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„Die Euphorie der Fans hat meine Erwartungen übertroffen“

Im Interview mit dem FC-Clubmagazin Geißbockecho spricht Achim Beierlorzer über sein 1. Heimspiel, seine Liebe zum Fußball und seinem Weg vom Lehrer zum Bundesliga Trainer.
Achim Beierlorzer

Achim Beierlorzer fühlt sich bereits jetzt gut aufgenommen in Köln (Foto: imago images: Jan Huebner)

Nach 17 Jahren als Trainer hat Achim Beierlorzer es endlich geschafft: Er trainiert ein Bundesligateam. Dass es jedoch nicht irgendein Team ist, hat er schnell gemerkt. „Die positive Resonanz und die Euphorie der Fans am Geißbockheim und auch in den Trainingslagern haben meine Erwartungen übertroffen. Da merkt man einfach, welche Wucht der FC auch überregional hat“, berichtet der neue Cheftrainer dem Clubmagazin „Geißbockecho“ über seine ersten Wochen im Verein.

Für die Kölner nimmt er sogar eine räumliche Trennung von seiner Frau im Kauf, die mit dem 16-jährigen Sohn noch in der alten Heimat geblieben ist. „In meinem Job ist eine gewisse räumliche Trennung zeitweise unumgänglich. Trotzdem ist die Familie für mich immer ein wichtiger Rückzugsort“, so der Coach. Beinträchtigen wird ihn das nicht. Seine volle Konzentration gilt seinem neuen Arbeitgeber.

Es wird ernst

Das Vertrauen in seine Person zahlte er direkt zurück: Sein erstes Pflichtspiel endete mit einem Sieg und damit mit dem Einzug in die zweite DFB-Pokal Runde. Dass das Spiel erst im Elfmeterschießen gewonnen werden konnte, geschenkt. Denn „als Bundesligist gegen ein Zweitligisten anzutreten, der schon zwei Spieltage absolviert hat, ist eine große Hürde.“ Und das der Pokal kein Selbstläufer ist, musste auch im diesen Jahr wieder der ein oder andere Verein am eigenen Leib erfahren.

Weniger erfolgreich verlief seine Bundesliga-Premiere, die mit einer knappen 1:2-Niederlage gegen den VFL Wolfsburg endete. Entmutigen lässt er sich davon jedoch nicht: „Der Start in die Bundesliga verlief besser, als es das Ergebnis widerspiegelt. Wir können insgesamt besser spielen, aber wir waren nicht so weit weg“, sagt er dem Geißbockecho.

Das sein Team es besser kann, will er bereits beim am nächsten Spieltag beweisen. Mit Borussia Dortmund kommt der amtierende Vizemeister in die Rheinmetropole. Keine leichte Aufgabe, zumal es gleichzeitig auch seine Heimpremiere ist. Doch statt Angst vor einem Fehlstart, verspürt er nur Vorfreude, denn „genau das macht die Bundesliga aus: sich mit den Besten messen.“

Nichts schöneres als Fußball

Eine faire Chance am Fußball vorbei zu kommen, hatte der geborenen Erlangener nie, denn in seiner Familie spielte der Fußball eine prägende Rolle. „Natürlich waren die damaligen Gegebenheiten mit lediglich drei Fernsehprogrammen und wenig bis keiner Unterhaltungselektronik andere, aber wir haben in jeder freien Minute Fußball gespielt.“ Auch wenn er selbst ein mehr als nur ein passabler Spieler war, für eine Profikarriere, wie bei seinem Bruder Bertram, der u.a. für Nürnberg und Bayern spielte, reichte es nie. Zwar hätte er es sich durchaus gewünscht, aber „irgendwann habe ich aber auch selbst gemerkt, dass es hier und da nicht reicht.“

Nachdem ein Knorpelschaden ihn dazu zwang, seine aktive Laufbahn erst einmal ruhen zu lassen, bot sein damaliger Verein SC Schwabach ihm eine Trainertätigkeit an. Das es später mal zum Bundesliga-Trainer reichen würde, war damals allerdings nicht abzusehen, denn seine Anfänge waren ziemlich stressig: „Parallel hatte ich mein Referendariat als Lehrer beendet und meine erste Stelle übernommen. Für ein Jahr habe ich den SC trainiert, aber wir haben zeitgleich unser Haus gebaut und unser drittes Kind, Luca, kam zur Welt. Da fehlte mir dann schlichtweg die Zeit, um den Job auf dem Niveau fortzuführen“, sagt Beierlorzer im Interview mit Frederic Latz.

Doch komplett mit dem Fußball abzuschließen, war für ihn zu keiner Zeit eine Option. Stattdessen trainierte er ein unterklassiges Team, aber schon damals war der heutige FC-Coach ehrgeizig: Auf den B-Schein folgte die A-Lizenz und schließlich die Fußballlehrer-Ausbildung. Kein leichtes Unterfangen, da er ja eigentlich noch Lehrer war. Doch der damalige Direktor seiner Schule macht es ihm möglich und seine Karriere konnte Fahrt aufnehmen.

Sich selbst treu bleiben

Das Beierlorzer kein Trainer wie jeder andere ist, zeigte sich bereits bei seinen Anfängen. Lachend berichtet er im Geißbockecho von einer Anekdote beim SV Kleinsendelbach: „Mir sind die verbindende Komponente des Fußballs, die Gemeinschaft und der Zusammenhalt immer wichtig gewesen. Mit einigen Spielern habe ich beispielsweise die Einfahrt unseres neuen Haus gepflastert. Der Torwart und ich haben gepflastert und die Spieler die Steine angeschleppt.“

Insgesamt nimmt er sich nicht zu wichtig. Für ihn zählen andere Dinge: „Authentizität ist für mich das Wichtigste, man kann niemanden imitieren. Wenn ich nicht so sein kann, wie ich bin, kann ich auch nicht die Dinge vermitteln, die mir wichtig sind.“ Auch wenn er Trainer wie Heynckes, Hitzfeld und Klopp durchaus bewundert, möchte er seinen eigenen Weg gehen: „Ich bin sehr froh, dass ich überall – auch hier beim FC – so sein kann, wie ich bin.“

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