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Schmitt: „Ein Gefühl wie noch nie“

Stieß sich in Übach-Palenberg in die Weltelite vor: LT-DSHS-Athlet Thomas Schmitt Foto: Köln.Sport/Stefan Kühlborn

Stieß sich in Übach-Palenberg in die Weltelite vor: LT-DSHS-Athlet Thomas Schmitt
Foto: Köln.Sport/Stefan Kühlborn

Ein Versuch für die Ewigkeit: Kugelstoßer Thomas Schmitt verbesserte sich am Wochenende auf sagenhafte 21,35 Meter. Im Köln.Sport-Interview spricht der Physik-Student über seinen Traumstoß.

Mit einem Stoß versetzte Thomas Schmitt die deutsche Leichtathletik-Szene in Aufruhr. Beim Freiluft-Wettbewerb in Übach-Palenberg bei Aachen verbesserte der Kugelstoßer vom Leichtathletik-Team DSHS Köln seine persönliche Bestleistung am vergangenen Wochenende um schier unglaubliche 228 Zentimeter. Mit der Weite von 21,35 Metern im vierten Versuch schob sich der Physik-Student der Universität zu Köln für den Moment sogar bis auf Platz zwei der Weltjahresbestenliste vor. Mit Köln.Sport sprach der 26-Jährige über den Stoß seines Lebens.

Herr Schmitt, Sie haben Ihre eigene Bestleistung am Samstag um knapp 2 ½ Meter verbessert. Wie überrascht waren Sie von dieser Weite?

Ich war so überrascht, dass ich, nachdem die Weite wirklich feststand, nichts um mich herum mehr wirklich wahrgenommen habe. Ich konnte mich kaum mehr auf den Beinen halten und lag vor meiner Tasche und habe versucht, das alles zu verarbeiten. Dann kamen auch schon die ersten Leute, unter anderem meine Mutter, die gefragt haben, ob ich mich verletzt hätte, weil ich einfach nur da lag.

Haben Sie gleich gemerkt: Der Versuch wird richtig gut?

In der Bewegung habe ich es noch nicht gespürt. Aber als die Kugel die Hand verlassen hat, habe ich gemerkt, der muss gut sein. So ein gutes Gefühl hatte ich noch nie. Dass er über 21 Meter geht, hätte ich trotzdem nie geahnt.

Der Freiluftwettkampf in Übach-Palenberg scheint Ihnen besonders zu liegen. Hier hatten Sie 2008 auch den Jugendlandesrekord aufgestellt.

Die Anlage scheint mir wirklich zu liegen. Das liegt wahrscheinlich an der guten Atmosphäre und den vielen netten Menschen. Dort sind viele Leute, die sich wirklich für den Sport interessieren.

Wie ging es für Sie nach dem Wettkampf weiter?

Ich habe erst einmal meine Tasche zum Auto gebracht und mich ins Auto gesetzt, um Ruhe zu bekommen. Zu Hause habe ich gleich die Nada informiert und mich darum gekümmert, dass ich kontrolliert werde. Der Veranstaltungsleiter hatte mir direkt gesagt, dass ich das tun sollte.

War es für Sie ein logischer Schritt, gleich die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) über Ihre Leistung in Kenntnis zu setzen?

Das ist logischerweise der richtige Schritt, alleine um irgendwelchen Nachreden den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es war mir wichtig, dass ich von mir aus auf die Leute zugehe. Nach dem vierten Versuch wurde die Kugel nochmal gewogen und meine Tasche durchsucht. Ich kann verstehen, dass man auch als Veranstalter auf Nummer sicher gehen will, um seriös zu bleiben. Dass die Tasche durchsucht wurde, ist auch verständlich. Das wird bei Deutschen Meisterschaften auch gemacht, allerdings da bereits vor dem Wettkampf. Das ist der ganz normale Wahnsinn in unserem Sport. Heutzutage scheint es leider der Normalfall zu sein, dass Leistungen sofort hinterfragt werden. Das finde ich traurig. Ich finde es unfair, alle Sportler sofort unter Generalverdacht zu stellen. Das ist der falsche Weg.

Auf Ihrer facebook-Seite haben Sie nach dem Wettkampf darum gebeten, dass man die Erwartungen an Sie jetzt nicht in den Himmel wachsen lässt. Verspüren Sie nach dieser außergewöhnlichen Leistung Druck?

Wenn ich das alles verarbeitet habe, sage ich mir: Das war jetzt ein Ausrutscher nach oben. Versuch nicht, das zu wiederholen. Das würde mir in absehbarer Zeit vermutlich nicht gelingen. Ich versuche an die 19,94 aus dem zweiten Versuch anzuknüpfen. Wenn ich mich in dieser Region etablieren kann, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich auf Dauer wieder in solche Bereiche steigern kann.

Weiter als Sie hat in diesem Jahr noch kein Europäer gestoßen. Ist die Weltmeisterschaft ein Thema?

Vor der Saison war es natürlich kein Thema, weil ich mit so einer Leistung nicht gerechnet hatte. Es ist jetzt natürlich präsenter, aber ich muss die Leistung bestätigen. Jetzt zu sagen, ich will unbedingt zur WM, wäre sicherlich falsch und das tue ich auch nicht. Ich versuche es zu schaffen, ob es wirklich klappt, wird man sehen.

Die Qualifikation für die WM haben Sie trotz einer Weite von über 21 Metern aber noch nicht in der Tasche.

Das stimmt. Es war kein Norm-Wettkampf des DLV, es war aber ein Wettkampf nach internationalen Regeln. Das heißt, die Leistung ist gültig, zählt nur leider nicht für Qualifikation zur WM. Die Norm liegt bei 20,60 Meter, die B-Norm bei 20 Metern. Ich hoffe, die Erfüllung der B-Norm reicht, um mich mit zur WM zu nehmen.

2010 haben Sie auf Anraten Ihres damaligen Trainers zur Drehstoß-Technik gewechselt. Wie schwer ist Ihnen die Umstellung gefallen?

Ich bin relativ leicht reingekommen, obwohl diese Technik problematisch sein kann. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich im Drehstoß wesentlich weniger technische Probleme habe, obwohl es eigentlich anspruchsvoller ist. Durch diese Technik kann die Kugel einen längeren Weg gehen und ich scheine weniger Kraft zu benötigen. Trotzdem ist die Durchführung für mich anstrengender, da ich mich mehr konzentrieren muss.

Nach dem Wettkampf stand Ihr Telefon kaum still. Auch während des Interviews im Leichtathletikstadion der DSHS Köln kommen immer wieder Teamkollegen und beglückwünschen Sie. Wie sehr freuen Sie sich über die zahlreichen persönlichen und telefonischen Glückwünsche Ihrer Kollegen von der LT DSHS Köln?

Das macht mich stolz. Vor allem, weil ich weiß, dass sie auch vorher immer zu mir gekommen sind und sich nicht erst jetzt für mich interessieren. Das zeigt den tollen Zusammenhalt hier im Verein.

Interview: Stefan Kühlborn