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Funino: Der Fußball der Kinder

In Köln erobert eine Fußball-Spielform für Kinder langsam, aber sicher den Jugendfußball. Dabei ist „Funino“ schon über 30 Jahre alt. Viktoria und Fortuna Köln ziehen bereits mit, viele Vereine folgen.
Funino

Mehr Aktionen, mehr Tore, mehr Spaß – Funino bietet Vorteile auf allen Ebenen. (Foto: Funino)

Der 8. Dezember ist ein regnerischer Samstag, doch das macht den 160 Sechs- bis Neunjährigen, die sich auf der Ostkampfbahn im Sportpark Müngersdorf eingefunden haben, nichts aus. Sie freuen sich auf das große Abschlussturnier der Kölner Funino-Staffel. Laufen, kicken, Tore schießen, jubeln – eben das, worauf es ankommt beim Fußballspielen.

Außer ihnen treten an diesem Tag noch Tausende andere Kinder in der Domstadt gegen das runde Leder. Sie betreiben den gleichen Sport, folgen allerdings völlig anderen Regeln. Die überwältigende Mehrheit des Nachwuchses spielt nach den Regularien, die der DFB für die jeweilige Jugendklasse vorsieht. Genau diese Regularien könnten sich allerdings – so die Hoffnung der Funino-Befürworter – in Zukunft ändern. Denn die neue Fußball-Spielform erobert nicht nur in Köln den Jugendfußball.

Macht es Sinn, dass Achtjährige jede Woche im 7-gegen-7 gegeneinander antreten? Es sind genau solche Fragen, die Niko Ramljak, Mitbegründer der Kölner Funino-Staffel, zur Debatte stellt. Funino (Fun, englisch für Spaß; Nino, spanisch für Kind) heißt die Spielform für Sechs- bis Neunjährige, die seit vergangenen Sommer auch in Köln gespielt wird und diese Frage mit „Nein“ beantwortet. Das Spielsystem ist simpel und bietet viele Vorteile zum aktuell gängigen 7-gegen-7, das bis zur D-Jugend landesweit gespielt wird. Beim Funino ist das Feld kaum größer als ein Basketballfeld. Es gibt nicht zwei (für die Torhüter viel zu) große Tore, sondern vier kleine. Jede Mannschaft greift auf zwei von ihnen an, die etwa vierzehn Meter nebeneinander entfernt an jeder Längsseite stehen. Torhüter gibt es ebenso wenig wie Schiedsrichter. Und ein Team besteht nicht aus elf, nicht aus sieben, sondern aus nur drei Spielern.

vor über 30 Jahren erfunden

„Die Kinder haben dadurch viel mehr Ballaktionen, sind in Angriff und Defensive gefordert, schießen mehr Tore und haben somit auch viel mehr Erfolgserlebnisse“, nennt Niko Ramljak die wesentlichen Vorteile der Spielform. Er hat mit einigen Kollegen im Sommer 2018 eine Funino-Staffel in Köln aus der Taufe gehoben und bei vielen Vereinen angefragt, ob sie dabei sein wollen. Die Resonanz war überschaubar. Immerhin acht Vereine gaben positives Feedback, auch der Fußballkreis Köln unterstützte das Projekt von Beginn an. Eine der ersten Zusagen kam von der U9 von Fortuna Köln.

Raimunt Zieler, Leiter des Nachwuchszentrums der Südstädter, weiß um die Vorteile von Funino und war sofort begeistert, als die Idee zu einer Kölner Staffel aufkam. „Beim 3-gegen-3 wird der Nachwuchs in allen Aspekten des Spiels geschult. Es gibt keine Positionen, dadurch werden die Kinder nicht in bestimmte Rollen gezwängt“, so Zieler. Er ist Trainerausbilder und hält es für elementar, seine Auszubildenden auf die Vorteile von Funino hinzuweisen und ihnen die von Horst Wein vor über 30 Jahren erfundene Spielform ans Herz zu legen.

Bei Barca seit Jahren Standard

So ganz verstehen, warum Funino in Deutschland erst in der jüngeren Vergangenheit beachtet wird, können Zieler und Ramljak nicht. Denn in anderen Ländern kicken die Fußball-Bambinis längst auf kleineren Spielfedern mit weniger Spielern. Der FC Barcelona, nicht gerade für schlechte Jugendarbeit bekannt, lässt seit über einem Vierteljahrhundert Funino spielen. Mittlerweile praktizieren auch deutsche Profiklubs in ihren Nachwuchsleistungszentren Weins Fußballphilosophie. Die ersten waren der FC St. Pauli und die TSG Hoffenheim, aber auch beim 1. FC Köln treten die Kids im Training im 3-gegen-3 an. „Das Konzept ist sicherlich sinnvoll. Die Jungs haben viele Ballkontakte und können dadurch viel schneller lernen“, sagt Lukas Hothan, Co-Trainer der U8.

Auch die Tatsache, dass das Ergebnis eine nur untergeordnete Rolle spielt, ist den Befürwortern wichtig. Damit nicht ein Team haushoch gewinnt, darf eine Mannschaft, sofern sie zwei Tore zurückliegt, einen zusätzlichen Spieler aufs Feld schicken. Darüber hinaus sieht das Regelwerk vor, dass jede Mannschaft nach einem eigenen oder gegnerischen Treffer ein Mal durchwechseln muss. Gefrustet geht deswegen kaum mal ein Kicker oder -Kickerin vom Platz, im Gegenteil. „Jedes Kind bekommt in jedem Spiel viel Spielzeit, hat garantiert viele Ballaktionen und dadurch auch Erfolgserlebnisse – deswegen sind die Kids mit viel mehr Spaß bei der Sache“, so Ramljak.

„In Deutschland spielen Kinder zu früh ein Spiel, für das sie körperlich nicht bereit sind“, analysierte der 2016 verstorbene Horst Wein im Weltmeister-Jahr 2014 den Status quo, „und deswegen passe ich die Regeln dem Kind an.“ Das Konzept klingt ebenso einfach wie sinnvoll. Und dennoch: Geändert hat sich in den letzten fünf Jahren wenig. Weins Spielidee hat sich in Deutschland noch lange nicht durchgesetzt. Jugendleiter blocken, Trainer wollen auch im Kinderfußball in erster Linie Spiele gewinnen und Titel holen – nicht selten, um sich selber zu profilieren.

In der Domstadt allerdings beginnt ein Umdenken. Statt den ursprünglich acht nehmen 2019 schon zwölf Mannschaften an der Funino-Staffel teil. Der Fußball-Verband Mittelrhein stellt dafür extra einen Mitarbeiter ab. Und auch der DFB, so hört man, beschäftigt sich intensiv mit der Spielform für Sechs- bis Neunjährige, die die elementaren Fähigkeiten im Fußball vermittelt. Die Kinder jedenfalls hätten wohl nichts dagegen, öfter auf dem Kleinfeld statt im 7-gegen-7 gegeneinander anzutreten. Am Ende des großen Abschlussturniers der Kölner Funino-Staffel fragt Ramljak in die Runde, wer denn heute alles ein Tor geschossen habe. 160 glückliche Kinder recken stolz ihren Finger in die Höhe …

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