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Viktoria: Der Heimat verbunden

Der langjährige Publikumsliebling verlässt den FC – bleibt seiner Heimatstadt jedoch treu und kickt 2020/21 für Viktoria Köln! In Höhenberg will der „kölsche Jung“ mit der langen Verletzungs-Historie den Spaß am Fußball wiederfinden.

Nach sieben Jahren beim 1. FC Köln beginnt für Marcel Risse nun ein neues Kapitel. (Foto: imago images / Herbert Bucco)

Bei der Wahl der „richtigen“ Rheinseite liegen die Meinungen in Köln bekanntlich je nach Wohnort des Einzelnen weit auseinander. So graut es den Linksrheinischen wohl ein Stück weit vor der anderen Seite des Flusses, die sie gerne als „Schäl Sick“ bezeichnen – die Rechtsrheinischen prahlen mit der schöneren Aussicht auf den Dom und können oftmals nicht verstehen, was an der linken Seite so viel besser sein soll.

Auch Marcel Risse dürfte zu dieser Debatte seine Meinung haben, kennt er doch schließlich beide Seiten aus dem Effeff. Geboren und aufgewachsen im rechtsrheinischen Kalk, machte er wenige Kilometer weiter nördlich seine ersten Schritte auf dem Fußballplatz, bei TuS Höhenhaus. Anschließend ging es noch weiter Richtung Leverkusen, bevor über den Umweg Mainz der Weg ins Linksrheinische folgte. Dort verlebte der langjährige Effzeh-Profi die erfolgreichsten Jahre seiner Karriere, schoss seinen Herzensklub zu Derbysieg und Europapokal, blieb ihm auch nach dem Abstieg treu. Für den ohnehin tief in der Stadt verwurzelten Kölner wurde so trotz Wohnort Langenfeld auf der „Schäl Sick“ die linke Rheinseite zur Heimat – für sieben Jahre, von 2013 bis 2020.

„Bin ja auch schon 30 …“

Seit diesem Sommer ist der Flügelspieler mit der edlen Schusstechnik jedoch wieder im Rechtsrheinischen zu Hause. Nachdem der 1. FC Köln „Cello“ vor einigen Wochen mitteilte, keine Verwendung mehr für ihn zu haben, und ihm nahelegte, sich einen neuen Klub zu suchen, flatterten dem Vernehmen nach auch Angebote der Zweitligisten aus Bochum und Nürnberg in den Briefkasten – doch der 30-Jährige, der die Erfahrung von 176 Bundesligaspielen aufweisen kann, verzichtete auf die finanziell durchaus lukrativeren Angebote, um in der Heimat zu bleiben.

Als das Interesse der Viktoria an einer Verpflichtung Risses publik wurde, räumten Experten und Fans den Höhenbergern angesichts der namhafteren Konkurrenz keine großen Chancen auf die Realisierung des Transfers ein. Am 18. August jedoch wurde es dann tatsächlich offiziell: Ab der kommenden Spielzeit kickt Risse leihweise in Höhenberg, für Viktoria Köln! Denn die Nähe zur Heimat war dem Routinier wichtiger, als in einer möglichst hohen Spielklasse weiterhin die Knochen hinzuhalten.

„Natürlich war das ein ausschlaggebender Punkt, der auch sehr bedeutsam für mich war“, sagt Risse im Interview mit „Liga3.de“, angesprochen auf seinen Köln-Verbleib. „Ich kenne den Verein schon von früher, ohne hier selber gespielt zu haben. Ich bin jetzt ja auch schon 30 und die letzten Jahre waren nicht ganz so einfach. Ich hatte im letzten Jahr nicht so viele Spiele, hatte hier und da Verletzungsprobleme und möchte jetzt die Chance nutzen, den Spaß im Fußball wiederzufinden.“

550 Tage Leidenszeit

Aussagen, die Profifußballer öffentlich so selten treffen – sie offenbaren jedoch auch, wie es in Marcel Risses Kopf in Bezug auf Fußball vorgeht. Denn mit 30 Jahren ist man eigentlich beileibe noch nicht in dem Alter, die sportlichen Ansprüche zurückzuschrauben – es sei denn, man weist eine ähnlich dicke Krankenakte auf wie die ehemalige Nummer Sieben des 1. FC Köln. Seit seiner ersten FC-Spielzeit fiel Risse insgesamt über 550 Tage aus, verpasste 53 FC-Partien und war im Sommer gezwungen, die etlichen Blessuren auszukurieren. Zuvor musste er auch bei seiner Station in Mainz schon für über acht Monate mit einer Knöchelverletzung pausieren. Deshalb nennt er auf die Frage nach seinen Wünschen für die persönliche Zukunft neben dem „schönen und ruhigen Familienleben“ auch „viel Gesundheit“.

Beim FC absolvierte Risse im Vorjahr lediglich sieben Pflichtspiele, ließ logischerweise die Spritzigkeit der alten Tage vermissen – in Höhenberg will er diese nun zurückgewinnen. Dort soll er zum einen mit Erfahrung glänzen: „Letztendlich spielt Erfahrung aber auch immer eine große Rolle, gerade wenn es dann auch in die letzten zehn oder 20 Minuten eines Spiels geht“, sagt er. „Da ist ein bisschen Erfahrung immer von großem Vorteil. Man hat viele Situationen im Profifußball schon durchlebt.“ Zum anderen jedoch auch noch mal als Leistungsträger in Erscheinung treten. Denn: Einen Fußballer wie Marcel Risse sieht die Dritte Liga selten. Kommt er wieder möglichst nah an die 100 Prozent, kann er gemeinsam mit dem ebenfalls hochveranlagten Mike Wunderlich den Unterschied für die Höhenberger ausmachen.

Win-Win-Situation?

Da ist es auch egal, ob die Entscheidung, in die zwei Spielklassen tiefere Liga zu wechseln, einen Rückschritt bedeutet oder nicht. Marcel Risse ist keiner, der in der Spätphase seiner Karriere auf Teufel komm raus nochmals eine neue Herausforderung sucht – es sind andere Kriterien, die bei ihm zählen. Findet er zu alter Stärke, war der Transfer des Mittelfeldmannes, der noch bis 2022 in Köln unter Vertrag steht, eine „Win-win- Situation“ für alle Parteien. Es bleibt dem ehemaligen Publikumsliebling nur zu wünschen, dass er schnellstmöglich die Freude am Fußball zurückfindet und dauerhaft gesund bleibt. Ob auf der linken oder der rechten Rheinseite.