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Über 800 Kilometer durch Köln

Horst Ludwig hat jeden einzelnen Köln-Marathon erfolgreich absolviert und peilt 2016 sein großes Jubiläum an Foto: Köln Marathon

Horst Ludwig hat jeden einzelnen Köln-Marathon erfolgreich absolviert und peilt 2016 sein großes Jubiläum an
Foto: Köln Marathon

Horst Ludwig ist ein echter Dauerläufer. Der 80-Jährige war bei allen 19 Köln Marathons am Start und peilt 2016 sein großes Jubiläum an. 

Für die Zuschauer beim Köln ­Marathon war beim Blick auf das Trikot gleich ersichtlich: Horst ­Ludwig ist ein Läufer, der aus der Masse heraussticht. „19 x Kölle“ ­hatte der 80-Jährige auf sein Laufshirt gepinnt – eine Zahl, die dokumentiert, was außer ihm nur rund 70 weitere Sportler geschafft haben: seit der Geburtsstunde des Köln Marathons 1997 jedes Jahr dabei zu sein und die ­volle Distanz erfolgreich hinter sich zu bringen.

19 Marathons, das bedeutet 801.705 Meter unter Wettkampf­bedingungen auf den Straßen der Domstadt. „Mein großer Traum ist es, im nächsten Jahr die 20. Teilnahme zu schaffen. Dann würde ich vielleicht ans Aufhören denken“, sagt Ludwig, der mit seinem 15-jährigen Enkel aber schon einen legitimen Nachfolger hat. „Derzeit läuft er noch beim Schul­marathon mit. Sein Wunsch ist es, ein Rennen mit mir gemeinsam zu laufen. Das geht aber erst, wenn er 18 ist. Ob ich das schaffe? Soweit möchte ich noch nicht denken.“

In diesem Jahr ging der für den PSV Köln 1922 startende Sportler erstmals in der Altersklasse 80 an den Start und siegte in einer Zeit von 5:35,48 Stunden. Dabei hatte es im Ziel zunächst Verwirrung gegeben und Ludwig war als Zweiter gewertet worden. Wenig später wurde das Ergebnis jedoch korrigiert, und dem Polizei-Sportler wurde die wohlverdiente ­Siegerehre zuteil. „Schöner wäre es natürlich gewesen, den Erfolg direkt feiern zu können“, betont er. Seiner Motivation, die Serie im nächsten Jahr fortzusetzen, tut das allerdings keinen ­Abbruch: „Die 20, die zählt jetzt!“

Bis zu 90 Kilometer pro Woche

Angefangen hat die Passion des ­gebürtigen Ostpreußen für das Laufen bereits zu Berufsschulzeiten. „Ich habe damals bei Schulmeisterschaften und Volksläufen mitgemacht, ­allerdings über die Mittelstrecke“, erzählt Ludwig. Nach dem Umzug nach Köln Ende der 50er-Jahre wechselte er in die Betriebssportgruppe seines Arbeitgebers Ford und wurde dort beim Training in Weidenpesch vom Polizei-Sportverein abgeworben. „Die haben auch dort trainiert und mich angesprochen, ob ich nicht bei ihnen mitlaufen möchte. Das war 1973 – seitdem bin ich Mitglied beim PSV.“

Name: Horst Ludwig Alter: 80 Geboren in: Lindenhorst Verein: Polizei-Sportverein Köln 1922 (seit 1973) Erlernter Beruf: Betriebsschlosser Absolvierte Marathons: 19 Persönliche Bestzeit: 3:45 Stunden Zeit beim Köln Marathon 2015: 5:35 Stunden Foto: Köln Marathon

Name: Horst Ludwig
Alter: 80
Geboren in: Lindenhorst
Verein: Polizei-Sportverein Köln 1922
(seit 1973)
Erlernter Beruf: Betriebsschlosser
Absolvierte Marathons: 19
Persönliche Bestzeit:
3:45 Stunden
Zeit beim Köln Marathon 2015:
5:35 Stunden
Foto: Köln Marathon

 

Mit den dortigen Vereinskameraden trainiert der 80-Jährige regelmäßig seine Ausdauer. „Mein sportliches Highlight ist der Köln Marathon. ­Darauf trainiere ich hin, kurz vorher bis zu 90 Kilometer wöchentlich. Man muss auf den Punkt, genau an diesem Tag, topfit sein. Körperlich und auch im Kopf. Das ist in meinem Alter eine Herausforderung und kostet häufig auch Überwindung“, sagt Ludwig.

Wenn er dann durch die Straßen läuft und von den Kölner Zuschauern angefeuert wird, ist ihm das all die Mühen wert. „Die Stimmung ist toll, es gibt viele Kapellen entlang der Strecke, und wenn ich weiß, wo meine ­Familie steht und auf mich wartet, dann ­motiviert mich das zusätzlich.“ Ein klein wenig berühmt ist der 19-fache Teilnehmer mittlerweile auch: „An einigen Stellen bin ich über Lautsprecher angekündigt worden. Da wurden die Zuschauer ganz schön laut.“

Um Zeiten feilscht der sportbegeisterte Rentner schon lange nicht mehr. Seine persönliche Bestzeit von 3:45 Stunden steht seit gut 20 Jahren. „Jetzt habe ich nur noch vor Augen, ins Ziel zu kommen und meine Serie fortzusetzen“, erzählt er. „Anfangs war die zehn ein erster Ansporn, damit wurde ich in den Jubilee Club des Köln Marathons aufgenommen. ­Meine Frau hatte damals gehofft, dass ich aufhöre. Aber ich hatte da schon die 15 im Auge. Und jetzt ist natürlich die 20. erfolgreiche Teilnahme mein großer Wunsch.“

Von größeren Verletzungen ist Ludwig über all die Jahre verschont geblieben. Ein Bänderanriss und mehrere Zerrungen erforderten lediglich kurze Zwangspausen. Seit einem Jahr macht dem Polizei-Sportler allerdings ein Fersensporn zu schaffen. „Wenn meine Frau und mein Sohn mich dieses Jahr nicht angefeuert hätten, hätte ich nach der Hälfte aufgehört. Ich hoffe, dass ich das eine Jahr noch ohne Operation schaffe und den 20. Wettkampf antreten kann. Danach könnte ich sagen: Dat wor et jetzt!“

Svenja Dahlhaus