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Roters: „Ehrenamt attraktiver machen“

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters beim Gespräch in seinem Amstzimmer. Foto: Benjamin Horn

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters bezieht Stellung in Sport-Fragen.
Foto: Benjamin Horn

Im Exklusiv-Interview mit Köln.Sport spricht Oberbürgermeister Jürgen Roters über Mittel für den Sport im städtischen Haushalt, die Hallen-Situation in Köln, das Thema Ehrenamt und vieles mehr.  Hier Teil eins des Interviews.

Herr Roters, der 19. Köln-Marathon muss wegen der Oberbürgermeister-Wahl vom 13. September 2015 auf den 4. Oktober ausweichen. Dies ist nicht die einzige Terminschwierigkeit im Kölner Laufkalender, zu Überschneidungen kommt es immer wieder. Wie lässt sich so etwas lösen?
Es ist schade, dass das feste Terminwochenende des Köln-Marathons – nämlich der erste Sonntag im Oktober – so ins Wanken gerät. Die Kommunalwahl am 13. September ist gesetzlich festgelegt, so dass wir sie nicht verschieben konnten. Den Marathon in Köln terminlich zu platzieren ist generell nicht so einfach, weil er auch immer mit Läufen in Berlin, Frankfurt und anderen Städten konkurriert, die fast im gleichen Zeitraum stattfinden.
Was die vielen Laufveranstaltungen in Köln angeht, so beklage ich in der Tat ein gewisses Durcheinander. Läufe, die von Leichtathletikvereinen durchgeführt werden, werden bei der Terminbörse des Leichtathletik-Verbandes Nordrhein gemeldet und koordiniert, damit es nicht zu Überschneidungen kommt. Dagegen müssen Sportagenturen ihre Laufveranstaltungen nicht im Laufkalender eintragen, was dann häufig zu Kollisionen führt. Wir als Stadt haben leider keinen unmittelbaren Einfluss auf die Läufe, es sei denn, es sind ordnungsrechtliche bzw. verkehrsrechtliche Fragen zu lösen. Deshalb würde ich es begrüßen, wenn es gelänge, eine Koordinierungsstelle einzurichten. Vielleicht lässt sich diese beim Sportamt der Stadt Köln anbinden.

Muss man nicht auch die Kölner Sportvereine schützen?
Letztlich entscheidet „der Markt“ darüber, denn die Sportler laufen dort, wo attraktive Veranstaltungen stattfinden. Dies kann man als Stadt nicht regulieren.

Viele Sportvereine klagen über einen Mangel an Ehrenamtlern, vor allem im Vorstandsbereich. Einige sprechen gar von existenzbedrohenden Zuständen in ihren Vereinen. Kann die Stadt bei diesem Problem helfen? 
Man muss da unterscheiden. Die Bereitschaft, sich in einem Verein zu organisieren – ob als Schatzmeister, Schriftführer oder Vereinsvorsitzender – nimmt generell ab. Das betrifft nicht nur den Sport, sondern auch Parteien und Gewerkschaften. Andererseits haben wir bei Freiwilligeninitiativen keinen Mangel. Und wir verfügen über 200.000 ehrenamtlich Tätige im Sozialsektor und im Kulturbereich. Heutzutage sind die Menschen weniger bereit, sich auf längere Zeit ehrenamtlich in einem Sportverein zu binden. Deshalb muss man darüber nachdenken, wie sich solche Tätigkeiten attraktiver gestalten lassen.

Wie könnte das gelingen?
Indem man beispielsweise weniger auf stundenlange Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen mit umfangreichen Ehrungen setzt, stattdessen lieber stringente Veranstaltungen durchführt, die auch zu guten Ergebnissen führen und von „Vereinstümelei“ Abstand nehmen. Des Weiteren muss für das Ehrenamt geworben werden. Das tue ich als Oberbürgermeister  immer wieder, denn dieses Engagement ist ein Stück weit der Kitt in unserer Gesellschaft, das zeigt sich auch in den Sportvereinen. Zudem sollten die Arbeitgeber – auch die öffentlichen – es unterstützen, wenn einer ihrer Mitarbeiter ehrenamtlich, freiwillig und unentgeltlich in einem Verein tätig ist. Indem man diesen engagierten Menschen zum Beispiel mit flexiblen Arbeitszeiten entgegenkommt. Das ist mein Appell an alle, die Arbeitgeber sind. Ein weiterer Punkt sind die Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtler: Man sollte darüber nachdenken, ob man diese steuerlich nicht stärker berücksichtigen kann, etwa mit höheren Freibeträgen.

Wie sehen Sie die größten Potenziale in der Bevölkerungsstruktur, um neue Ehrenamtler zu gewinnen?
Wir haben in Köln bereits viele Studenten, die sich für eine bestimmte Zeit ehrenamtlich engagieren. Außerdem gibt es viele Pensionäre und Ruheständler, die sich diesen Aufgaben widmen. Deshalb sollte man verstärkt diejenigen ansprechen, die sich langsam vom Berufsleben verabschieden.

Auch die Arbeit des Stadtsportbundes Köln (SSBK), der kürzlich einen neuen Vorstand gewählt hat, basiert zu großen Teilen auf ehrenamtlicher Arbeit. Was sind die Aufgaben, denen sich der Vorsitzende Klaus Hoffmann und sein Team in nächster Zeit insbesondere stellen müssen?
Der Weg, den der Stadtsportbund jetzt geht, ist der richtige. Denn er muss noch deutlicher die Interessen des etablierten, vereinsgebundenen Sports vertreten. Auch die Neufassung der Satzung ist ein wichtiges Thema, dabei sollte der SSBK den einzelnen Vereinen die Möglichkeiten geben, aktiv daran mitzuwirken. Zudem gilt es, gemeinsam mit den Vereinen dafür zu sorgen, weitere ehrenamtliche Mitarbeiter, Vorstände und Übungsleiter zu finden. Weitere wichtige Aufgaben sind Qualifizierungsmaßnahmen für Übungsleiter oder Hilfestellungen für die Vereine in Fragen der Buchführung.

Eine weitere Aufgabe stellt sich mit dem demografischen Wandel. Es müssen zusätzliche Angebote für Senioren geschaffen und weitere Übungsleiter gewonnen werden. Wie kann das gelingen?
Es ist zu begrüßen, dass die Vereine neuerdings Sportangebote für ältere Menschen schaffen, die sich von früheren abheben. Allerdings muss man dafür nicht immer einen Übungsleiter abstellen, denn ältere Menschen können sich innerhalb eines Vereins häufig selbst gut organisieren. Generell haben wir als Stadt mit der größten Sporthochschule Deutschlands aber die Möglichkeit, verstärkt Sportstudenten zu gewinnen – für die Arbeit im Verein, für die Arbeit mit Senioren und für Menschen mit Behinderung im Rahmen der Inklusion. Dieses Potenzial haben viele andere Städte nicht.

Interview: Frank Schwantes

 

Lesen Sie hier Teil 2 des exklusiven Interviews

Lesen Sie hier Teil 3 des exklusiven Interviews