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Trainer aus Leidenschaft

Quelle: imago

Voller Einsatz bei der Arbeit: Fortuna-Coach Uwe Koschinat weist Einwechselspieler Alexander Ende bei der Partie gegen den Wuppertaler SV (3:0) ein.

Der neue Cheftrainer der Fortuna fühlt sich in Köln „brutal wohl“ – und will gerne lange in der Südstadt bleiben, wo er seinen eigenen Weg als Coach gehen möchte.

Voller Hingabe und Verve wirft sich Uwe Koschinat in seine neue Aufgabe. Und diese Attribute verlangt der neue Cheftrainer des Regionalligisten Fortuna Köln auch von seinen Spielern. „Ich will aggressiven, packenden Fußball mit Leidenschaft sehen“, sagt der 39-Jährige. Seine Vorstellungen entwickelte Koschinat bei der TuS Koblenz.

Mit einer anderthalbjährigen Unterbrechung wirkte er dort in den unterschiedlichsten Funktionen 17 Jahre lang – vom Spieler bis hin zum Co-Trainer. Vor allem in letzterer Position schaute er sich einiges von den jeweiligen Profitrainern ab. Von Milan Sasic die Leidenschaft, von Uwe Rapolder manch ein taktisches Element und von Petrick Sander die sachliche Art.

Doch darüber hinaus hatte und hat Koschinat auch überregionale Entwicklungen im Blick – der physisch starke Stil von Manchester United hat es ihm ebenso angetan wie der von hoher Laufbereitschaft geprägte Tempofußball Borussia Dortmunds. Trainer oder Systeme zu kopieren, ist aber nicht sein Ding: „Ich nehme zwar Impulse auf, gehe aber meinen eigenen Weg.“

Pendler aus familiärer Verwurzelung

Völliges Neuland betritt Koschinat in Köln nicht, schließlich baute er in der Domstadt sein Abitur – und lernte hier seine heutige Frau Kyra kennen, mit der er 1996 vor den Traualtar trat. Überhaupt spielt die Familie – das Paar hat zwei kleine Kinder – im Gespräch mit dem Fußballlehrer immer wieder eine wichtige Rolle.

„Der Familie widme ich viel Zeit, sie gibt mir Kraft und die Möglichkeit zum Abschalten.“ Insbesondere die Gespräche mit seiner Frau geben Koschinat ein wichtiges Feedback: „Es ist wichtig, auch mal die Meinung eines normalen Menschen zu hören, der nicht im Fußballbusiness steckt.“

Die familiäre Verwurzelung in Koblenz ist auch der Grund, weshalb Koschinat täglich zwischen Wohnort und Arbeitsplatz pendelt. Übrigens mit dem Zug: „Das ist einfach sehr bequem, und außerdem kann ich die Zeit nutzen, den Tag aufzubereiten.“

Langfristiges Arbeiten

Eine weitere bedeutsame Rolle neben der Familie spielen die Menschen, mit denen Koschinat im täglichen Austausch steht. „Lob und Kritik für meine Arbeit nehme ich natürlich auf. Es ist aber entscheidend, sich stets zu hinterfragen und nicht, sich in Frage zu stellen.“

Völlig außer Frage steht Uwe Koschinats Begeisterung für seinen Job: „Ich spiele Fußball, seit ich denken kann. Und was kann es Schöneres geben, als das Hobby zum Beruf zu machen?“ Ein weiterer reizvoller Aspekt am Dasein eines Fußballtrainers ist für Koschinat die Zusammenarbeit mit seinen Schützlingen. „Es macht mir eine unheimliche Freude, junge Spieler auf den Weg zu bringen.“

Langfristiges, konzeptionelles Arbeiten schwebt dem Coach vor: „Ich fühle mich hier am Südstadion brutal wohl. Wenn mir jetzt jemanden sagen würde, ich wäre in fünf Jahren immer noch hier und würde mit der Fortuna noch eine Klasse höher spielen, würde ich das sofort unterschreiben.“

Die Anhänger der Südstädter hätten kaum etwas dagegen, denn das wäre ja gleichbedeutend mit einer Fortsetzung der jüngsten Erfolgsgeschichte.

Dieser Artikel erschien in der Köln.Sport-Ausgabe 09/2011.