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„Vereine müssen einen Mehrwert schaffen”

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Fotos: Köln.Sport

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters nimmt im Köln.Sport-Interview kein Blatt vor den Mund und erklärt, wie es um den Sport in der Stadt bestellt ist

In seiner Funktion als Oberbürgermeister engagiert sich Jürgen Roters auch für die Weiterentwicklung Kölns als Sportstadt. Im Exklusiv-Interview spricht der Erste Bürger der Stadt über den Status quo, über erforderliche Maßnahmen und über die Zukunft im kölschen Sport.

Herr Oberbürgermeister, wie oft kommen Sie zu Ihrem Hobby, dem Laufen?
Leider nicht ganz so häufig wie in früheren Jahren, denn mein Arbeitsumfang hat doch deutlich zugenommen. Aber vier Mal die Woche schaffe ich es, laufen zu gehen.

Welche ist Ihre bevorzugte Laufstrecke in Köln?
Ich laufe sehr gerne in Rodenkirchen, im Forstbotanischen Garten. Das Gelände dort ist groß, und man kann an den Wiesen entlang und in den Wald hinein laufen. Da ich in Bayenthal wohne, laufe ich oft direkt von zu Hause aus los, bis zum Golfplatz, dann zum Forstbotanischen Garten und wieder zurück.

Sie sind auch Präsident des Kölner Vereins für Marathon. Wie wichtig war es, mit der RheinEnergie einen neuen Titelsponsor für den größten Kölner Lauf-Event zu finden?
Der Marathon hat sich in den letzten zehn Jahren als eine feste Marke in der Sportstadt Köln etabliert und gehört zu den drei oder vier großen Lauf-Events in Deutschland. Doch es hat längere Zeit gedauert, einen entsprechenden Nachfolger für den ehemaligen Titelsponsor Ford zu finden. Mit der RheinEnergie engagiert sich jetzt ein Sponsor, der mit Leidenschaft dabei ist. Das ist sehr wichtig, weil ein großer Marathon ein großes Budget braucht, um auch Spitzenläufer und -läuferinnen engagieren zu können. Es nur auf der Ebene des Breitensports zu betreiben trägt sich auf Dauer nicht.

Wie beurteilen Sie allgemein das Engagement der Kölner Wirtschaft im Sport?
Es könnte mehr sein. Wir haben eine breite Unternehmenslandschaft in Köln, und diese orientiert sich mehr in Richtung Bildung, Schule, Jugendförderung und Kultur. Dabei ist der Sport ein bisschen aus dem Fokus geraten. Das gilt besonders für die Sportarten, die nicht so im Mittelpunkt stehen. Fußball zieht vieles an, aber an Sportarten wie Handball, Volleyball oder Basketball geht vieles vorbei.

„An Sportarten wie Handball, Volleyball oder Basketball geht vieles vorbei.“

Woran liegt das?
Anscheinend sind die Sportarten für die Unternehmen nicht mehr attraktiv genug, damit sie ihr eigenes Renommee steigern können und der Werbewert gegeben ist. Das hat auch ein bisschen mit den Skandalen, wie etwa den Dopingskandalen im Radsport, die es gegeben hat, zu tun. Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn man sich auf Seiten der Wirtschaft ein wenig zurückhält.

Wie lässt sich das ändern?
Die Vereine müssen sich noch stärker damit beschäftigen, wie man attraktivere Pakete für Sponsoren und für die Wirtschaft schnüren kann. Ich weiß, das ist unglaublich schwer. Wichtig ist, dass man einen Mehrwert schafft. Dass Sportarten und Vereine in die Betriebe gehen und dort Angebote für die Mitarbeiter präsentieren. Dann ist auch für diese eher nachvollziehbar, warum ein Unternehmen bei Tarifverhandlungen nicht immer aus dem Vollen schöpft, aber auf der anderen Seite Millionen in den Sport investiert. Ich bin sicher: Geht der Sport in die Betriebe, wächst auch wieder die Akzeptanz.

Gesegnet mit Sponsoren ist dagegen der 1. FC Köln. Sie sind seit November letzten Jahres Mitglied im FC-Verwaltungsrat. Wie fällt die Bilanz Ihres ersten Halbjahres aus, das ja recht ereignisreich war?
Man spürt, dass beim 1. FC Köln eine stringente Führung fehlt. Die kann auch gar nicht da sein, da es bislang nur Interims-Management-Aufgaben sind, die vom provisorischen Vorstand wahrgenommen wurden. Ein so großer Verein braucht eine straffe Führung – und ich bin sehr zuversichtlich, dass der Verein unter dem neuen Trifolium mit Werner Spinner, Markus Ritterbach und Harald Schumacher wieder eine klare Perspektive und eine erkennbare Linie haben wird. Eskapaden, wie es sie zuletzt unter den FC-Spielern gegeben hat, dürfen sich, zumal in Zeiten des Abstiegskampfes, nicht wiederholen.

Wie muss man sich Ihre Arbeit im FC-Verwaltungsrat vorstellen?
Das ist ja ein beratendes Gremium. In erster Linie liegen die Tätigkeiten beim Vorstand und bei der Geschäftsführung, und ich will mich auch gar nicht in das Tagesgeschäft einmischen. Meine Aufgabe ist es, die Verbindung zur Stadt und zur Politik herzustellen und grundsätzliche Fragen anzugehen.

Der FC gibt auf und neben dem Platz ein trauriges Bild ab. Inwiefern schaden diese Umstände dem Image der Stadt Köln?
Fußball ist bei aller Wertschätzung und Bedeutung für eine Stadt immer noch eine Nebensache. Natürlich, passt alles zusammen wie bei Bayern München, wo ein Verein, der Champions League spielt, eine gute Führung hat und in einer Stadt beheimatet ist, die eine Wachstumsmetropole ist, dann hat der Fußball eine positive Wirkung. Deshalb wünsche ich mir für Köln als viertgrößte Stadt Deutschlands, mal wieder ganz oben in der Bundesliga mitzuspielen, und nicht immer gegen den Abstieg kämpfen zu müssen. Auf der anderen Seite darf der Fußball jedoch nicht überhöht werden. Berlin und Hamburg sind ebenfalls Großstädte, die nicht über exzellente Fußballvereine verfügen. Dennoch ist das Image dieser Städte nicht beschädigt.

„Was sich zuletzt beim FC ereignet hat beschädigt das Image der Stadt.“Aber durch Fan-Randale, wie zuletzt im Umfeld des FC, die zu einem negativen Bild der Stadt Köln in der Öffentlichkeit beitragen.
Das, was sich zuletzt ereignet hat – insbesondere bei der Attacke auf der Raststätte in Siegburg –, beschädigt das Image des Vereins und der Stadt. Wir erleben insgesamt eine Zunahme an Gewalt durch Fans im deutschen Profifußball, und davon müssen sich die Vereine insgesamt klar distanzieren. Man darf solche Ultras, die nachweisbar wirklich systematisch und organisiert Gewalt begehen, nicht agieren lassen. Diese müssen ausgeschlossen und mit der Härte aller Möglichkeiten seitens des Vereins, aber auch von Seiten des Strafgesetzgebers, sanktioniert werden.

Können Sie sich drastischere Maßnahmen vorstellen als jene, die der 1. FC Köln zuletzt bei der „Wilden Horde“ durchgesetzt hat?
Wichtig ist, dass man sehr eng mit der Polizei zusammenarbeitet. Diese Dinge, die da passiert sind, sind höchst gefährlich. Dort, wo sich Gewaltbereitschaft zeigt, muss nicht nur mit Stadionverboten gearbeitet, sondern es müssen auch durch Gefährdenansprachen der Polizei klare Auflagen gegeben und mit Hausdurchsuchungen oder Ingewahrsamnahmen eine abschreckende Wirkung erzielt werden. Es ist kein Kavaliersdelikt, als „Wilde Horde“ durch die Gegend zu laufen und Randale zu machen. Die „Wilde Horde“ selbst hat die Verpflichtung, sich eindeutig von der kleinen Gruppe der Gewalttäter zu distanzieren. Das muss man mit aller Deutlichkeit sagen.

Hat ein Abstieg des 1. FC Köln in die 2. Liga für die Stadt auch finanzielle Folgen?
Der Pachtvertrag sieht ja vor, dass in dem Fall die Stadionmiete reduziert wird, konkret von 7,6 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer in der 1. Bundesliga auf 3,6 Millionen Euro in der 2. Liga. Das würde einen erheblichen Rückgang unserer Einnahmen bedeuten.

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