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„Wir haben fantastische Fans”

Quelle: IMAGO

Die 30 Millionen Euro Schulden sind da, die können wir nicht wegdiskutieren”, weiß Schumacher.

Im zweiten Teil des exklusiven Köln.Sport-Interviews spricht Harald „Toni” Schumacher, Vizepräsident des 1. FC Köln, über die Vorstandsarbeit, Verbesserungsmöglichkeiten und die Geißbock-Fans. Sie haben die sportliche Führung des FC nichtnur personell, sondern auch strukturell neuaufgestellt. Wie klappt das Zusammenspiel bislang?

Ich denke, dass es sehr gut funktioniert, denn alle sind sehr diszipliniert. Das Sagen hat der Trainer, da redet ihm keiner rein. Für die Kaderplanung sind Jörg Jakobs und Frank Schaefer zuständig, wobei Frank Schaefer die Schnittstelle zum Nachwuchs bildet. Bis jetzt läuft alles wunderbar, aber beweisen muss sich das Ganze, wenn es mal sportlich nicht so läuft. Damit das funktioniert, ist ein hohes Maß an Kommunikation erforderlich. Holger Stanislawski, Jörg Jakobs und Frank Schaefer tauschen sich täglich aus. Wir haben im Geißbockheim extra Umbaumaßnahmen vorgenommen, damit wir noch kürzere Kommunikationswege haben. Bis jetzt hat sich das Modell mehr als bewährt.

Gilt das auch für die Arbeit innerhalb des Vorstands?

Ja, natürlich. Mit dem Unterschied, dass wir unsere Arbeit ehrenamtlich machen und nicht sieben Tage die Woche von morgens bis abends vor Ort sein können. Meine Vorstandskollegen und ich sind auch anderweitig eingebunden, daher spielt bei uns Kommunikation eine sehr große Rolle. Es kann schon mal vorkommen, dass wir uns nur per Telefonkonferenz abstimmen. Da sitzt der eine irgendwo am Flughafen, der andere ist mit dem Auto unterwegs und der dritte sitzt in seiner Firma im Büro. Der Arbeitsaufwand ist schon immens.

Inwieweit sind Sie als die „sportliche Komponente” des Vorstands in die Transferpolitik involviert?

Tatsächlich werde ich häufig auf Spieler angesprochen, aber das gebe ich alles sofort an Herrn Jakobs weiter und mische mich da nicht weiter ein. Es ist meine Pflicht, wenn ich einen Namen bekomme oder mir jemand angeboten wird, das weiterzugeben. Ob der Spieler von seiner Qualität, vom Charakter zu uns passt, das sollen die entscheiden, die es zu verantworten haben, da halte ich mich raus.

Der Vorstand ist angetreten, mit dem Ziel „den Verein zu vereinen”. Das setzt voraus, dass der Verein vorher zerstritten, zersplittert war. Wie schlimm ist es um das Innenlebendes 1. FC Köln bestellt?

Der Verein hatte in der Vergangenheit einige Baustellen, die wir angehen. Deshalb treffen wir uns jetzt mit den Fanclubs, stellen eine FC-Charta auf, besuchen Mitgliederstammtische und vieles mehr. Wir im Vorstand wollen transparent agieren, so dass alle, Mitglieder, Fans, und Gremien die Chance haben, zu sehen, was wir drei da oben machen. Es gibt nichts zu verheimlichen, jeder soll sehen, was geschieht und in Maßen in den Entscheidungsprozess eingebunden werden. Auch den Umgang mit unseren Partnern, Sponsoren, Logen-Besitzern wollen wir verbessern, mein Vorstandskollege Markus Ritterbach führt in dieser Hinsicht sehr viele Gespräche.

Was kann da verbessert werden?

Ein Anfang ist, dass wir vor den Spielen durch die Logen gehen, die Leute begrüßen und fragen, ob alles zu ihrer Zufriedenheit verläuft. In Gladbach machen Rainer Bonhof und Präsident Rolf Königs das schon seit Jahren. Das ist kundenfreundlich, die notieren sich auch, wenn mal die Getränke nicht kalt waren (lacht). Das gab es bei uns in der Vergangenheit so nicht. Und da gibt es so viele kleine Dinge, die eigentlich einfach zu lösen sind und mit denen man den Fans, den Sponsoren oder den Logen-Besitzern eine Freude machen kann.

Der Vorstand hat sich den Dialog mit den Fans auf die Fahne geschrieben und Gewalt und Pyrotechnik den Kampf angesagt. Wie soll das gelingen?

Zunächst muss man einmal sagen, dass 99 Prozent unserer Anhänger ganz hervorragende und vorbildliche Fans sind. Wie mit dem kleinen Rest umzugehen ist, der sich nicht benimmt, wird sich zeigen. Werner Spinner engagiert sich in diesem Bereich sehr. Der 1. FC Köln hat kürzlich die Arbeitsgruppe Fankultur gegründet, die wissenschaftlich begleitet wird. Wir setzen auf den Dialog, was wir sehr wichtig finden, denn ohne Dialog geht gar nichts. Dazu werden wir unsere Sicherheitsmaßnahmen in und um das Stadion intensivieren. Wir bekommen demnächst eine neue Videotechnik im Stadion. Das ist ein Teil der Maßnahmen, aber es kann auch nicht unser Ziel sein, dass es beim Besuch eines Fußballspiels zugeht wie am Flughafen, wo jeder durch einen Scanner marschieren muss. Das Beste wäre, wenn in der Fanszene eine Reinigung von innen stattfinden würde und die wenigen, die sich daneben benehmen, von den übrigen Fans ausgegrenzt würden.

Wie förderlich ist die Diskussion um Gewalt und Pyrotechnik für Ihr Unterfangen, bald das 60.000ste FC-Mitglied begrüßen zu wollen?

Nochmal: Wir haben fantastische Fans. Nur einige wenige fallen aus dem Rahmen. Inwieweit die momentan stattfindende Diskussion unsere Bestrebungen im Mitgliederbereich beeinflusst kann ich nicht sagen.

Sie ließen auch die Finanzen des Vereins durchleuchten.

Werner Spinner hat diese Buchprüfung durchführen lassen. Nicht um irgendetwas aufzudecken, was vielleicht nicht sauber gelaufen ist, sondern um zu wissen, wo man steht und um jedweden Gerüchten entgegenzutreten. Das ist ein ganz normaler Vorgang: Wenn ich eine Firma übernehme, ist das das Erste, was ich mache. Ich will wissen, was auf dem Deckel steht, woran ich bin. Das hat nichts mit Misstrauen zu tun.

Gefunden wurden die bekannten Verbindlichkeiten in Höhe von 30 Millionen Euro. Ist der FC aufgrund des Schuldenstands nicht gezwungen, den sofortigen Wiederaufstieg anzupeilen?

Die 30 Millionen Euro Schulden sind da, die können wir nicht wegdiskutieren. Wir sind nicht dafür verantwortlich, aber wir müssen jetzt damit umgehen. Natürlich wäre es mir lieber, wir würden direkt wieder aufsteigen, damit wir das Defizit schneller abbauen können.

Das geht in der ersten Liga besser als in der zweiten. Aber ich höre immer wieder, besonders von unseren Fans: „Macht es bitte diesmal richtig. Und wenn es zwei Jahre dauert, dann dauert es eben zwei Jahre. Das ist uns egal, macht es richtig.” Wir müssen Schulden abbauen. Deshalb können wir uns jetzt auch nicht eben mal einen Stürmer für zwei oder drei Millionen holen. Dann müssten wir neue Schulden machen, und das ist mit uns im Vorstand nicht zu machen. Wir halten nichts davon, zukünftige Einnahmen jetzt schon auszugeben. Unser Ziel ist es, den Verein zuvereinen, aber auch zu konsolidieren.

Wie schwer wiegen die Veränderungen bei Sponsorenverträgen durch den Abstieg?

Es gibt Abstriche, die bewegen sich in unterschiedlichen Größenordnungen.

Geschäftsführer Claus Horstmann, der die finanzielle Situation mit zu verantworten hat, scheidet 2013 aus dem Amt. Wie bewerten Sie sein Wirken für den 1. FC Köln – und welches Profil muss sein Nachfolger haben?

Schwer zu sagen, dafür kenne ich ihn zu wenig und hatte zu lange keinen Einblick. Den Schuldenstand hat er sicherlich nicht alleine zu verantworten, daran tragen auch andere Schuld. Als der alte Vorstand hingeschmissen hat, hat sich Claus Horstmann geopfert. Das muss man ihm hoch anrechnen. In diese Rolle ist er sicherlich ein Stück weit hineingedrängt worden, aber er hat sich gestellt. Was wäre denn passiert, wenn er das nicht getan hätte? Er hat das ja auf der Mitgliederversammlung gesagt, dass er nicht weglaufen wollte. Das verdient Respekt. Was vor unserer Zeit war, kann und will ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, wie es sich jetzt darstellt. Und da ist er absolut kooperativ und gibt immer Vollgas für den Verein.

Interview: Andreas Ohlberger