fbpx

Verkehrte Welt in Leverkusen

Es ist noch gar nicht so lange her, als sich Tasusende von vermeintlichen „Freunden des Frauen-Fußballs“ zur Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft auch in Leverkusen versammelten. Die Spiele waren gut und die Stimmung besser, als viele dachten (auch wenn die via FIFA-Diktat oktroyierte Stimmung mittels Dauer-„La Ola“ durch bezahlte Animateure und Schulklassen doch nervte).

Doch was ist von der WM-Begesietrung übrig geblieben und in den Alltag der Frauen-Bundesliga gerettet worden? Zugegeben: Es mussten im Sommer schon Tausende von Freikarten an Vereien und Schulklassen verteilt werden, um die Leverkusener Arena überhaupt voll zu bekommen.

Und wenn das noch nicht reichte, half die FIFA mit nach oben „korrigierten“ Zuschauerzahlen kräftig nach. Doch auch wenn sich im Sommer die Massen noch durch die Arena schoben – im Ulrich-Haberland-Stadion gleich nebenan ist bei Heimspielen der Bayer-Frauen Platz satt.

Gegen den SC Freiburg zählte ein akribischer Besucher bis zur 17. Minute exakt 87 Zuschauer. Peinlich, aber damit steht Bayer nicht alleine da, denn außer den großen Vereinen des Frauen-Fußballs aus Potsdam, Frankfurt und Duisburg krebsen die anderen Vereine auch nur an Zuschauerzahlen um die Hunderter-Marke herum.

Nun sollte man ja meinen, dass dem gastgebenden Verein sehr daran gelegen sein sollte, die wenigen „Treuen“ bei Laune zu halten und ihnen den knapp zweistündigen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Nicht aber so in Leverkusen: Hier wird die kleine überdachte Tribüne für eine Handvoll Ehrengäste und zwei Pressevertreter komplett freigehalten, während der zahlende Kunde, der ja eigentlich König sein sollte, mit Stehplätzen im Kurvenbereich vertröstet wird oder auf verdreckten, da unüberdachte Sitzschalen Platz nehmen kann.

Die Preise an den Verpflegungsständen haben indes weiterhin WM-Niveau, denn für „nur“ 3,70 € (!) für ein 0,5 l-Getränk ist man „schon“ dabei. Das dürfte absoluter Frauen-Bundesliga-Rekord sein. Der Gipfel ist jedoch das mindestens 20 Mitarbeiter starke Sicherheitspersonal, das stets ein sehr wachsames Auge auf jeden der wenigen Besucher hat.  Sie rechnen wohl mit den schlimmsten Fan-Ausschreitungen in der Historie des Frauenfußballs.

Liebe Bayer-Verantwortliche: Fahrt mal bitte mindestens eine Nummer runter! Auch der zahlende Zuschauer hat ein Recht auf ein Mindestmaß an Service und moderate Preise. Stattdessen hat er es jedoch satt, wie ein Schwerverbrecher dauerbewacht und beobachtet zu werden. Und bitte auch nicht mehr die Zuschauerzahlen schönen. Offiziell über 250 Zuschauer gegen Freiburg – wo waren denn die?

Ehrlichkeit macht sympathischer, als ihr denkt!