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Rasen verboten

Es ist Januar, und in den unteren Ligen ist Winterpause. Zeit also zur Regenaration – sowohl für stark beanspruchte Fußballerbeine als auch für malträtierte Kickerknochen. Auch die Kölner Rasenplätze können sich nun ausgiebig erholen vom ständigen allwöchentlichen Kampf ums runde Leder in der Hinrunde. Grashalme lassen sich von wohl gesonnenen Händen erfahrener Platzwarte pflegen und aufpäppeln für den Rest der Saison.
Doch haben die Rasenplätze eigentlich eine solche Pflege nötig? Werden sie tatsächlich so stark frequentiert?
Schauen wir uns mal das Spieljahr genauer an. Gehen wir mal von einem „normalen“ Saisonstart im August aus, dann kann in aller Regel bis etwa Ende Oktober auf Rasen gespielt werden (Ausnahmen sind natürlich kurzfristige Sperrungen aufgrund vorangegangener starker Regenfälle). Häufig werden dann ab November bis zumeist März die städtischen Rasenplätze gesperrt. Hauptargument hierfür: Eine optimale Regeneration nach Spielen kann in diesen Monaten aufgrund der zu erwartenden schlechten Witterung nicht gewährleistet werden. Also gleich ab in den April, wo dann wieder auf Rasen und bevorzugt bei Biergartenwetter gekickt werden kann. Dies geht dann bis maximal Anfang oder Mitte Juni. Wenn dann die beste Jahreszeit, der Sommer, anbricht, eignen sich die Rasenplätze hervorragend für Sonnenanbeter. Ansonsten liegen sie brach – Sommerpause! Fassen wir nun zusammen, kommen wir somit im Jahr auf eine maximale Gesamtnutzungsdauer des satten Grüns von ca. 5,5 Monate. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Kölner Rasenplätze in aller Regel über die Hälfte des Jahres überhaupt nicht genutzt werden! Und selbst in diesen wenigen Monaten sind die Rasenplätze bisweilen gesperrt oder nur eingeschränkt nutzbar.
Kein Wunder daher, dass sich Vereine wie GW Nippes und TFG Nippes sogar darüber freuen, dass „ihr“ Rasenplatz der BZA an der Merheimer Straße in einen Kunstrasenplatz umgewandelt wird (außergewöhnlich, da ansonsten überwiegend Aschen- in Kunstrasenplätze umgebaut werden), damit sich die zahlreichen Mannschaften, insbesondere im Jugendbereich, nicht mehr auf der bis dato einzigen Spielfläche, einem förmlich „platt gespielten“ Aschenplatz, den Spielball nahezu weiterreichen müssen. Der bis vor kurzem gleich nebenan liegende Rasen war nämlich zu oft tabu – schon von weitem las man viel zu häufig: „Platzsperre – Betreten verboten!“

Hat der Rasen also ausgespielt? Wenn man den Vorhersagen der Firmen, die mit dem Bau von Kunstrasenplätzen seit Jahren vertraut sind, glauben mag, dann schon. Nicht dem Rasen, sondern dem Kunstrasen gehört die Zukunft. Beispiele für diese These lassen sich ja inzwischen schon bis in die höchsten Ligen Europas (u.a. Schweiz und Österreich) finden. Auch Fußballer schwärmen immer häufiger von der hervorragenden und witterungsunabhängigen Bespielbarkeit dieser Spielfläche. Eigentlich schade, denn sollte es für Fußballer nichts Schöneres geben, als seinem Hobby auf Rasen nachgehen zu können?
Freuen wir uns Fußball-Traditionalisten also über jeden weiteren Tag, an dem wir noch den Duft eines frisch gemähten Rasenplatzes inhalieren können. Es könnte bald vorbei sein.
(Randnotiz: Einen eigenartigen Weg geht Mittelrheinligist SC Brühl. Obwohl die Stadt Brühl vor wenigen Jahren das Schlossparkstadion grundlegend saniert und restauriert hat (man kann auch fast schon von einem Neubau sprechen) und nun eine wunderbare Spielstätte (weiterhin mit Rasenplatz) darstellt, spielt der Verein auch im Hochsommer lieber freiwillig nebenan auf Kunstrasen. Begründung: Man rechne sich hier mehr Erfolg aus. Und der Rasen bleibt verwaist…