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Pleiß: „Ich lerne täglich dazu“

Tibor Pleiß Utah Jazz NBA

Kämpft in der NBA um den Durchbruch: Der Kölner 2,18-Meter-Riese Tibor Pleiß
Foto: Getty Images

Ganz rund läuft das NBA-Abenteuer für Tibor Pleiß noch nicht. Im Köln.Sport-Interview spricht der kölsche 2,18-Meter-Center über seine ersten Monate bei den Utah Jazz.

Im Sommer wagte Tibor Pleiß den Sprung über den Teich und unterschrieb beim NBA-Klub Utah Jazz einen mit zehn Millionen Dollar dotierten Dreijahresvertrag. Doch eine große Rolle kommt dem kölschen 2,18-Meter-Riesen in seinem neuen Team noch nicht zu. Zehn Einsätze und im Schnitt 7,5 Minuten stehen aktuell für Pleiß zu Buche – zwischenzeitlich sammelte er sogar Spielpraxis beim Jazz-Farmteam Idaho Stampede, wo der Center durchaus überzeugte und den Weg zurück in die NBA-Kader fand. Im Köln.Sport-Exklusivinterview spricht der Kölner Basketballer über die Entwicklung bei den Jazz, die Zeit in der D-League, die nächsten Schritte in diesem Jahr und seine Verbindung zu den Kölner RheinStars.

Tibor, das neue Jahr startete für dich mit viel Spielzeit bei den Jazz. Wird 2016 das Jahr deines NBA-Durchbruchs?

Das kann ich nicht sagen. Ich kann mich nur durch gute Leistung anbieten. Mir ist bewusst, dass ich meine Chancen bekomme und ich will versuchen diese zu nutzen. Jede Minute ist zur Zeit wertvoll, die Saison ist lang. Da kann noch viel passieren.

Wie fühlt es sich an, endlich wieder wichtige Spielzeit zu bekommen? Was hat sich in deiner Zeit in der D-League verändert?

Die beiden Wochen in der D-League waren sehr gut. Das Team hat mich super aufgenommen und ich habe die Spielzeit genossen. Man will immer auf dem Parkett stehen. Es war sehr wichtig für mich, wieder Spielpraxis zu sammeln und gute Spiele abzuliefern. Natürlich fühlt es sich aber auch gut an, nun auch wieder im Jazz Trikot auf dem Court zu stehen.

Hast du das Gefühl, seit Sommer 2015 ein besserer Spieler geworden zu sein? Wie ist das erste Jahr in der NBA – verglichen mit dem, was du dir vorgenommen hattest?

Das ist schwer zu sagen. Ich muss mich immer noch an eine andere Spielweise gewöhnen. Das ist völlig normal – vor allem, da ich bereits 15 Jahre in Europa gespielt habe und die Spielweise doch etwas anders ist. Ich habe mir vorgenomme,  mich in der NBA zu etablieren und ein wichtiger Teil des Teams zu sein. Dass dieser Prozess nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist, sondern durchaus länger dauert, war mir klar. Die Coaches reden aber sehr positiv über meine Leistung und versuchen mich täglich noch besser zu machen.

Zunächst wurdest du nicht oft eingesetzt und dann zum Farmteam abgeschoben. Wie hast du diese Enttäuschung verarbeitet? Hast du zwischenzeitlich an dir und deiner Entscheidung gezweifelt?

Das war überhaupt keine Enttäuschung und abgeschoben würde ich auch nicht sagen wollen. Wir haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen, es war für alle sinnvoll. Ich habe mich gefreut, wieder mehr zu spielen, die D-League ist dazu da, Spielpraxis zu sammeln. Das ist in der NBA ein normaler Prozess und den haben schon ganz andere Spieler durchgemacht. Am Ende kann ich also sagen, dass die Zeit durchaus gut investiert war. An meiner Entscheidung, in die NBA zu gehen, habe ich definitiv keine Zweifel.

Einem anderen Kölner, Leon Draisaitl, ging es in der NHL zu Saisonbeginn nicht anders, doch nun ist er regelrecht durchgestartet. Ein Werdegang, aus dem Sie lernen können?

Ich kenne ihn leider nicht persönlich und habe seinen Werdegang nicht im Detail verfolgt. Natürlich kenne ich diese Story und freue mich, dass er nun Fuß gefasst hat. Die jungen, neuen Spieler benötigen Zeit, sich in diesen Profiligen zu akklimatisieren. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich, mir sind diese Prozesse bewusst. Ich konzentriere mich auf mich selbst und arbeite hart, um den nächsten Schritt zu machen, sei es auch erstmal nur ein kleiner. Wichtig ist, dass es immer vorwärts geht.

Tibor Pleiß D-League Idaho Stampede Utah Jazz

Pleiß (l.) im Trikot des Jazz-Farmteams Idaho Stampede
Foto: Getty Images

Ist die Anpassung an den etwas anderen Basketball in den USA mittlerweile abgeschlossen? Oder gilt auch nach sechs Monaten noch „work in progress“? An welchen Dingen möchtest/musst du unbedingt noch arbeiten?

Wirklich abgeschlossen ist nie etwas. Man lernt täglich neue Dinge dazu. Spielzeit ist dabei natürlich immer hilfreich, um diesen Anpassungsprozess zu verkürzen.

Oft wird bemängelt, du wärst körperlich noch nicht auf NBA-Niveau. Wie ist deine Einstellung dazu?

Das sehe ich nicht so. Die Jazz haben mich geholt und wissen, wie sie mich einsetzen. Die Leute kennen mich schon lange,  vielleicht haben sie noch den Tibor Pleiß im Kopf, den sie aus BBL-Zeiten kennen. Ich habe schon in Bamberg 35 Kilogramm Muskelmasse zugelegt. Ich kann mithalten. Was irgendwelche Leute heute noch bemängeln, interessiert mich nicht. Mich interessiert nur, was meine Trainer sagen.

Du hast im Frontcourt unter anderem Derrick Favors und Rudy Gobert an deiner Seite. Vom wem schaust du dir was ab?

Von beiden natürlich. Rudy ist ein smarter Spieler, sehr beweglich. Derrick hat ordentlich Power und ist ebenfalls sehr athletisch. Von beiden kann man sich was abschauen. Dazu sind es super Typen, die mich im Team toll aufgenommen haben. Das hilft viel weiter.

Du sammelst in 15 Minuten Spielzeit im Schnitt 3,5 Fouls. Entscheiden die Schiedsrichter in den USA anders als in Europa?

Ich denke, dass diese Statistik nicht aussagekräftig ist, da meine Minuten noch überschaubar sind. Natürlich ist das Spiel etwas anders und die Schiedsrichter entscheiden etwas anders als in Europa. Ich versuche in der Defense einfach immer alles zu geben und das ein oder andere Foul lässt sich dann einfach nicht vermeiden.

Siehst du die Jazz als ideale Franchise für deine persönliche Entwicklung? Was sind eure Ziele in der Saison?

Die Jazz sind ein junges Team, sie haben keinen großen Franchise Player. Hier steht das Team im Vordergrund, das ist unsere Stärke. Auch als Rudy und Derrick länger ausgefallen sind, konnten wir das durch unsere tiefe Bank gut kompensieren und viele Spiele gewinnen. Das macht die Jazz in diesem Jahr aus. Momentan stehen wir in der Tabelle auf einem Playoffplatz – diesen möchten wir halten.

Haben deine Kollegen dir schon vom Erlebnis NBA-Playoffs erzählt?
Nein. Darüber sprechen wir nicht. Es zählt das hier und jetzt. Es würde auch nichts bringen, darüber zu sprechen. Playoffs sind immer etwas Besonderes. Das war in der BBL so, in der ACB und es wird in der NBA genauso sein.

Wer sind eigentlich deine Lieblingsspieler in der NBA?

Steph Curry und Kevin Durant haben mich spielerisch schon sehr beeindruckt, aber einen richtigen Lieblingsspieler in dem Sinne habe ich eigentlich nicht.

Verfolgen Sie, was die RheinStars aktuell leisten oder fehlt für so etwas angesichts des knackigen NBA-Spielrhythmus die Zeit?

Natürlich verfolge ich die RheinStars. Mein Kumpel Jonathan Malu spielt dort, wir tauschen uns oft aus. Ich drücke die Daumen, dass sich das Team etabliert und mittelfristig in die erste Liga aufsteigt. Da gehören sie meiner Meinung nach hin. Köln ist ein super Basketball-Standort.