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Sportjugend kritisiert Reker-Brief

Flüchtlinge in Turnhalle

Auf 27 Hallen muss der Kölner Sport derzeit verzichten, da sie zur Unterbringung von Flüchtlinge gesperrt sind
Foto: Getty Images

„Der Vertrauensschwund eskaliert“ – mit drastischen Worten wendet sich die Sportjugend Köln an die Öffentlichkeit. Der Auslöser ist ein Brief von Oberbürgermeisterin Reker an die Vereine.

Die Sportjugend Köln hat sich mit einer drastischen Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gewandt. Unter dem Titel „Kölner Sportvereine wieder mal ins Abseits gestellt!“ kritisiert der Jugend-Dachverband des organisierten Sports die Reaktion von Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf die aus ihrer Sicht desaströse Hallensituation. Die ehemalige Sozialdezernentin hatte sich mit einem Brief an die von Hallenschließungen betroffenen Vereine gewandt. Darin bedankt sie sich für die geleistete Arbeit und erklärt die aktuelle Lage sowie die Entscheidungen der jüngsten Vergangenheit.

Das Schreiben sorgt für Kritik innerhalb des Sports: „Hatten die Vereine in den vergangenen Wochen eine Reaktion der verantwortlichen Stellen in Politik und Verwaltung wegen der desaströsen Hallensituation erwartet, so sahen sie sich wieder einmal getäuscht. Der Vertrauensschwund eskaliert. Nun schickte OB Henriette Reker einen Brief an die Vereine, der enttäuschender nicht sein kann und weitestgehend unverbindlich ist und im Nebulösen verbleibt“, heißt es in der Stellungnahme der Sportjugend: „Das reicht nicht, das ist schlecht, das ist entmutigend, fast demütigend. Keinerlei Perspektive für die Flüchtlinge, keinerlei Perspektive für die Sportvereine. Nichts!“

WDR-Recherchen hatten ergeben, dass Köln mit 25 Hallenbelegungen in Nordrhein-Westfalen einsam an der Spitze liegt. Nach KÖLN.SPORT-Informationen sind es aktuell sogar 27 Turnhallen, die aufgrund der Unterbringung von Flüchtlingen nicht für die Sportvereine bereit stehen, da sowohl eine Halle im Görlinger Zentrum (Bocklemünd) als auch in der Neuhöffer Straße in Deutz für eine Belegung bereits vorbereitet, aber derzeit nicht genutzt wird. Insgesamt entspricht ein Zehntel aller städtischen Sporthallen. „Seit dem 11. März haben wir keine weitere Halle belegt“, erklärte Josef Ludwig, als Wohnungsamtsleiter für die Unterbringung der Flüchtlinge verantwortlich, gegenüber KÖLN.SPORT. Eine Räumung der Hallen sei in nächster Zeit trotz der geringer Ankunftszahlen nicht zu erwarten.

Für den Sport eine existenzbedrohende Situation: Um sich gegen weitere Hallenbelegungen zu wehren, haben sich bereits vor den Osterferien Vereine zu einem Interessensbündnis zusammengeschlossen. Die Grenze des Erträglichen sei bei den Hallenschließungen überschritten, dadurch sei auch die wichtige Arbeit der Integration, die insbesondere in den Sportvereinen stattfindet, in höchstem Maße gefährdet. In Zusammenarbeit mit der Sportjugend wollen die Vereine Aufklärungsarbeit und Aktionen transparent planen und durchführen. Die Forderungen des organisierten Sports macht die Sportjugend deutlich: „Mutiges Handeln statt immer gleicher Worte und hilfloser Erklärungen“, so heißt es in der Pressemitteilung, die einen Vier-Punkte-Katalog beinhaltet. Sollte diese Forderungen ähnlich wie die auf dem Flüchtlingsgipfel des Stadtsportbundes aufgestellten Maßnahmen ignoriert werden, wolle man über weitere Aktionen beraten.