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„Sport braucht Seniorenbeihilfe“

Klaus Hoffmann, Vorstandsvorsitzender Stadtsportbund Köln. Foto: Horst Fadel

Klaus Hoffmann, Vorstandsvorsitzender Stadtsportbund Köln.
Foto: Horst Fadel

Beim Stadtsportbund Köln stehen die Zeichen auf Veränderung. Im 2. Teil des Interviews spricht der Vorstandsvorsitzende Klaus Hoffmann über zukünftige Aufgaben der Dach-Organisation.

Seit Februar diesen Jahres führt Klaus Hoffmann den Stadtsportbund Köln (SSBK) kommissarisch als Vorstandsvorsitzender. In Köln.Sport erklärt der erfahrene Ehrenamtler, wie es um die Dachorganisation des Kölner Sports bestellt ist, welche wichtigen Aufgaben bevorstehen – und in welcher Rolle sich der Verband mit seinen 240.000 Mitgliedern künftig sieht.

Herr Hoffmann, welche Schwerpunkte setzt sich der SSBK für die Zukunft?
Der SSBK stellt sich mit seiner Sportjugend dem Bereich Offene Ganztagsschule (OGTS) seit dessen Einführung im Jahr 2005 erfolgreich. Aber da bleiben wir nicht stehen, sondern werden weiteren Einfluss geltend machen. Außerdem sind die Bereiche Inklusion, Sport der Älteren und die Ausweitung der Qualifizierung zukünftige Kernaufgaben des SSBK.

Wie fällt Ihre Bilanz im OGTS konkret aus?
Immerhin engagieren sich über 70 Kölner Vereine im OGTS. Das sei einmal gesagt: Wir sind im OGTS Spitze in NRW, wir sind Spitze in Deutschland! Gerade auch das von der Sportjugend entwickelte Mitgliedschaftsmodell wird von Verwaltung und Politik durch konzeptionelle Voraussetzungen unterstützt. In dem Zusammenhang muss auch über eine vereinsübergreifende Hauptamtlichkeit intensiver nachgedacht werden, denn in den frühen Nachmittagsstunden kann ein berufstätiger Ehrenamtler in der Regel keine Sportangebote machen. Und neben OGTS stellen Kindergärten, weiterführende Schulen, Mitternachtssport, mobile Jugendzentren usw. weitere Herausforderungen dar.

Stößt der Breitensport beim Thema Inklusion auch an Grenzen?
Oftmals verfügen Sportstätten nicht über die notwendigen Voraussetzungen, deshalb sind Gespräche mit Verwaltung und Politik notwendig. Wenn über die Barrierefreiheit eines renovierten Opern- und Schauspielhauses gesprochen wird, müssen wir dies auch für unsere Sportstätten einfordern. Hier gilt eine uneingeschränkte Gleichbehandlung des Sports, der ohnehin im Bereich Inklusion eine herausragende Rolle spielt und spielen wird.

Der demografische Wandel stellt eine weitere Herausforderung für den Sport dar. Wie wollen Sie dem begegnen?
Der LSB hat mit Projekten wie „Bewegt älter werden in NRW“ und „Bewegt gesund bleiben in NRW“ Zeichen gesetzt. Wir streben zum Beispiel eine engere Zusammenarbeit mit der Seniorenvertretung Köln an, erste Gespräche hat es bereits gegeben. Überrascht hat mich dabei der
Hinweis, dass viele Senioren gerne Sport treiben würden, ihnen aber das Geld dazu fehlt. Wir reden über eine Jugendbeihilfe, aber brauchen wir nicht – angesichts der wachsenden Altersarmut – auch eine Seniorenbeihilfe im Sport? Ich glaube, dort sind wir, die Vereine aber vor allem die Kommune in nächster Zeit gefordert.

Die Stadt hat kein Geld, ist hoch verschuldet. Wie soll eine solche Seniorenbeihilfe finanziert werden?
Die Verschuldung der Stadt ist ein altbekanntes Thema. Umso mehr wird die künftige Finanzierung des Sports ein wichtiges Thema für uns sein. Wenn die Stadt den neuen Haushalt plant, müssen wir uns als SSBK einbringen und den Fraktionen erklären, was unsere Vorstellungen sind.

Die Institutionen des städtischen Sports in Köln sind zahlreich, seit kurzem wird nun auch der Verein „Sportstadt Köln“ hauptamtlich unterstützt. Kommt der SSBK in diesem Geflecht zu kurz?
Dieses Thema sollte man noch weiter fassen: Können wir mit all diesen Playern – Sportamt, SSBK, Sportstätten GmbH, KölnBäder, Sportstadt Köln e.V. – nicht ein neues Konstrukt entstehen lassen, das den Sport in dieser Stadt wesentlich effizienter darstellt? Der SSBK ist als Dachverband der Vereine die übergeordnete Interessensvertretung der Sportler in Köln. Aus dieser Rolle heraus möchten wir teamorientiert eine möglichst starke Allianz für den Sport entwickeln. Dafür muss der SSBK der Politik Vorschläge machen, wie ein solches Konstrukt aussehen kann. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass der SSBK innerhalb dessen auch eine führende Rolle spielt. Dies wird sicher eine Aufgabe desjenigen sein, der den SSBK ab Oktober weiterführt.

Warum bekommt der Sport nicht annähernd die Unterstützung, die etwa die Kultur in der Stadt erhält?
Wir wollen, dass der organisierte Sport die Stellung bekommt, die er seit Jahren verdient. Auch weil er Wertvolles in allen Lebensbereichen leistet. Dafür werden wir im SSBK zusammen mit den Vereinen kämpfen. Die Parteien haben vor der Kommunalwahl ihre Aussagen zum Thema Sport getroffen, an diese werden wir sie erinnern. Wir wollen nicht den Sport gegen die Kultur ausspielen. Aber was etwa das Thema subventionierte Eintrittskarten für Museen angeht, so sollte man in Köln auch nicht vergessen: 238.000 Menschen zücken in dieser Stadt ihre Eintrittskarte in den Vereinssport, und das fast täglich.

Interview: Frank Schwantes

Hier geht es zu Teil 1 des Interviews!

 

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