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Köln.Sport

Zurück zu den Wurzeln

Nach zwei Jahren beim SC Freiburg kehrt Philipp Walter als Geschäftsführer zurück zu den Kölner Haien. In seiner neuen Rolle will er beim KEC zunächst den Riss zwischen Verein und Fans kitten.
Philipp Walter

Die Optik ist bekannt: Schon in seinen früheren Positionen beim KEC sah mal Philipp Walter oft im Anzug, das wird auch als Geschäftsführer so bleiben (Foto: Andreas Kerschgens)

Philipp Walter brennt für seine neue Aufgabe bei den Kölner Haien. Das liegt aber nicht an der Sonne, die im Hochsommer, Anfang August, pausenlos die Domstadt aufheizt und auch rund um die Gummersbacher Straße „Köllefornia“-Feeling aufkommen lässt. Seit dem 1. Juli ist Philipp Walter zurück beim KEC – und Feuer und Flamme für seinen neuen Job und den damit verbundenen Herausforderungen. In jedem Satz, den Walter beim Gespräch mit Köln.Sport sagt, klingt seine Motivation durch. Vom SC Freiburg, wo er von 2016 an als Leiter der Medien- und Kommunikationsabteilung des Fußball-Bundesligisten fungierte, wechselte der gebürtige Breisgauer zurück zum KEC, für den er bereits von 2003 bis 2016 in verschiedenen Funktionen tätig war.

„Ich bin sehr dankbar dafür, dass mir die Haie das Vertrauen für diese Aufgabe schenken. Der KEC ist ein besonderer Eishockey-Standort. Ihn zu seinem Besten zu führen – mit Club, Fans und Partnern als Einheit – ist eine große Ehre für mich“, betont der 44-Jährige. Es sei ein sehr schönes Gefühl, wieder bei den Kölner Haien zu sein, den Geruch der Eishalle wieder in der Nase zu haben und so manch bekanntes Gesicht zu sehen. Viele Weggefährten, sei es in der Geschäftsstelle, in der Kabine oder drumherum bei Partnern und Sponsoren seien noch beim KEC.

Was sich alles geändert habe während seines Weggangs, könne er nicht in Prozent fassen. Sein Standing im Verein und nach außen ist derweil definitiv unverändert: Walter genießt große Sympathien bei Fans und Sponsoren, auch in der Geschäftsstelle ist er extrem beliebt. „Ich habe viel positives Feedback bekommen. Das hat mich sehr gefreut und mir den Wiedereinstieg deutlich erleichtert“, erklärt er. Es herrscht an allen Stellen im Verein eine große Vorfreude auf die kommenden Aufgaben. „Das gibt uns allen Energie“, sagt der neue Geschäftsführer.

Eine ungewöhnliche Karriere

Energie, die Walter gebrauchen kann. Denn für ihn ist der Geschäftsführerposten Neuland, war er doch zuvor beim KEC als Pressesprecher und dann als Marketing-Chef tätig. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Karriere – selbst in einem Sportverein. Und ein Sprung, der ihm Respekt, aber keine Angst einflößt: „Die Rolle ist eine andere, dessen bin ich mir bewusst“, sagt Walter. Sich verändern, will sich der 44-Jährige in der ungewohnten Chefrolle aber nicht. Authentisch bleiben, das ist das Stichwort. Zwar stehe nun auf dem Schild an der Tür etwas anderes, doch die Themen sind ihm aus seinen vorherigen Aufgaben beim achtmaligen Deutschen Eishockey-Meister wohl bekannt: Sponsoring, Ticketing, Merchandise, die sportliche Komponente – all das ist für das neue alte Gesicht beim KEC nichts Neues. Inhaltlich sei es für ihn daher kein großer Schritt, doch die Gesamtverantwortung zu übernehmen, sei nochmals ein anderes Ding. „Ich bin jetzt erst einige Wochen hier, es ist eine intensive Anfangszeit. Als Geschäftsführer stehe ich nun in allen Bereichen in der Gesamtverantwortung. Das ist definitiv eine andere Kragenweite, das fühlt sich auch so an. Aber diese große Herausforderung macht mir Freude“, so Walter, der auf Oliver Müller als Hauptverantwortlicher beim KEC folgte.

Müller war erst vor der Saison 2017/18 engagiert worden, bekam von Haie-Mäzen Frank Gotthardt mächtig Vorschusslorbeeren mit auf den Weg. Gut ein Jahr später war für den Nachfolger des umstrittenen Peter Schönberger auch wieder Schluss, nachdem sich beide Seiten auf eine sofortige Trennung einigten. Sportlich lief es alles andere als rund, in der Geschäftsstelle rumorte es, genauso wie bei den Sponsoren. Die Haie zogen die Reißleine und holten mit Philipp Walter ein bekanntes Gesicht zurück. „Wir sind überzeugt, dass er durch seine Präsenz und Kompetenz entscheidend dazu beitragen wird, die sportlichen und wirtschaftlichen Ziele der Haie zu erreichen. Er kennt den Verein sehr gut, wird sowohl im Klub als auch bei Partnern sehr geschätzt und hat seine Loyalität zu den Haien in vielen Jahren unter Beweis gestellt“, erklärt Haie-Hauptgesellschafter Frank Gotthardt bei der Verkündung der Personalie, die jedoch nicht überall auf Gegenliebe stieß. Ein auf dem Posten unerfahrener Novize, ausgerechnet beim notorisch unruhigen KEC? Das könne doch nur schiefgehen. Die Stimmen der Kritiker, die Walter mit Taten überzeugen will.

„Ich habe das Ziel, dass wir Kontinuität und Stabilität in den gesamten Verein hineinbringen. Ich will eine positive Grundstimmung beim KEC haben“, erklärt der Rückkehrer und wirkt dabei im Gespräch noch engagierter als eh schon. Die Verbindung zu den Haie-Fans habe zuletzt etwas gelitten – und es scheint dem neuen Chef an der Gummersbacher Straße ein besonderes Bedürfnis zu sein, diesen Riss wieder zu kitten. Er spüre, dass sich beide Seiten wie bei einem alten Ehepaar auseinandergelebt hätten. Man wolle das alte Feuer wieder entfachen. „Wir haben beim KEC etwas gutzumachen, wir müssen das Vertrauen wieder zurückgewinnen, müssen verlässlich gegenüber unseren Fans auftreten. Sie sollen die Bindung zur Mannschaft wieder spüren, sie sollen unabhängig vom Ergebnis wieder stolz auf ihre Jungs auf dem Eis sein“, sagt er und untermauert die Dringlichkeit dieses Unterfangens nochmals mit einem emotionalen Statement: „Wir können keine Siege versprechen, aber wir müssen das Ziel haben, eine Einheit mit den Fans zu bilden. Das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben.“

Klubkultur etablieren

Überzeugungsarbeit nach außen zu betreiben, das Wir-Gefühl nach innen zu stärken – das ist die Aufgabe, die Walter zuvorderst angehen will. Einen Stimmungsumschwung will er rund um den KEC bereits ausgemacht haben: „Ich spüre, dass alle in eine Richtung marschieren wollen. Das ist aus meiner Sicht die Grundvoraussetzung für eine gesunde Klubkultur, die wir entwickeln, etablieren und vorantreiben wollen. Das ist eines unserer Hauptziele derzeit“, betont Walter. Das sei aber kein Prozess, der von heute auf morgen abgeschlossen sei. „Ich komme nicht hierher, schnipse mit dem Finger und alles ist erledigt. Wir werden Geduld auf diesem Weg brauchen, aber wir sind vollends davon überzeugt. Diese Haltung brauchen wir auch, um als Einheit erfolgreich aufzutreten“, unterstreicht der 44-Jährige.

Eine solche Klubkultur, eine solche Vereinsphilosophie habe er in Freiburg kennengelernt. Es habe ihm sehr imponiert, wie der Sport-Club sich selbst in unruhigen Zeiten treu geblieben ist. „Keine verrückten Dinge, kein Aktionismus, sondern Glaube an die eigene Philosophie. Das ist vorbildlich, das ist auch etwas, das sich in meinen Augen auf die Haie ummünzen lässt“, schwärmt er. Neben seiner Zeit im Breisgau, schöpft Walter für seiner neuen Aufgabe auch aus dem Erfahrungsschatz, den er beim KEC sammeln konnte: „Ich glaube, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Ich habe aber bei jedem Geschäftsführer etwas lernen können. Die prägendste Zeit war jedoch die unter Thomas Eichin, wo die Haie auch wirtschaftlich durch ganz tiefe Täler gegangen sind und um die Existenz kämpfen musste. Da merkt man, was man als Einheit alles schaffen kann, wenn es um das Überleben des Klubs geht. Da entwickelt man auch eine gewisse Demut“, sagt Walter.

Demütig in die Zukunft

Demut, die er auch auf den sportlichen Anspruch in der kommenden Spielzeit gemünzt wissen will: „Wir wollen alle gewinnen, dafür sind wir hier. Der Anspruch in Köln ist hoch, das ist aufgrund unserer Geschichte auch richtig. Es ist aber nicht so, dass wir automatisch im Finale stehen, nur weil wir ein schönes Logo haben, das viele Leute kennen. Diese realistische Einordnung ist enorm wichtig – es tut uns gut, die sportliche Zielsetzung etwas zurückzufahren“, erklärt Walter, der ein Jahr nach der letzten Kölner Meisterschaft zu den Haien stieß. Das war 2002, zuletzt gingen die Kölner Haie sportlich durch ein kleines Tal.

Jetzt vom lang ersehnten Titel zu sprechen, würde vermutlich eher für Augenrollen bei vielen Fans sorgen. Ein bisschen Demut schadet also nicht. Erst müssen die Basics erledigt werden, dann komme erst der Rest, so der neue Haie-Geschäftsführer. Zurück zu den Wurzeln also – ein besseres Motto kann es für die anstehende Ära beim KEC wohl kaum geben.

Die Geschäftsführer der Kölner Haie im Überblick

2001 bis 2013 Thomas Eichin
2013 bis 2014 Lance Nethery
2014 bis 2017 Peter Schönberger
2017 bis 18 Oliver Müller
seit 2018 Philipp Walter

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