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Köln.Sport

Pioniere im Entwicklungsland

Meik Frauenrath (li.) und die Kölner Futsal Panthers kämpfen in der Regionalliga um den Klassenerhalt Foto: Boris Hempel

Meik Frauenrath (li.) und die Kölner Futsal Panthers kämpfen in der Regionalliga um den Klassenerhalt
Fotos: Boris Hempel

Die Hallenfußballvariante “Futsal“ erfreut sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Die Panthers aus Köln gehörten 2005 zu den Teams der ersten Stunde. 

Panthers, Lions oder ­Holzpfosten – die Teamnamen sind kreativ, das Tempo ist hoch. Die Rede ist vom Futsal, der offiziellen, vom Weltverband FIFA propagierten Variante des Hallen­fußballs. In Deutschland, wo traditionell eher körper- und zweikampfbetont gespielt wird, fristet Futsal zwar noch ein Schattendasein, aber nachdem der Deutsche Fußball-Bund 2001 damit begonnen hat, sich intensiver mit der – laut FIFA – am schnellsten wachsenden Hallensportart der Welt zu beschäftigen, entdecken landauf, landab immer mehr Kicker diese technikbetonte Fußballvariante für sich.

Diese Geschichte ist  der aktuellen Köln.Sport 02/2015 entnommen, die am Kiosk erhältlich ist

Diese Geschichte ist der aktuellen Köln.Sport 02/2015 entnommen, die am Kiosk erhältlich ist

Ein fruchtbarer Boden für sportliche Trends ist seit jeher die Deutsche Sporthochschule. Kein Wunder also, dass Köln zu den Futsal-Vorreitern und -Hochburgen des Landes zählt. Es begann im Jahr 2005, als sich eine Gruppe talentierter Kicker an der „Spoho“ zusammenfand und die Kölner Futsal Panthers gründete. Ein deutscher Meistertitel (2009) und die Vize-Meisterschaft 2012 zieren die Erfolgsbilanz der Truppe, der auch der Ex-Bayern-Kicker und Buchautor Timo Heinze angehörte. Weil aber viele Aktive ihr Studium beendeten oder sich anderen Vereinen anschlossen, stand die Zukunft der Panthers nach der Finalteilnahme 2012 auf der Kippe. Dass in der Domstadt weiterhin auf engem Raum getrickst wird, ist der Verdienst von Tomasz Luzar. Der begeisterte Futsalspieler leitete als Spielertrainer und zweiter Vorsitzender einen Neuaufbau ein.

Als eines von insgesamt zehn Teams der WFLV-­Futsal-Liga, einer der beiden Futsal-Ligen in NRW, kämpfen die Kölner im Jahr ihres zehnjährigen Jubiläums um den Klassenerhalt. „Es war nicht leicht, aber mittlerweile hat sich wieder ein fester Kern gebildet, mit dem wir uns langfristig in der Liga etablieren wollen“, sagt Felix Jansen, gleichzeitig erster Vorsitzender und Torwart der zweiten Mannschaft, die eine Klasse tiefer, in der Verbandsliga, um den Titel spielt. Seit vergangenem Jahr gibt es bei den Panthers auch ein Frauenteam, das aktuell aber nur Freundschaftsspiele bestreiten kann. Das jedoch äußerst erfolgreich, wie der jüngste 5:1-Sieg bei den “Holzpföstinnen“ aus Schwerte belegt.„Zur neuen Saison ist auch die Gründung einer Frauenliga ein Thema“, erklärt Jansen, der generell eine positive Entwicklung ausgemacht hat. Auch weil der Sport infolge der vom Verband organisierten Hallenturniere nach Futsal-Regeln schon an Bekanntheit gewonnen hat.

Bei den Panthers geben die Torhüter Tomasz Luzar (3.v.l.) und Felix Jansen (3.v.r.) die Richtung vor

Bei den Panthers geben die Torhüter Tomasz Luzar (3.v.l.) und Felix Jansen (3.v.r.) die Richtung vor

„Fußball in reinform“

Der Austausch der neongelben Filz­kugel gegen ein kleineres und schwereres Spielgerät schmeckt zwar längst nicht jedem, doch neben den Traditionalisten gibt es immer mehr Kicker, die fasziniert sind vom technisch anspruchsvollen und schnellen Spiel. „Futsal ist Fußball in Reinform und schult neben Technik und Spieltaktik vor allem Handlungsschnelligkeit und Wahrnehmung. Zunächst ist es ungewohnt, nach einer gewissen Eingewöhnungsphase macht es aber unglaublich viel Spaß“, versichert Jansen, der vom großen Potenzial seines Sports überzeugt ist. Wichtig sei, dass Vereine den Futsal nicht als Konkurrenz, sondern als perfekte Ergänzung verstehen. So wie der Bonner SC und Alemannia Aachen, die mittlerweile eine Futsal-Abteilung in ihren Klubs etabliert haben.

Ob auch die Panthers bald unter dem Dach des 1. FC Köln auf dem Parkett wirbeln werden, steht aber noch in den Sternen. Es wäre ein nächster Schritt auf dem Weg zur Etablierung dieser faszinierenden Sportart im Futsal-Entwicklungsland Deutschland.

Ihr nächstes Heimspiel bestreiten die Panthers am 31. Januar in der Sporthalle Everhardtstraße (20.30 Uhr) gegen die Bonner SC Futsal Lions. Hier ein paar Impressionen aus dem Hinspiel:

 

Das ist Futsal

Pelé, Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Xavi: Die Liste der Weltstars, die ihre ersten Fußballschritte auf Hallenboden gemacht haben, ist lang. Besonders in Südamerika sowie in Süd- und Osteuropa, wo es eigene Profi-Ligen gibt, ist die Begeisterung für Futsal riesig. Gespielt wird ohne Bande auf Handballtore. Jede Mannschaft besteht aus vier Feldspielern und einem Torwart. Die Spielzeit beträgt zweimal 20 Minuten. Der Ball ist kleiner und schwerer, springt weniger und ist dadurch leichter zu kontrollieren. Fouls werden restriktiv geahndet. Ab dem fünften Mannschaftsfoul gibt es für jedes Vergehen einen Strafstoß für das gegnerische Team. Auch das Tempo ist höher, denn ruhende Bälle müssen binnen vier Sekunden ausgeführt werden.

Sprachlich leitet sich Futsal vom portugiesischen futebol de salao oder dem spanischen futbol sala (Hallenfußball) ab. Der Ursprung der Sportart liegt in Südamerika. Seit 1989 wird Futsal von der FIFA als offizielle Variante des Hallenfußballs anerkannt. Seither finden regelmäßig internationale Turniere statt. Rekordweltmeister ist Brasilien, das bei der siebten WM 2012 in Thailand seinen fünften Titel gewann. Auf Anregung des Weltverbandes setzt sich seit 2001 auch der DFB intensiv mit dem Thema Futsal auseinander. Mittlerweile werden auch am Mittelrhein offizielle Verbandsturniere nach Futsal-Regeln ausgetragen. Eine deutsche Nationalmannschaft gibt es trotz Verbands-Auswahlturnieren, wie dem jüngsten in Duisburg, bei dem die FVM-Auswahl Platz sieben belegte, aber noch nicht.

Stefan Kühlborn