgesetzt werden können. Es hängt alles davon ab, wann die Planungsbeschlüsse rechtssicher sind. Dafür sind noch einige Aufgaben abzuarbeiten.

Die im Rahmen des Sportentwicklungsplans befragten Bürger und Vereine stellen den Sportanlagen in Köln ein schlechtes Zeugnis aus. Wie bewerten Sie deren Zustand?

Viele Sporthallen sind sanierungsbedürftig. Auch der Umbau in einen Kunstrasenplatz ist für viele Vereine, die noch auf einem Aschenplatz spielen, ein wichtiges Thema, das wir im Fokus haben. In Sachen Sportentwicklungsplanung stehe ich in engem Austausch mit Herrn Timmer und Frau Dr. Klein. Hier stehe ich hinter dem Sportentwicklungsplan, der aktuell erarbeitet wird. Einige Maßnahmen daraus können wir dann kurzfristig umsetzen.

Wäre ein Hallenprogramm, ähnlich dem Kunstrasenprogramm, realistisch?

Einige Sanierungsmaßnahmen laufen ja bereits. Darüber hinaus erarbeiten wir im Moment ein Schulbau- und damit auch ein Turnhallenprogramm, das in Kürze vorgestellt wird. Die Gebäudewirtschaft hat jetzt einen klaren Blick auf die Prioritäten. Die jahrelange intensive Nutzung hat zu dem schlechten Zustand geführt, in dem sich viele Hallen derzeit befinden. Das müssen wir in den nächsten Jahren aufarbeiten. Da wird man natürlich, ähnlich wie beim Kunstrasenprogramm, Prioritäten setzen müssen.

Prof. Robin Kähler, der mit seinem Team die Sportentwicklungsplanung ausgearbeitet hat, hat auch festgestellt, dass Verwaltungsprozesse in vielerlei Hinsicht optimiert werden müssen. Welche Erfahrungen haben Sie in ihren ersten Monaten als Baudezernent gemacht?

Es gibt sicher Potenzial nach oben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier in der Stadt Köln sind engagiert und gut qualifiziert. Aber: Sie haben sehr komplexe Rahmenbedingungen. Es ist unsere Aufgabe, die Prozesse und Abläufe einfacher zu gestalten und vor allem erfolgversprechender. Wenn man keine Erfolge hat, macht es auch weniger Spaß – das ist wie im Sport. Es liegt in unserer Verantwortung, für Erfolge zu sorgen. Da müssen wir die Rahmenbedingungen justieren.

Ihnen unterstand seit 2010 das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement der Universität Köln – dort gibt es jetzt Pläne, auf den bisherigen Sportanlagen neben der Mensa neue Institute zu errichten. Können Sie dazu schon ­etwas Konkretes sagen?

Es gibt einen Aufstellungsbeschluss bezüglich zum Bebauungsplan für diesen Bereich. Dieser sieht vor, dass die Sportanlagen Instituten weichen sollen. Wir sind mit der Uni schon seit vier Jahren darüber im Gespräch, dass Teile der Sportanlagen perspektivisch ab 2027 oder später an den Sportpark Süd verlagert werden. Die Uni Köln muss expandieren, damit sie weiterhin wettbewerbsfähig bleiben und dem Anspruch einer Exzellenz-Universität gerecht werden kann. Deswegen wird diese Verlagerung notwendig sein.

Wie genau könnte eine solche Verlagerung ablaufen?

Die vorhandenen Sportanlagen am Sportpark Süd müssen neu geordnet und saniert werden. Die Universität möchte darüber hinaus auch die Sporthalle nutzen. Der Plan sieht vor, die Dreifeldhalle neu zu bauen und noch zu erweitern. Die Kosten würden Stadt und Uni gemeinsam tragen. Für die Südstadt wäre ein solches Szenario großartig, denn es gäbe ein größeres Hallenangebot, und die Sportplätze könnten effizienter genutzt werden.

Apropos Halle: Was sagen Sie denjenigen, die fragen, warum Köln eine Historische Mitte braucht, aber keine Veranstaltungshalle für 3.000 Zuschauer?

Ich bin kein Freund davon, Kultur gegen Sport auszuspielen. Es bedarf einer Historischen Mitte, eine 3.000er-Halle ist allerdings genauso wichtig. Ich komme aus dem Leistungssport, habe deswegen einen sehr guten Blick darauf und kenne die Bedürfnisse. Sport ist wichtig für unsere Gesellschaft! Es laufen Gespräche bezüglich eines Neubaus, zum jetzigen Zeitpunkt ist es aber schwer zu beurteilen, ob das in naher Zukunft umgesetzt werden kann. Ich versichere aber, dass wir ein gutes und finanzierbares Konzept aus der Verwaltung heraus unterstützen würden.

Sie haben vor ein paar Wochen gesagt, dass Sie „in den nächsten Jahren sämtliche Bedarfe wie Wohnen, Schule, Infrastruktur und Gewerbe sauber aufarbeiten“ würden. Sport wird dabei nicht genannt. Warum nicht?

Schule ist meiner Ansicht nach untrennbar mit Sport verbunden. Wohnen ist auch unmittelbar mit Sport verbunden. Das Projekt „Parkstadt Süd“ ist das beste Beispiel: Wir wollen dort 3.500 Wohnungen schaffen. Natürlich müssen wir dort auch ein adäquates Sportangebot schaffen.

Dieses Interview führte Peter Stroß.

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