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„Wir sind auf dem richtigen Weg“

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In welchen Bereichen sehen Sie noch Luft nach oben?
Zweifellos in unserer personellen Situation. Wenn etwa Marcel Müller und Alexander Weiß wieder fit sind, erwarte ich mir einen weiteren Schub nach vorne.

 

Besteht die Chance, dass Sie noch auf dem Transfermarkt aktiv werden?
Die Chance besteht immer, wir haben den Markt stets im Blick. Es ist aber sehr schwierig geworden. Wir müssen uns hinter Ligen einreihen, die mit sehr tiefen Taschen um Spieler werben. So wie die AHL oder die russische KHL. Wenn wir uns punktuell verbessern können, werden wir dies aber noch tun.

 

Wie können Sie denn junge Spieler überzeugen, statt in die KHL nach Köln zu wechseln?
Wenn es jemand ist, der in Russland eine tragende Rolle einnehmen kann und entsprechend bezahlt wird, ist es natürlich sehr schwer. Wir konzentrieren uns darum auf Spieler, die wirklich zu uns kommen wollen.

 

Die Haben haben zwei Mal in Folge das Finale verloren, zuletzt gegen Ingolstadt. Was war ausschlaggebend?
Unter anderem waren wir in der Offensive nicht so schlagkräftig. Das soll sich in diesem Jahr ändern. Aber natürlich nehme ich diesbezüglich nicht nur die neuen Spieler in die Pflicht, sondern die gesamte Mannschaft. In entscheidenden Momenten haben leider die Top-Leistungen gefehlt, Ingolstadt hat dagegen außergewöhnliche Dinge vollbracht.

 

Apropos Pflicht: Ist der Titel nun eine solche?
Ich weiß, dass die Erwartungen in Köln hoch sind. Es gibt aber noch 13 andere Teams, die in der DEL ganz oben mitspielen wollen. In den letzten zwei Jahren sind wir gut gefahren, uns erstmal auf die Saison an sich zu konzentrieren. Immerhin haben wir es mit dieser Taktik zweimal ins Finale geschafft. Um ein solches aber auch zu gewinnen, sind besondere individuelle Leistungen nötig. Wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

Also kann praktisch jede Mannschaft in der DEL um den Titel mitspielen?
Ja, die Liga ist enorm ausgeglichen. Für Fans und Medien ist dies antürlich ein Traum, für uns aber der blanke Horror (lacht). Wir müssen in jedem Spiel Top-Leistungen bringen. Hinzu kommt, dass gegen uns jedes Team doppelt motiviert ist. In Mannheim und Berlin ist es ähnlich.

 

Ab der neuen Saison greifen zwei Regeländerungen in der DEL. Die Angriffsdrittel wurden um 1,5 Meter verlängert, und es gilt das sogenannte Hybrid-Icing. Sind Sie zufrieden mit diesen Entscheidungen?
Absolut. Ich stehe zu einhundert Prozent dahinter. Die Adaptionen sind zwar nicht sonderlich groß, aber sie machen das Spiel besser. Kein Fan möchte zwei Teams sehen, die sich in der neutralen Zone die Scheibe zuschieben – und die Spiele in Nordamerika haben gezeigt, dass sich durch die Regeländerungen mehr Torchancen ergeben. Der Eishockeysport wird dadurch noch attraktiver.

 

Was muss getan werden, um noch mehr Kinder und Jugendliche zum Eishockey zu bringen?
Es liegt an der DEL, hier in Verbindung mit dem Verband die richtigen Impulse zu setzen. Ich glaube, dass im Bereich der Nachwuchsarbeit viel zu wenig getan wird. Konzepte gäbe es genug, aber es mangelt an der Umsetzung. Meiner Meinung nach sollte die DEL bei der Lizenzierung ansetzen. Es sollten nur Vereine zugelassen werden, die einen bestimmten Betrag in die Jugendförderung investieren. Anders funktioniert es nicht.

 

Woran hapert es?
Es ist vor allem eine Frage der Philosophie. Kurzfristige Triumphe lassen sich zweifellos durch die Verpflichtung von älteren Spielern mit NHL-Erfahrungen erzielen. Langfristig sichert aber nur seriöse Nachwuchsarbeit den Erfolg. Im Fußball hat man gesehen, was man damit erreichen kann. Was natürlich nicht heißen soll, dass wir auch im Eishockey Weltmeister werden. Aber wenn wir jetzt die nötigen Schritte einleiten, könnten wir uns auf lange Sicht als große Eishockey-Nation etablieren. Ausschlaggebend sind aber immer die Vereine und deren Gesellschafter. Sie müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden.

 

Und hier ist die DEL gefragt?
Nun, die Liga hat einen gewissen Einfluss auf diese Leute. Für uns als Trainer oder Spieler sind die Gesellschafter schwer beeinflussbar.

 

Mit den Rheinstars ensteht in Köln gerade ein neues, sportlich sehr ambitioniertes Projekt, das mit den Haien um die Gunst der Zuschauer buhlt. Befürchten Sie Konkurrenz?
Ich sehe Köln als etablierte Sportstadt. Und in dieser Sportstadt ist sicherlich genügend Platz für eine Basketballmannschaft. Es ist immer besser, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Wer sich etablieren will, muss zusammenarbeiten. Wir haben auch immer wieder gemeinsame Projekte mit dem 1. FC Köln.

 

Der FC arbeitet derzeit daran, mit Yuya Osako den asiatischen Markt zu erobern. Könnte man sich auch beim KEC die Erschließung eines neuen Marktes durch die Verpflichtung eines talentierten Spielers vorstellen?
Es gibt eine große russische Community in Köln, und die meisten von ihnen sind große Eishockeyfans. Auch in unseren Nachwuchsteams spielen viele Jungs aus diesem Raum. Wenn ich dann an den Eltern vorbeigehe, höre ich oft: „Uwe, hol uns doch mal einen guten russischen Spieler“ (lacht). Natürlich spielt man mit dem Gedanken, aus dieser Situation Profit zu schlagen. Im Zweifelsfall wechselt ein guter russischer Spieler immer in die KHL. Prinzipiell bin ich aber ein großer Freund dieser Idee.

Interview: Marcus Holzer

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