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Köln.Sport

Wer ist Vincent Koziello?

Es ist ein Transfer, der so gar nicht zu der bisherigen Saison des 1. FC Köln zu passen scheint. Wurde der Verein vor allem im Sommer für seine zweifelhafte Einkaufspolitik von vielen Seiten gescholten, herrscht in Fußballdeutschland nun ein Stück weit Erstaunen darüber, dass der FC Vincent Koziello vom französischen Erstligisten OGC Nizza verpflichten konnte. Der 22-Jährige ist in Europa längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, gehört zur U21 der Équipe Tricolore und absolvierte bereits 102 Spiele für das Team von Trainer Lucien Favre in der höchsten französischen Spielklasse. In dieser Zeit konnte er vier Tore und acht Torvorlagen beisteuern. Kaum verwunderlich, dass in der Vergangenheit auch Teams wie der AC Mailand oder Arsenal London an ihm interessiert gewesen sein sollen.

Hoffnungsträger mit starker Technik: Vincent Koziello hat die Arbeit am Geißbockheim aufgenommen.
Foto: imago

Warum also ist Koziello, der beim FC die Rückennummer 41 erhält, nun für einen auf dem heutigen Transfermarkt vergleichsweise kleinen Betrag von rund dreieinhalb Millionen Euro nach Köln gewechselt, um um die letzte Chance auf den Klassenerhalt zu kämpfen? Nach seinem Durchbruch in der Saison 2015/2016, wo er als Stammspieler seines Heimatvereins drei Tore erzielte und sechs vorbereitete, nahm er in der aktuellen Saison des Öfteren auf der Bank Platz. Sein Club spielt um den Einzug in den europäischen Wettbewerb, weshalb Ex-Gladbach-Coach Favre zuletzt vermehrt auf erfahrene Spieler setzte, die mehr Ausdauer und körperliche Präsenz vorweisen konnten als der 22-jährige Franzose. So wurde der Weg frei für einen Transfer in die Domstadt, zumal Sportdirektor Armin Veh den zentralen Mittelfeldspieler mit dem Bubi-Gesicht schon länger auf dem Zettel hatte.

„Vinzent war von Anfang an mein Wunschspieler und deshalb war klar: Wenn wir noch jemanden verpflichten, dann ihn. Er ist im Mittelfeld vielseitig einsetzbar und erweitert unsere Möglichkeiten“, wird Veh auf der Vereinshomepage zitiert. Und tatsächlich gibt der 1,68 Meter große Mittelfeldregisseur, der mit seinen 55 Kilogramm Körpergewicht eher noch wie ein A- oder B-Jugendspieler wirkt, dem Kölner Spiel eine neue Dimension. Mit etwas Fantasie soll er auf mittlere bis lange Sicht der so ewig gesuchte „Box-to-Box“-Spieler sein, also ein zentraler Spieler, der sowohl die Defensive sichern als auch die Offensive ankurbeln kann. In der Ligue 1 rangierte der Rechtsfuß in Sachen Passquote in den vergangenen anderthalb Jahren immer in den Top Ten, ist technisch beschlagen, wendig, schnell und mit einem guten Auge ausgestattet. Zudem besitzt er trotz fehlender körperlicher Masse Stärken in Zweikampf und Balleroberung. Da er neben dem „Sechser“ auch den „Achter“ geben kann, dürfte er dem Spiel des FC neben einem defensiveren Spielertyp wie Matthias Lehmann oder Marco Höger schon in naher Zukunft gut zu Gesicht stehen. Darüber hinaus bildet er sich auch abseits des Platzes weiter, legte ein sehr gutes Abitur mit Schwerpunkt Naturwissenschaften ab und studierte an der Universität in Nizza Englisch, weshalb die Kommunikation mit den Kollegen leicht fallen dürfte.

„Er ist anders als die Mittelfeldspieler, die wir haben. Er versteht es, sich aus Drucksituationen spielerisch zu lösen“, beschreibt Trainer Stefan Ruthenbeck die Qualität des zurückhaltenden Franzosen. Der selbst sagt: „Ich habe mich sofort sehr wohl gefühlt. Ich komme zu einem großen Club in einer sehr starken Liga, habe aber natürlich den Anspruch, möglichst bald zu spielen und dazu beizutragen, dass wir unsere Ziele mit dem FC erreichen.“ Und dieses Ziel kann nur der Klassenerhalt sein, dennoch bleibt der Franzose dem FC auch bei einem möglichen Gang in Liga zwei erhalten. „Wir holen niemanden, der im Sommer wieder weg ist“, hatte Veh noch vor einigen Wochen gesagt. Ob Koziello jetzt das Puzzlestück ist, dass dem FC den Klassenerhalt beschert, ist natürlich noch fraglich – aber der Spielmacher mit dem Engelsgesicht wird bereits am Samstag in Hamburg alles daran setzen, auch nächstes Jahr in der „sehr starken“ ersten Bundesliga zu spielen.

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