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Vom Aussenseiter zum Publikumsliebling

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Der Tag, der sein Leben veränderte

Mit Hechtsprüngen à la Boris Becker und einem Spielwitz, den man sonst lediglich bei Einlagespielen von Mansour Bahrami zu sehen bekommt, verzaubert Dustin Brown im bedeutendsten Tennisturnier der Welt den voll gefüllten Centre Court. Nach zwei Stunden und 34 Minuten ist das Unvorstellbare Realität geworden: „Game, Set and Match“ – Brown lässt den Schläger fallen, dreht sich ungläubig zu seiner Trainerbox. Nach dem üblichen Handshake geht er zurück auf den Platz, zieht sein Shirt hoch und klopft stolz auf das über seinen Bauch tätowierte Porträt seines Vaters, Leroy Brown.

Rückblickend sagt er: „Die vielen Jahre haben mich zu diesem Tag geführt, dem wahrscheinlich besten meines Lebens!“ Obwohl Brown zu diesem Zeitpunkt schon 31 ist, nimmt seine Karriere auf einmal einen völlig neuen Verlauf. Plötzlich steht er im Mittelpunkt bei den großen Turnieren, die Autogrammjäger stehen Schlange, Experten kritisieren seine Einstellung als Profisportler. Für Brown ist der ganze Rummel zweitrangig, er will sich selbst treu bleiben: „Ich bin, wie ich bin. So war ich mein ganzes Leben lang. Natürlich ist es schön, wenn die Leute das mögen. Aber auf der anderen Seite: Wenn ich mich zu sehr darum kümmern würde, was die Leute über all das denken, was ich tue, hätte ich wahrscheinlich nicht diese Frisur und würde nicht so aussehen, wie ich aussehe“, so der Tennisprofi.

Bei all seinem Talent stellt sich die Frage, warum Brown es nie in die Top 40 der Welt geschafft hat. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Spielweise des für den KTHC in der Bundesliga aufschlagenden Rechtshänders ist sehr riskant, sein Spiel unterliegt großen Schwankungen. Für Brown ist das zu verkraften: „Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich so ein Match an einem bestimmten Tag gewinnen, aber auch mal ein grottenschlechtes Match spielen kann. Ich muss akzeptieren, dass mein Spiel eine große Spanne hat“, so der Profi.

Bei der ATP-Tour in Montpellier verletzte sich Dustin Brown am Rücken und musste kurz vor Matchgewinn aufgeben (Foto: imago/PanoramiC)

Publikumsmagnet Brown

In der Bundesliga spielt Dustin Brown seit über zwei Jahren beim KTHC Rot-Weiss Köln. 2017 belegte er zusammen mit Top 100 Spielern wie Benoît Paire, Fabio Fognini und Andreas Seppi den 8. Platz in Deutschlands höchster Spielklasse. Obwohl Brown die Möglichkeiten gehabt hätte, bei größeren Vereinen zu spielen, entschied er sich wegen der Nähe zu Freunden und dem familiären Umfeld für Köln. Aus RW-Sicht war seine Verpflichtung 2015 ein absoluter Glücksgriff. Einerseits, weil der Deutsch-Jamaikaner auf höchstem Niveau spielt, andererseits, weil er durch sein polarisierendes Auftreten die Massen bewegt und in Köln schon nach kurzer Zeit zum absoluten Publikumsliebling avancierte. Wenn er auf dem Centre-Court steht, sind fast ausnahmslos alle Plätze belegt.

So auch auf der ATP-Tour in Montpellier am gestrigen Mittwoch, wo Brown in der ersten Runde gegen Nicolas Mahut nach erstem Satzgewinn mit 5:2 führte, als ihn eine Rückenverletzung kurz vor dem Sieg zum Aufgeben zwang. Es zeigt, wie nah Triumph und Enttäuschung beim Tennis-Profi zusammenhängen, dennoch will er gestärkt zurückkommen und noch einmal bei großen Turnieren für Furore sorgen.

Dass es dafür mit 33 noch nicht zu spät ist, zeigte zuletzt Roger Federer (36) mit seinem Sieg bei den Australian Open. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass Brown im Herbst seiner Karriere noch einmal in die Nähe eines Grand-Slam-Sieges kommen wird. Sicher jedoch wird er Zuschauer und Fans auch 2018 zu Beifallstürmen hinreißen.

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