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“Wer gewinnt, ist Held in seiner Stadt“

Hat die Schlittschuhe gegen das Mikrofon getauscht: ServusTV-Experte und Ex-Hai Tino Boos Foto: Frank Hempel

Hat die Schlittschuhe gegen das Mikrofon getauscht: ServusTV-Experte und Ex-Hai Tino Boos
Foto: Frank Hempel

Am 10. Januar steigt in Düsseldorf das DEL Winter Game zwischen der DEG und den Kölner Haien. Vor diesem besonderen Duell der rheinischen Rivalen stand Ex-Profi und ServusTV-Experte Tino Boos Rede und Antwort. 

Tino Boos, Sie sind in Düsseldorf geboren, haben vier Jahre für die DEG gespielt, aber insgesamt auch acht Jahre das Trikot der Kölner Haie getragen. Was macht für Sie den Reiz des Derbys aus?
Bei einem Derby sind ganz spezielle Emotionen da, die oftmals auch dafür sorgen, dass die Spieler Außergewöhnliches leisten. In solchen Duellen spielt die Tabellenkonstellation keine Rolle. Wer das Derby gewinnt, ist erstmal der Held in seiner Stadt. Das schöne in dieser Saison ist, dass das Duell KEC gegen DEG auch sportlich relevant ist. Es geht für beide Teams um wichtige Punkte.

Welche Rolle spielt die Rivalität zwischen beiden Städten auf dem Eis?
Es würde sicherlich etwas fehlen, wenn es diese Partie nicht geben würde. Trotz der Rivalität gibt es viele Gemeinsamkeiten. Daher fühlen sich die Düsseldorfer in Köln auch relativ wohl – und umgekehrt. Das würde aber nie jemand zugeben. Die gegenseitigen Sprüche und Sticheleien gehören einfach dazu. Und solange das alles in einem friedlichen Rahmen abläuft, ist doch alles wunderbar.

Wenn Sie sich zurückerinnern: Was waren Ihre emotionalsten Derby-Momente?
Ein besonderes Highlight, an das ich mich gerne erinnere, ist die Saison 2001/02. Im ersten Spiel nach dem Trainerwechsel haben wir in Düsseldorf 3:0 gewonnen und sind hinterher gemeinsam mit den Fans per Boot auf dem Rhein zurück nach Köln gefahren. Dieses Spiel war damals eine Art Befreiungsschlag und sicherlich eine Initialzündung auf dem Weg zum Titel.

Insgesamt acht Jahre trug  Tino Boos das Trikot der Kölner Haie und wurde 2002 Deutscher Meister mit dem KEC Foto: IMAGO/mika

Insgesamt acht Jahre trug Tino Boos (re.) das Trikot der Kölner Haie und wurde 2002 Deutscher Meister mit dem KEC
Foto: IMAGO/mika

Welches Derby-Erlebnis würden Sie denn gerne aus dem Gedächtnis streichen?
Die Halbfinalserie der Saison 2005/06. Wir sind in Spiel vier super zurückgekommen und waren in Spiel fünf eigentlich schon weiter. Dann kassieren wir eine blöde Matchstrafe, Düsseldorf riskiert alles, nimmt fünf Minuten vor dem Ende den Torwart raus und gewinnt die Serie noch. Im Nachhinein kann man das alles sicherlich entspannter sehen, damals war es aber echt hart.

Was man so vor der Saison sicherlich nicht erwarten konnte: Vor dem Winter Game stehen die DEG und die Haie in der Tabelle eng beieinander.
Da hätte vor der Saison sicherlich niemand drauf gesetzt. Aber das ist das Schöne am Sport. Erfolg ist schwer planbar und von vielen Faktoren abhängig. Man hat schon in den ersten beiden Duellen gesehen, wie nah beide Teams in diesem Jahr beieinander sind. Die Haie haben eine gute Mannschaft, spielerisch hat Düsseldorf aber auch schon einiges gezeigt. Ich bin gespannt, wie es für beide Vereine weiterläuft.

Warum lief es aus Ihrer Sicht bei den Haien in dieser Spielzeit zunächst eher schleppend?
Ich sehe lediglich die Spiele und bin daher nicht nah genug an der Mannschaft, um das beurteilen zu können. Es gibt sicher den einen oder anderen Ansatzpunkt, aber man muss täglich mit den Spielern arbeiten, um zu sehen, was zu tun ist. Ich gehe davon aus, dass die Verantwortlichen richtige Entscheidungen treffen und die Mannschaft in Zukunft ihrer Qualität entsprechend auftreten wird.

Aufgrund einer hartnäckigen Adduktorenverletzung beendete Tino Boos seine Karriere 2012 bei der DEG Foto: IMAGO/Rust

Aufgrund einer hartnäckigen Adduktorenverletzung beendete Tino Boos seine Karriere 2012 bei der DEG
Foto: IMAGO/Rust

Am 10. Januar findet in Düsseldorf das mit Spannung erwartete Winter Game statt. Ein Event, das Sie in Ihrer aktiven Karriere gerne mitgemacht hätten?
Auf jeden Fall. Vor einer solchen Kulisse unter freiem Himmel zu spielen, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Da werden Erinnerungen an die Kindheit wach. Darum freue ich mich, beim Spiel der Legenden dabei sein zu dürfen.

Das Spiel der Legenden bildet am 10. Januar ab 14 Uhr den offiziellen Startschuss zum Winter Game. Warum sollten die Fans früher im Stadion sein oder den Fernseher anschalten?
Da muss man ehrlich sein: Das wird keine leichte Kost für die Zuschauer (lacht). Auf dem Eis wird es wahrscheinlich etwas gemütlicher zugehen. Dafür ist der Nostalgie-Faktor umso höher. Man darf gespannt sein, auf viele bekannte Gesichter und Eishockey-Legenden beider Mannschaften. ServusTV beginnt die Übertragung vom Winter Game ab 14.45 Uhr live – also nach dem Spiel der Legenden (lacht).

Werden Sie für Köln oder Düsseldorf aufs Eis gehen?
Da ich acht Jahre das Haie-Trikot getragen habe, ist die Entscheidung leicht. Ich spiele natürlich für den KEC.

Interview: Stefan Kühlborn