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„Wir haben gute Medaillenchancen”

Quelle: pa/dpa

Jörg Frischmann war selbst aktiver Sportler und hat bereits Gold, Silber und Bronze geholt.

Olympia 2012 ist Geschichte, doch die Jagd nach Edelmetall geht weiter. Erst am Mittwoch wurden die paralympischen Spiele eröffnet. Jörg Frischmann, Geschäftsführer der Behindertensport-Abteilung des TSV Bayer 04 Leverkusen, spricht im Interview in der aktuellen Ausgabe von Köln.Sport über die Bedeutung des Behindertensports im Rheinland.

Herr Frischmann, der TSV Bayer 04 Leverkusen stellt auch in diesem Jahr die meisten deutschen Teilnehmer bei den Paralympischen Spielen. Wie wichtig ist Behindertensport für den Verein?
Der Stellenwert ist wirklich sehr hoch hier. Unter anderem sind wir Paralympischer Trainingsstützpunkt in den Sparten Sitzvolleyball, Leichtathletik und Schwimmen. Der Behindertensport ist im Verein voll akzeptiert! Am besten lässt sich diese Tatsache in unserer Leichtathletikhalle beobachten. Behinderte und nichtbehinderte Sportler trainieren hier nicht nur Seite an Seite, sondern fahren auch gemeinsam ins Trainingslager und veranstalten gemeinsame Wettkämpfe. Die Basis ist natürlich die jahrelange Unterstützung der Bayer AG. Immerhin wird der Behindertensport hier seit mehr als 60 Jahren gefördert.

 

Der TSV gilt im Bereich Behindertensport als einer der größten und erfolgreichsten Vereine Deutschlands. Vor allem in den vergangenen knapp 20 Jahren konnten viele Triumphe eingefahren werden. Können Sie diese beeindruckende Entwicklung erklären?
1984 nahm mit Dr. Britta Siegers (achtfache Gold- und vierfache Silbermedaillengewinnerin, Anm. d. Red.) erstmals jemand aus dem Verein an den Paralympics teil. Vier Jahre später ging es mit dem Leistungssport für behinderte Menschen erst so richtig los. Inzwischen sind wir in diesem Bereich wirklich breit aufgestellt. Wir haben uns in Leverkusen eine tolle Situation erarbeitet. Ermöglicht wurde uns dies auch dank unserer Partner, etwa die Sportstiftung NRW oder das Bundesministerium des Innern, die uns zusätzlich fördern. Dass diese Partner Geld in den Stützpunkt investierten, zeugt von viel Vertrauen in uns.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen dem TSV und dem Olympiastützpunkt Rheinland (OSP) vorstellen?
Der OSP Rheinland ist in dieser Hinsicht absolut vorbildlich. Er war einer der ersten Olympiastützpunkte, die Behindertensport genauso gefördert haben wie den Nicht-Behindertensport. An anderen Olympiastützpunkten war dies in der Vergangenheit alles andere als selbstverständlich. Der Leiter des OSP Rheinland, Michael Scharf, und sein Team machen wirklich einen tollen Job. Speziell in der Physiotherapie, im gesamten medizinischen Bereich, sprich der Kaderuntersuchung, und der Leistungsdiagnostik werden wir sehr professionell unterstützt. Ich denke hier etwa an Laktatmessungen bei Dr. Argiris Vassiliadis, die biomechanische Betreuung von Falk Schade, Dr. Oliver Bloch und Ralf Müller, Anja Löhr im Präventions- und Rehatraining oder die Laufbahnberatung durch Horst Schlüter.

Leichtathletik steht auch bei den Paralympics ganz besonders im Rampenlicht. Welche Athletinnen und Athleten haben in diesem Jahr die größten Chancen auf Edelmetall?
In der Leichtathletik gibt es eine Vielzahl von Athleten, die für Medaillen gut sind, viele von ihnen vielleicht sogar für Gold. Ich nenne nur mal Birgit Kober, Heinrich Popow, Markus Rehm, Mathias Mester oder Katrin Green. Alle von ihnen haben ernsthafte Medaillenchancen.

Gibt es auch Sportler, denen Sie eine echte Überraschung zutrauen?
Kandidaten wie David Behre oder Michaela Floeth mussten in diesem Jahr schwere Operationen über sich ergehen lassen. Erstaunlicherweise haben sie es trotzdem geschafft, wieder ein hohes Niveau zu erreichen und an den Paralympics in London teilzunehmen. Nunmehr sind allerdings die Trainer gefragt. Es wird an ihnen liegen, das Letzte aus den Athleten herauszukitzeln und dafür zu sorgen, dass sie erneut an ihr früheres Leistungsvermögen anknüpfen können.

Interview: Marcus Holzer